Charlie Hebdo beim Karneval So demonstrieren die Jecken in Köln und Düsseldorf für Meinungsfreiheit

Montag, 16. Februar 2015
"Bild"-Reporterin Jessica Gielen fotografierte den "Charlie Hebdo"-Wagen in Düsseldorf
"Bild"-Reporterin Jessica Gielen fotografierte den "Charlie Hebdo"-Wagen in Düsseldorf
Foto: twitter.com/JessicaGielen

Mit eigenen Motiv-Wagen haben die Narren in Düsseldorf und Köln am Rosenmontag an die Anschläge auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" erinnert. Der nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa von Zugbauer Jacques Tilly entworfene Wagen in Düsseldorf zeigt einen kopflosen Mann auf der Flucht vor einem Maskierten, der ein bluttropfendes Schwert schwingt. In den Händen hält der Flüchtende ein "Charlie Hebdo"-Magazin, aus seinem Hals kommt die Spruchblase "Satire kann man nicht töten".

Bis zuletzt wusste niemand, ob auf dem Karnevals-Umzug in irgendeiner Weise auf das Atttenat von 7. Januar mit 12 Toten Bezug genommen würde. Denn in Düsseldorf bleiben die Wagenmotive traditionell geheim. Wagenbauer Tilly bleibt sich damit treu: Laut dpa hat der gebürtige Düsseldorfer schon Osama bin Laden, Salafisten und andere religiöse Eiferer, aber auch Rechtsradikale auf die Schippe genommen. Auch in Köln spielte "Charlie Hebdo" eine Rolle beim Karneval - entgegen der Erwartungen. Das dortige Karnevals-Komittee hatte erst einen "Charlie-Hebdo"-Wagen geplant und die Bürger auf Facebook über die Entwürfe abstimmen lassen. Bei dem Voting setzte sich am Ende ein Motiv durch, auf dem ein Jeck einem Terroristen einen Stift in den Waffenlauf steckt. Dennoch entschloss sich das Komittee dazu, den Wagen nicht fahren zu lassen: "Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht", hieß es in der Begründung.

Nun kam es doch anders: Auf dem Wagen sieht man zahlreiche abgesägte Buntstifte, lediglich ein Exemplar steht noch aufrecht und wird von einem Narren mit Wasser gegossen. Auf dem Stift steht "Narrenfreiheit". Davor liegt der Kopf einer Attentäter-Figur. Laut "Kölner Express" handelt es sich dabei um einen Teil des nicht fertig gestellten, ursprünglich geplanten Wagens. "Damit hat der Clown mit der Narrenfreiheit schlussendlich gesiegt", zitiert die Zeitung das Kölner Festkommitee.

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Bild: Screenshot Twitter

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Beim Publikum kommen die Motto-Wagen offenbar gut an. "Bild"-Reporterin Jessica Gielen berichtet aus Düsseldorf via Twitter von "Toll"- und "Hammer"-Rufen des Publikums, ebenso von Applaus. Und auch die Integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in Nordrhein-Westfalen Serap Güler sowie der innenpolitische Sprecher der Grünen Volker Beck loben die rheinischen Jecken für ihr Statement. Erst gestern war der Braunschweiger Karnevalsumzug wegen Hinweisen auf eine konkrete Gefährdung abgesagt wordenire/mit Material mit dpa

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