Causa Jan Böhmermann Oliver Kalkofes brillanter Kommentar zur Satirefreiheit

Montag, 18. April 2016
Ungewohnt ernsthaft: Oliver Kalkofes Kommentar zur Satirefreiheit
Ungewohnt ernsthaft: Oliver Kalkofes Kommentar zur Satirefreiheit
Foto: Screenshot Youtube

Eigentlich ist Oliver Kalkofe ja eher für eine etwas derbere humoristische Gangart bekannt. In einem von Tele 5 verbreiteten "Kommentar zur Satirefreiheit" zeigt sich der Komiker und Satiriker aber ungewohnt nachdenklich - und liest der Politik ordentlich die Leviten.
Zu Beginn des rund achtminütigen Videos erklärt Kalkofe noch einmal ausführlich, was Böhmermann mit seinem "Schmähgedicht" eigentlich bezweckt hat: Nämlich, den Unterschied zwischen freier Meinungsäußerung und Satire und böswilliger Schmähkritik zu erklären. "Blöd nur, dass dieses Spiel mit der Meta-Ebene für sehr viele Menschen ein wenig zu hoch angesetzt war." Vor allem arbeitet sich Kalkofe aber an den Reaktionen des ZDF und der Bundesregierung ab, die aus einer Satire eine Staatsaffäre gemacht hätten. So halte er die Entscheidung des ZDF, die Sendung aus der Mediathek zu verbannen, für "feige" und "beschämend falsch" für einen öffentlich-rechtlichen Sender. Die Löschung verhindere, das Gedicht in seinem intendierten und präsentierten Zusammenhang sehen zu können  - "und  nimmt uns allen somit die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung bilden zu dürfen".

Besonders heftig kritisiert der Komiker die Entscheidung der Bundesregierung, dem Wunsch der Türkei nach einem gesonderten Verfahren nach Paragraph 103 wegen Beleidigung des Staatspräsidenten Erdogan zuzustimmen. "Was uns Bürgern und anderen Staaten nun traurigerweise sagt: Auch bei uns ist das Recht auf Satire und freie Meinungsäußerung zwar theoretisch gegeben – Endet aber leider dort, wo der Adressat eines Scherzes den Witz nicht verstanden hat." Die Entscheidung werde vermutlich "als mutloses Einkicken und Verrat an den Werten unseres Landes und unserer Freiheit stehen bleiben", fürchtet Kalkofe.

Sein Fazit: "Ein trauriger Tag für unser Land und unsere Meinungsfreiheit. Aus einem kleinen, zugebenermaßen diskussionswürdigen Scherz, wurde eine absurde Staatsaffäre. Aus einem Furz wurde ein Tsunami. (...) Diese Entscheidung war vielleicht nicht der Tod der Satirefreiheit, aber zumindest ein gewaltiger Tritt in ihre Eier. Die eben unsere Regierung gerade damit nicht bewiesen hat."

Auch Kai Blasberg, Geschäftsführer von Kalkofes Heimatsender Tele 5, hat sich am Freitag mit einem wütenden Kommentar zu Wort gemeldet. Als Chef eines Senders, der Heimat vieler Komödianten sei, deren Beruf es mit sich bringe, sich regelmäßig in allen denkbaren Geschmacksschubladen zu vergreifen, fühle er sich durch die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ungeschützt. "Sie haben einen Eid darauf gegeben, uns Kraft Ihres Amtes zu schützen. Diesen Eid haben Sie gebrochen. Gehen Sie!", so sein dramatischer Appell an die Kanzlerin. dh

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