Buzzfeed-Manager Scott Lamb "Qualität reicht heute nicht mehr aus"

Donnerstag, 03. April 2014
Scott Lamb beim Digital Innovators' Summit in Berlin
Scott Lamb beim Digital Innovators' Summit in Berlin


Scott Lamb, Vice President International des populären US-Portals Buzzfeed, war beim Digital Innovators' Summit in Berlin ein gefragter Gesprächspartner. Das Portal eilt derzeit von Erfolg zu Erfolg: 130 Millionen Unique User lockt Buzzfeed mit bunten Geschichten, Listen und immer mehr journalistischen Inhalten pro Monat an - ein Großteil wird über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter auf die Seite gelenkt. HORIZONT sprach mit Lamb über Katzenbilder, Native Advertising und den bevorstehenden Deutschland-Start des Portals.

"Qualität allein reicht heute nicht mehr aus"

Als Mitarbeiter von Buzzfeed lieben Sie Rankings. Was sind Ihre drei deutschen Lieblings-Websites?

Ich mag Bild.de. Die Website ist sehr bildlastig und Buzzfeed in vielerlei Hinsicht recht ähnlich. Ich bin auch ein großer Fan von Der Postillon. Die Seite ist mir hier von vielen Leuten empfohlen worden. Unter den klassischen Nachrichtenportalen gefällt mir Süddeutsche.de. Die sind sehr innovativ und haben viele neue Ideen.

Was ist wichtiger: Die Inhalte an sich oder die Art und Weise, wie man sie präsentiert und teilt?
Es ist immer eine Mischung aus beidem. Bislang dachte man: Wenn man guten Content hat, finden ihn die Leute auch und teilen ihn. Im Social Web reicht das definitiv nicht. Wir haben bei Buzzfeed die Erfahrung gemacht, dass Qualität allein nicht mehr ausreicht. Man muss seine Inhalte so zusammenstellen, dass die Nutzer sie auch leicht teilen können. Die Kunst ist, beides optimal zu kombinieren. Daher haben wir am Anfang auch auf bunte Geschichten und Entertainment gesetzt und nicht auf harte News. Es hat eine Weile gedauert, bis wir verstanden haben, wie wir die Regeln, die für Katzenlisten gelten, auch auf seriöse News übertragen können.

Wäre der Erfolg von Buzzfeed ohne soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram denkbar?
Nein. Das Social Web ist unser Broadcaster. Wenn Twitter, Facebook & Co morgen dichtmachen würden, müssten wir wohl auch schließen.

Buzzfeed setzt mittlerweile verstärkt auf aktuelle News. Wie passt das zu Katzenbildern und Listen?
Entertainment und News halten sich derzeit in etwa die Waage. Aber ich sehe darin kein Problem. Die Leute, die sich viel im Netz aufhalten, sind es gewohnt, dass sie in einem Moment ein Hundebild von einem Freund sehen und im nächsten einen Link zu einer Geschichte der New York Times.

Was können andere Website-Anbieter von Buzzfeed lernen? Sollten wir alle mehr Listen machen?
(Lacht.) Nein, das passt sicher nicht zu jedem Angebot. Die Leser von Süddeutsche.de wären mit Sicherheit sehr verwirrt, wenn sie plötzlich alberne Listen auf der Website finden. Und es wäre auch schwierig für sie, gute Listen zu machen. Anbieter müssen sich klar machen, wer sie liest, welche Inhalte zu ihren Lesern passen und sich dann voll und ganz darauf konzentrieren. Und man muss das Verhalten seiner Nutzer auch entsprechend analysieren und seine Schlüsse daraus ziehen.

Sie setzen in der Vermarktung vor allem auf Featured Stories. Funktionieren diese Werbeformen auch für andere Plattformen?
Mit Sicherheit. Die NYT.com hat gerade ein entsprechendes Programm gestartet. Für Publisher bietet Native Advertising neue Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Jeder Anbieter muss für sich herausfinden, welche Modelle funktionieren und welche nicht. Der große Vorteil im Vergleich zu Display-Werbung ist außerdem, dass sie auch auf mobilen Endgeräten sehr gut funktionieren. Man muss keine gesonderten Werbeformen für unterschiedliche Endgeräte anbieten, sondern hat ein Produkt, das auf allen Plattformen gleichermaßen einsetzbar ist.

Wie weit sind die Pläne für den Start in Deutschland gediehen?
Wir suchen derzeit die Mitarbeiter für unsere deutsche Website. Wir werden hier mit einem kleinen Team von drei bis vier Leuten starten. Sobald wir die passenden Leute gefunden haben, könnten wir recht schnell starten. Wir haben uns aber keine Deadline gesetzt.

Werden Sie sich wie die Huffington Post einen deutschen Partner suchen?
Nein. Huffington Post ist hier mit einem ziemlich großen Team gestartet. Das ist ein guter Weg, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir haben darüber nachgedacht, aber ein Modell mit einem großen lokalen Partner würde nicht zu Buzzfeed passen. Ein Partner würde eine Weile erst einmal nichts für sein Investment zurückbekommen. Wir haben auch keinen festen Businessplan, den wir erfüllen müssen. Wir werden erst einmal klein anfangen. Wir verfolgen einen sehr bescheidenen Ansatz. Buzzfeed ist auch in den USA sehr klein gestartet. Ich war der zweite Redakteur dort. Wir haben lange Zeit viel experimentiert und einfach ausprobiert, was funktioniert und was nicht. So werden wir es auch hier machen. dh
Meist gelesen
stats