"Bunte"-Chefredakteur Robert Pölzer "Ich muss mich an Patricia Riekel messen lassen"

Donnerstag, 24. November 2016
Robert Pölzer ist seit Juli Chefredakteur der "Bunten"
Robert Pölzer ist seit Juli Chefredakteur der "Bunten"
Foto: Daniel Grund / Hubert Burda Media
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Patricia Riekel Robert Pölzer People


Vor knapp einem halben Jahr hat Robert Pölzer als "Bunte"-Chefredakteur die Nachfolge der fast 20 Jahre amtierenden Patricia Riekel angetreten. In seinem ersten Interview nach Amtsantritt zeigt der 55-Jährige großen Respekt vor dem Erbe seiner Vorgängerin, gibt sich aber zugleich selbstbewusst, der Aufgabe gewachsen zu sein: "Ich weiß, wie man Menschen emotional erreicht."
Grundlegende Änderungen an der erfolgreichen Ausrichtung des Magazins hat Pölzer indes nicht auf dem Programm: Er will Kurs und Auflage beibehalten, gleichzeitig aber Lifestyle-Themen mehr Raum geben, um allmählich auch den Nachwuchs vom Glanz des Titels zu überzeugen. "Wenn du gerade Fußball-Weltmeister geworden bist und die Mannschaft funktioniert, wäre es aktionistisch, die Strategie auf dem Platz zu verändern", sagt Pölzer im Interview mit HORIZONT.

Robert Pölzer über ...

... die Herausforderung, Nachfolger von Patricia Riekel zu werden:
Es ist eine große Ehre, den Posten des Chefredakteurs eines der wichtigsten Titel unseres Unternehmens angeboten zu bekommen. Und es ist eine große Ehre, Patricia Riekel nachzufolgen. Das sage ich nicht einfach so daher. Ich muss mich an dem messen lassen, was Patricia Riekel geleistet hat. Und das ist enorm. Einen Titel wie "Bunte" fast 20 Jahre derart stabil zu führen, ihn zu einem wichtigen, glanzvollen Teil der deutschen Gesellschaft zu machen und derart intelligent mehrere Generationen gleichzeitig anzusprechen, ist eine Leistung, die man gar nicht hoch genug würdigen kann. Ich habe große Hochachtung vor Patricia Riekels Leistung – selbst wenn das mit den Fußstapfen schon wegen meiner Schuhgröße schwierig werden dürfte.
...seine Voraussetzungen, die "Bunte" zu führen:
Ich stamme aus einer Künstlerfamilie. Meine Großeltern waren Opernsänger, Tänzerin, Theaterintendant, Konzertpianistin, meine Eltern Schauspieler. Ich bin deshalb mit einem großen Verständnis für die Sensibilität, Empfindsamkeit und Emotionalität von Künstlern groß geworden. Ich selbst habe immer Musik gemacht und früh gelernt, was es heißt, persönliche Interessen und Vorlieben hintanzustellen, um das Publikum glücklich zu machen. Ich glaube, auch das qualifiziert mich dazu, einen so auflagenstarken Titel wie "Bunte" zu führen: Weil ich weiß, wie man Menschen emotional erreicht. Wenn du auf der Bühne stehst, merkst du sehr schnell, was das Publikum begeistert. Es gehört zur Qualifikation eines Blattmachers, sich auf die Bedürfnisse seiner Leser einzustellen.

... seine Pläne mit der "Bunten":
Wenn du gerade Fußball-Weltmeister geworden bist und die Mannschaft funktioniert, wäre es aktionistisch, die Strategie auf dem Platz zu verändern. Meine Aufgabe ist es, diese Zeitschrift, die Hubert Burda selbst entscheidend geprägt und der Patricia Riekel und Philipp Welte ab Ende der 90er Jahre diese eigene Tonalität gegeben haben, erfolgreich weiterzuführen und zu versuchen, sie noch besser zu machen. Alles andere wäre schlichtweg falsch. Es ist ein großes Glück, kein kränkelndes Blatt zu übernehmen, dem man eine Radikalkur verordnen muss.

... die Selbstinszenierung von Stars in den sozialen Medien und was diese für die "Bunte" bedeutet:
Es ist vor allem eine große Chance – und führt womöglich sogar zu einer Renaissance von Print. Je mehr Prominente sich in sozialen Medien öffnen und selbst darstellen, desto wichtiger wird es für uns, ihr Verhalten einzuordnen. Kein Star postet ein Statement oder ein Bild, ohne eine bestimmte Absicht, sich darzustellen. Die Einordnung ist die Aufgabe von "Bunte". Wir sind unbestechlich und objektiv in der Darstellung, aber dem Star trotzdem sehr nah. Das ist ein wichtiger Unterschied. Der Unterschied zwischen Selbstinszenierung und Journalismus.

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Das gesamte Interview mit Robert Pölzer lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 47/2016 vom 24. November 2016, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

... die Zusammenarbeit der Print-Redaktion mit Bunte.de:
Die Funktionalität einer Zeitschrift wie "Bunte" ist eine fundamental andere als die des Onlineportals. Ich sage immer, "Bunte" lesen ist wie Musik hören, wie eine gute Symphonie mit Tempo- und Tonartwechsel. Mit der Zeitschrift verbringe ich meine Freizeit. Wenn sich unser Leser weniger als eine Stunde mit dem Heft beschäftigt, haben wir eine schlechte Ausgabe gemacht. Das lässt sich mit Leseverhalten und Verweildauer online nicht vergleichen. Das muss man aber auch nicht vergleichen. Unsere Online-Kollegen sind erfolgreich. Wir sind es auch und wir sprechen komplementäre Zielgruppen an. Wir registrieren derzeit in der Leserschaft von "Bunte" Print und Bunte.de lediglich eine Überschneidung von rund 10 Prozent. So erreicht "Bunte" crossmedial knapp rund zehn Millionen Menschen. Wir ergänzen uns, tauschen uns regelmäßig aus.
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