"Buzzfeed" im HORIZONT-Check Listen, die die Welt bedeuten - oder auch nicht

Donnerstag, 16. Oktober 2014
Screenshot der deutschen Buzzfeed-Website
Screenshot der deutschen Buzzfeed-Website
Foto: Unternehmen

Katzencontent für alle: Ein halbes Jahr nach der Ankündigung, das so erfolgreiche "Buzzfeed" auch hierzulande zu launchen, ist das bunte Portal mit seiner Deutschland-Ausgabe gestern an den Start gegangen. HORIZONT Online hat sich die Website einmal genauer angesehen.

Layout

Wer das Startangebot von "Buzzfeed Deutschland" überblickt, dem fällt zunächst einmal eines auf: Bis auf eine Reihe deutscher Artikel ist die Homepage praktisch nicht von der US-Website zu unterscheiden. Verständlicherweise setzt die Plattform - wie auch bei den anderen Ablegern in Großbritannien, Australien, Brasilien, Spanien, Frankreich und Indien - auf ein vollkommen einheitliches Layout. Damit macht "Buzzfeed" klar, dass die länderspezifischen Angebote nur ein Teil der mächtigen US-Mutter sind, die monatlich rund 150 Millionen Unique User auf ihre Seite lockt. Oder positiver formuliert: Alle zusammen bilden eine große Familie, die die Welt des viralen Contents im Netz regieren will. Einen kleinen Unterschied zwischen deutscher Seite und dem US-Auftritt gibt es aber doch: Statt sieben "Reaction-Buttons", mit denen die Artikel auf "Buzzfeed" jeweils gekennzeichnet sind, gibt es hierzulande nur sechs: "LOL", "Genial", "OMG", "Süß", "Fail" und "WTF" - "Trashy" fehlt (noch).

Inhalt

Auch inhaltlich gibt es bei der deutschen "Buzzfeed"-Edition zum Launch viele Überschneidungen: Auf der Startseite wechseln sich neue deutsche Inhalte mit solchen ab, die aus dem Englischen übersetzt wurden und jenen, die sogar völlig unverändert aus dem US-Angebot importiert wurden. Die Bandbreite an Themen, die der Dienst pro Artikel mit einem mehr oder weniger aussagekräftigen Bild anteasert, ist groß und typisch verschroben: "25 Dinge, die Dir nur in Berlin in der Bahn passieren können", "34 Menschen, über die nur Helmut Kohl so urteilen kann", "17 wahnsinnig clevere Produkte, die jeder Säufer haben sollte", "7 Wahrheiten über das Leben, die Du von Stromberg gelernt hast" - um nur ein paar zu nennen. Dahinter verbergen sich die bildlastigen Rankings, die teilweise ihre Botschaften in den Bildern kenntlich machen oder mit einem Kurztext darunter versehen sind.
Buzzfeed Deutschland
Bild: Bild: Screenshot buzzfeed.com

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Nicht umsonst gilt "Buzzfeed" zudem als Vorreiter eines Native-Advertising-Modells. Auch in Deutschland konnte man gleich zum Start ein Großunternehmen gewinnen, das gesponserte Posts bereitstellt: Opel will mit 15 Beiträgen in deutsch und englisch für den Kleinwagen Adam Rocks werben. Zwei Artikel, die sich thematisch nicht wirklich um Autos, sondern vielmehr um "kleine Dinge" im typischen "Buzzfeed"-Stil drehen, sind bereits online.

Usability

"Buzzfeed" war vielleicht die erste Website weltweit, deren Homepage einem (geordneten) Chaos gleicht. Die Anordnung der einzelnen Meldungen und Bilderstrecken folgt keiner inneren Logik, alles ist untereinander aufgereiht und lässt sich bis ins Endlose nach unten scrollen. Thematisch getrennt sind die Artikel dabei nur durch die verschiedenen Reaction-Buttons. Eine Suchfunktion sucht man in der deutschen Edition genauso wie eine Navigationsleiste vergeblich.

Das alles überrascht jedoch nicht: Wohl keine andere Website auf der Welt legt so wenig Wert auf ihre Homepage wie "Buzzfeed". Vielmehr kommt der überwältigende Großteil der Nutzer über die sozialen Netzwerke auf die Plattform und einzelne Artikel. Dazu passt auch ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal, der auf Sharing ausgelegten Plattform: die sehr großen Social-Media-Buttons. Mit denen lassen sich zwar leider keine einzelnen Bilder auf Facebook, Twitter, Pinterest und Co. teilen, wie die vielen Buttons suggerieren, dafür aber natürlich ganze Artikel - schließlich geht es ja um möglichst viel Buzz.

Fazit

Das deutsche "Buzzfeed" ist vor allem eines: bis auf die deutsche Sprache nicht zu unterscheiden von dem großen amerikanischen Bruder. Und das ist auch gut so, will die Seite auch in den hiesigen Gefilden mit ihrem eigenwilligen, aber weltweit so erfolgreichen Konzept durchstarten. Ob man aber auch in Deutschland einen Siegeszug wie in Übersee startet und die digitale Medienlandschaft auf den Kopf stellt, darf bezweifelt werden. Zu abstrus und nichtig sind die zahlreichen Listen, die sich allesamt zwischen Emotion, Tränendrüse und Witz bewegen. Immerhin: Zum Schmunzeln regen Beiträge wie "20 Dinge, die Du nur machst, wenn Du unter 25 bist" allemal an - aber das war auch zu erwarten.

Mittelfristig wird es spannend sein zu sehen, ob die Plattform auch hierzulande versucht, mit Lifestyle-Content und Ratgeber-Artikeln neue Leser zu gewinnen. In den USA hat dieser Ansatz unter dem Titel "Buzzfeed Life" bereits zu einem beträchtlichen Erfolg geführt. Wobei der Weg zu seriösem Journalismus dennoch ein weiter ist. Worauf "Buzzfeed" in unseren international vernetzten Zeiten zählt, ist vielmehr eine sich in den letzten Jahren im Social-Web entwickelte Art von Humor, der die junge Netzgemeinde rund um den Globus anspricht, einen gewissermaßen universellen Entertainment-Faktor, der mittlerweile eben auch in Deutschland funktioniert - und der verbreitet sich viral ja bekanntlich besser als schlechte Nachrichten. tt
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