Nate Diese App zeigt Werbung auf dem Sperrbildschirm - und spendet die Erlöse

Dienstag, 06. Oktober 2015
Die App Nate zeigt Werbung im Smartphone-Sperrbildschirm
Die App Nate zeigt Werbung im Smartphone-Sperrbildschirm
Foto: Nate

Werbung ist oft laut und nervt - und dann gibt sie den Nutzern noch nicht einmal ein gutes Gefühl. Die Macher des Start-ups Nate wollen das ändern. Ihre App nutzt den Sperrbildschirm des Smartphones für Werbeeinblendungen. Die Erlöse daraus werden allerdings zum Großteil gespendet. Wohin, bestimmt der Nutzer.
Die Entwicklung von Nate basiert auf mehreren Erkenntnissen. Erstens: Mobile Werbung ist der digitale Wachstumstreiber schlechthin. Zweitens: Smartphone-Nutzer schauen teilweise über hundert Mal am Tag auf ihr Gerät. Und drittens: Immer mehr Nutzer fühlen sich von Online-Werbung belästigt. Während Argument 1 vor allem die Werbeindustrie überzeugen soll, zielen die anderen beiden auf den Nutzer ab. Nate macht den Usern nämlich ein einfaches, aber verlockendes Angebot: Wir zeigen dir Werbung auf deinem Sperrbildschirm und spenden bis zu 80 Prozent der Erlöse an einen guten Zweck deiner Wahl. Noch befindet sich Nate in der Launchphase. Im November soll es losgehen, erzählt Hubert Eiter, einer der Mitgründer von Nate. Der langjährige Svarovski-Marketer hat sich für das Unternehmen mit dem Ehepaar Felix und Anna Günther-Fridheim zusammengetan, er Brand Manager bei Red Bull, sie Global Marketing Manager bei dem Designunternehmen Silhouette. Weitere Investoren sind Betterplace-Gründer Till Behnke und die Berliner Kreativagentur Die Taikonauten. Außerdem gehört Community Manager Lukas Fellhauer zum Team. Unterstützt wird die Idee zudem von Manfred Kluge. Der DACH-Chairman der Omnicom Media Group fungiert für Nate als Mentor. Jüngst hat Nate außerdem Gruner + Jahr EMS als exklusiven Vermarktungspartner gewonnen.

Und so funktioniert es: Etwa jedes vierte Mal, wenn der Nutzer seinen Sperrbildschirm öffnet, bekommt er eine Werbeanzeige zu sehen. Diese Frequenz habe sich bisher als die beste herausgestellt, sagt Eiter im Gespräch mit HORIZONT Online. Was für Werbung angezeigt wird, kann der Nutzer über die Angabe von Interessensgebieten in seinem Profil etwas genauer eingrenzen. Zudem lässt sich bei Bedarf auch eine Werbepause einrichten. Wohin das Geld geht, kann bei der Profilerstellung ebenfalls definiert werden. Derzeit umfasst die Datenbank von Nate Unternehmensangaben zufolge etwa 400 Organisationen, die das deutsche oder österreichische Spendensiegel tragen. Über die Spendenplattform betterplace.org lassen sich zudem eigene Projekte finanzieren.
Außerdem zeigt Nate den aktuellen Spendenstand in Echtzeit an
Außerdem zeigt Nate den aktuellen Spendenstand in Echtzeit an (Bild: Nate)
Die aktuelle Weltlage zeigt das Potenzial von Nate: Gerade vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise hat sich gezeigt, dass die Menschen in Deutschland eine hohe Spendenbereitschaft an den Tag legen. Unternehmen, die bei Nate werben, können sich das zunutze machen - und werden von den Nutzern hinterher wahrscheinlich direkt mit dem guten Zweck in Verbindung gebracht.

Natürlich hängt die Spendengröße vom Preis ab, den die Werbepartner bezahlen. Im Schnitt lägen die Spenden bei einem bis 2,5 Cent pro Werbebild, heißt es auf der Nate-Homepage. "Wir stehen vor der Herausforderung, Werbeplätze zu verkaufen, ohne schon über eine kritische Reichweite zu verfügen. Allerdings ist das Umfeld für Werbungtreibende äußerst attraktiv: Die Zielgruppe, die man mit Nate erreicht, ist nicht nur offen für Werbung, sondern fragt diese sogar aktiv nach", erklärt Eiter im Gespräch mit HORIZONT Online.

Da die App sich noch im Aufbau befindet, wird die Werbung zunächst nicht auf TKP-Basis verkauft, sondern nach einem Fixpreismodell. Ein Beispiel: Für mindestens 100.000 Impressions zahlt der Kunde im Paket "Nate easy - Kurzstrecke" rabattfreie 7.400 Euro. Dabei garantiere man 100 Prozent Viewability und absolute Sicherheit des Umfelds, versichert Eiter. Wird die Werbung direkt bei Nate gebucht, werden 80 Prozent der Erlöse gespendet. Bei Buchung über G+J EMS erhält der Vermarkter 25 Prozent Provision. Nate selbst strebt einen Gewinn von 5 Prozent der Werbeumsätze an. Die entscheidende Botschaft ist jedoch: Mindestens 50 Prozent des Werbegeldes wird gespendet.
Nate-Mitgründer Hubert Eiter
Nate-Mitgründer Hubert Eiter (Bild: Nate)
Geht Nate momentan noch in erster Linie mit Versprechen auf die Werbindustrie zu, will man künftig mit handfesten User-Zahlen punkten. "Je schneller wir wachsen, desto attraktiver wird das Pricing", sagt Eiter. Schon im kommenden Jahr soll die Nutzerzahl auf 112.000 anwachsen, die für ein Spendenvolumen von kumuliert 2,3 Millionen Euro sorgen sollen. Dann will man auch in mindestens einem internationalen Markt vertreten sein, voraussichtlich Großbritannien oder Frankreich. 2017 sollen es schon 355.000 Nutzer und 9,5 Millionen Euro sein. Beim Wachstum setzt Eiter auch auf die Hilfe der Nutzer: "Wir glauben beim Wachstum an den sozialen Effekt. Die Idee hinter Nate ist so relevant für viele Sozialprojekte und aktuelle gesellschaftliche Themen, dass sie Nutzer dazu animiert, die App weiterzuleiten und teilen."

Eine große Baustelle gibt es bei Nate allerdings noch: Die App funktioniert zunächst nicht auf Apple-Geräten. Der Hersteller gibt seinen Sperrbildschirm nicht für Werbeeinblendungen frei. Eiter räumt ein, dass die Wahrscheinlichkeit, den iPhone-Hersteller eines Besseren zu belehren, wohl eher gering sind. Dieses Problem will man umgehen, indem man das Nate-Prinzip für Apple-Geräte anpasst, etwa durch Push-Notifications. ire
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