CES 2016 Die Zukunft des Fernsehens zwischen aufrollbarem Display und gläsernem Nutzer

Donnerstag, 07. Januar 2016
Große Screens, starke Inhalte: Auch darum geht es auf der CES in Las Vegas
Große Screens, starke Inhalte: Auch darum geht es auf der CES in Las Vegas
Foto: CES

Neue, größere TV-Geräte und Übertragungswege sind traditionell eines der Kernthemen der CES. Am Mittwoch ging es aber auch um das neue Verhalten der Nutzer. Seitdem steht fest: Beide Bereiche entwickeln sich eher gegensätzlich.

Erzählt man bei der CES eine Geschichte über die Zukunft des Fernsehens, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, man wählt die bunt blinkende, die besser zu Las Vegas passende Version: Darin geht es, zweifellos zu Recht, um riesige 8K-Fernsehgeräte mit Megaauflösung, wie sie etwa LG zeigt, um Bildschirme, die sich dank Samsung mit smarten Haushaltsgeräten koppeln lassen, und um Fernseher, die samt OLED-Display (nochmal von LG) aufrollbar sind wie eine Zeitung. Oder man nimmt die weniger schillernde Version, in der es um die Entwicklung des Nutzerverhaltens geht. Wir wählen Letztere.

Denn nach einem Tag CES-Kongressprogramm ist klar: Die internationale TV-Branche, wenngleich angesichts verschiedener Verbreitungswege und -formen nicht immer vergleichbar, plagt sich doch mit denselben Problemen beziehungsweise Chancen wie die deutsche. Die jungen Nutzer verabschieden sich allmählich vom klassischen Fernsehen und wissen mittlerweile genau, über welche Plattform sie welche Inhalte abrufen können. Online-Video gilt ebenso als Wachstumstreiber wie Mobile, wenn auch mit einigem Vorsprung in den USA. "Wir erleben gerade das goldene Zeitalter von Mobile", sagt Sharon Mussalli, Industry Manager Entertainment bei Facebook US. "Der Shift ist passiert."

Die genauen Targetingmöglichkeiten des sozialen Netzwerks seien ein unschlagbarer Vorteil, betont Laura Martin, Marktforscherin bei Needham & Company, ein Unternehmen, das Forschung für die Internet- und Unterhaltungsindustrie betreibt. "Diese Möglichkeiten müssen auch ins klassische TV gebracht werden." Gleichzeitig  prophezeit Martin aber auch die steigende Bedeutung der Wirkungsmessung und rüffelt Kollegin Mussalli, globale Facebook-Gewinne mit nationalen TV-Erlösen zu vergleichen. Auch diese Gefechte kennt man hierzulande. Und auch das Wachstum des Marktes für das sogenannte OTT (Over The Top Television) ist bei mehreren TV-Runden Thema - mit einem auf der Messe gerne gehörten Schluss: "Wir können unseren Content nicht mehr wie früher einfach so ausspielen. Wir brauchen ein genaues Wissen über unsere Nutzer", sagt Erin Flood, die bei Verizon den Bereich Content Strategy & Akquisition verantwortet.

Das sagte im Übrigen auch Netflix-CEO Reed Hastings in seiner Eröffnungskeynote am Mittwoch. Er will seinen Nutzern schon bald den auf sie perfekt abgestimmten Film zeigen, sobald sie Netflix starten. Genau wie viele Marketingunternehmen wollen die amerikanischen TV-Unternehmen nämlich genau dort sein, wo der Zuschauer ist, auf allen Kanälen und Plattformen. Umgekehrt formuliert es Verizon-Managerin Flood: "Der Nutzer will Fernsehen zum Mitnehmen."

Was das nun alles mit der anderen Version der Geschichte, der bunten, mit den stechend scharfen und schrankwandgroßen Geräten zu tun hat? Nun - gar nichts. kan

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