Charlie Hebdo "Zärtlichkeit zwischen Völkern" - Das sagen die Medien über den historischen Trauerzug

Montag, 12. Januar 2015
Ausschnitt aus der "Frankfurter Rundschau"-Titelseite vom heutigen Montag
Ausschnitt aus der "Frankfurter Rundschau"-Titelseite vom heutigen Montag
Foto: FR

Arm in Arm für die Opfer des Anschlags auf "Charlie Hebdo": Hollande, Merkel, Cameron, Netanjahu, Abbas, Lawrow und Poroschenko. Über 50 Staats- und Regierungschefs sowie 1,5 Millionen Demonstranten machten Paris am Wochenende zur "Hauptstadt der Welt" (François Hollande). Wie die Medien diesen historischen Trauermarsch kommentiert haben, zeigt HORIZONT Online in einer Presseschau.

Ausschnitt aus der "Handelsblatt"-Titelseite vom heutigen Montag
Ausschnitt aus der "Handelsblatt"-Titelseite vom heutigen Montag (Bild: "Handelsblatt")

Gabor Steingart, "Handelsblatt"

"Europa besitzt nicht nur eine gemeinsame Währung, sondern auch gemeinsame Gefühle. Das mittlerweile millionenfach gerufene, ins Fenster gestellte, aufgestickte, gemalte "Je suis Charlie" ist eine moderne Interpretation des Wortes Solidarität. Wenn es eine Zärtlichkeit zwischen Völkern gibt, dann sieht sie so aus. Die gestern gezeigte Innigkeit zwischen französischem Präsidenten und deutscher Kanzlerin demonstrierte keine persönliche, sondern eine politische Vertrautheit. Frankreich und Deutschland sind die zwei Kammern des europäischen Herzmuskels. Trotz gelegentlicher Verspannungen: Da flimmert nichts." Mehr
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Klaus-Dieter Frankenberger, "FAZ"

"In der Stunde der Bewährung und der Rückbesinnung auf den Kern unserer politisch-gesellschaftlichen Verfasstheit stehen wir zusammen. Diese Gemeinsamkeit darf nicht schwinden, wenn das Gefühl der Bedrohung nachlässt oder der politische Alltag wieder zurückkehrt. Auch nach der weltpolitischen Zäsur des '11. September' waren große Allianzen geschmiedet worden und ein globaler Geist der Zusammenarbeit beschworen worden. Lange gehalten hatte das nicht. Der '7. Januar' sollte wenigstens uns Europäer eine Mahnung sein, dass die Sicherheit der Bürger verteidigt werden muss – so wie das republikanische Gemeinwesen verteidigt werden muss." Mehr

Stefan Simons, "Spiegel Online"

"Symbolstarke Bilder aus den Metropolen, wo sich schon am Vortag mehr als 800.000 Menschen versammelt hatten. In Paris waren es eine Million Bürger, die vom Monument der Republik zum Trauermarsch aufbrachen. Dazu mehr als 54 Staats- und Regierungschefs. Paris erlebte die größte Kundgebung seit der Befreiung 1945, der '11.1' wird in die Geschichte der V. Republik eingehen als 'Gipfel der Solidarität'." Mehr

Christian Wernicke, "Süddeutsche"

"Die Nation gehorcht einem neuen Dreisatz. 'Je suis Charlie'. Die Parole meint längst mehr als nur die bloße Solidarität mit Charlie Hebdo, jener Satirezeitung, die als erste vom Terror getroffen wurde. 'Ich bin Charlie', das ist die Demarche einer standhaften Republik, einer Formel für das 'Wir-Gefühl', das die Franzosen plötzlich eint." Mehr

Sascha Lehnartz, "Die Welt"

"Die Stimmung des gesamtrepublikanischen Sonntagsspaziergangs war geprägt von Trauer um geliebte Freunde, von Trotz und Widerstandsgeist, aber auch von Ironie, ganz so, als habe man den Geist der ermordeten Satiriker von 'Charlie Hebdo' auch zu deren Trauerfeier transportieren wollen." Mehr

Axel Veiel, "Berliner Zeitung"

"Christen, Muslime und Juden haben am Sonntag gemeinsame Sache gemacht. Zu Millionen sind sie in ganz Frankreich auf die Straße gegangen. Seite an Seite haben sie den Terror verurteilt, sich zu Toleranz und Meinungsfreiheit bekannt und der ermordeten Journalisten des Satire-Blattes Charlie Hebdo gedacht. (...) Wie ein Wunder mutet das an. Durch die Wirtschaftskrise zermürbt, durch die Globalisierung verunsichert, von wachsendem Islamismus bedroht, hatten die Franzosen in Scharen den Rückzug ins Private angetreten. (...) Doch nun haben ausgerechnet Terroristen Niedergang und Zerfall aufgehalten." Mehr

Peter Unfried, "taz"

"Millionen haben auf Plätzen und im Internet ein Banner mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ hochgehalten oder gepostet. Das kann man so verstehen, dass Menschen den Mördern von Paris defensiv aber nachdrücklich sagen, dass auch sie Charlie sind. Also genau wie die Ermordeten für die Freiheit der Meinung, der Satire, des subversiven Humors, der Religionskritik stehen. Dass die Terroristen also eine ganze Menge zu tun haben, wenn sie alle vernichten wollen, denen diese Freiheit wichtig ist." Mehr

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