"Bunte"-Chefredakteur Robert Pölzer "Der Wähler entscheidet nicht nur nach dem Parteiprogramm"

Freitag, 12. Mai 2017
"Bunte"-Chefredakteur Robert Pölzer: "Persönliche Porträts können auch Wahlen gewinnen"
"Bunte"-Chefredakteur Robert Pölzer: "Persönliche Porträts können auch Wahlen gewinnen"
Foto: Daniel Grund / Hubert Burda Media
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Torsten Albig Robert Pölzer Landtagswahl Burda


Die Geschichte schlägt noch immer hohe Wellen: Torsten Albig, SPD-Mann und Ministerpräsident, verliert bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am Sonntag mit Pauken und Trompeten gegen CDU-Newcomer Daniel Günther. Schuld daran, daran glauben mittlerweile viele: ein Interview in der „Bunten“. In HORIZONT äußert sich nun Chefredakteur Robert Pölzer.
Vorab zur Erinnerung: In der Zeitschrift aus dem Hause Burda habe sich der Politiker derart dämlich geäußert, dass er für Frauen ab 45 quasi unwählbar geworden sei, heißt es seit Sonntagabend auf Twitter, auf Facebook, im sozialen Netz eben. Nicht wegen inhaltlicher Fehler in seiner Politik, den falschen Themen im Wahlkampf oder eines grundlegenden Problems der deutschen Sozialdemokratie. Wegen eines Interviews in der „Bunten“, in dem Albig am 20. April über seine Noch-Ehefrau Gabriele unter anderem sagt: „Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres. Wir hatten nur noch ganz wenige Momente, in denen wir uns auf Augenhöhe ausgetauscht haben.“
Der Stein des Anstoßes: das Interview mit Torsten Albig in der "Bunten" vom 20. April
Der Stein des Anstoßes: das Interview mit Torsten Albig in der "Bunten" vom 20. April (Bild: Hubert Burda Media)
Chapeau, Robert Pölzer! Während Ministerpräsidenten anderer Länder nach verlorenen Wahlen im politisch strengen „Spiegel“ zerpflückt oder von Axel Springers „Bild“ vorgeführt werden, ist es nach dem Schicksalsabend in Kiel endlich wieder einmal sein Heft, das in aller Munde ist. Aber das sei man ja glücklicherweise gewohnt, sagt der Chefredakteur im Kurzinterview mit HORIZONT.

Herr Pölzer, haben Sie mit dem Rummel um die Homestory über Torsten Albig gerechnet?
Es ist schon unser Selbstverständnis, mit unseren Inhalten gesellschaftliche Relevanz darzustellen und Resonanz hervorzurufen. Bei dem von Ihnen angesprochenen Beitrag über Torsten Albig handelt es sich allerdings nicht - wie stets falsch behauptet – um eine Homestory, sondern um ein autorisiertes Wortlaut-Interview mit Ministerpräsident Albig und seiner Lebensgefährtin in einem Kieler Café. Unglücklicherweise wurde seine umstrittene Antwort meist unvollständig zitiert, so dass ein falscher Eindruck entstehen musste, der den Kern von Torsten Albigs Äußerung verfälscht.


Viele gehen davon aus, dass die Story die Wahl in Schleswig-Holstein entschieden hat. Wie groß würden Sie den Einfluss Ihres Blattes wirklich einschätzen?
"Bunte" berichtet aus der Mitte unserer Gesellschaft und lebt von seiner Glaubwürdigkeit und Authentizität. Deshalb erzielen unsere Beiträge so viel Gewicht, vergleichbar dem des "Spiegel" und des "Stern". Sicherlich haben viele unterschiedliche Faktoren zu diesem überraschenden Wahlergebnis geführt, die schwer gegeneinander abzugrenzen sind. Grundsätzlich gilt aber, dass ein Wähler seine Entscheidung nicht hauptsächlich vom Parteiprogramm abhängig macht – mit dem er sich auch zeitlich kaum auseinander setzen kann – sondern die Persönlichkeit des Kandidaten noch wahlentscheidender für ihn ist. Um diese private Seite zu transportieren, ist "Bunte" die erste und beste Wahl. 


Glauben Sie, Politiker sind künftig – vor allem im Wahljahr 2017 – vorsichtiger, was derartige  Äußerungen in der „Bunten“ betrifft?
Ganz im Gegenteil. Persönliche Porträts von Politikern in "Bunte" können auch Wahlen gewinnen. Bestes Beispiel dafür ist unser Interview mit Wolfgang Kubicki, das eine Woche nach dem Albig-Interview erschien. Auch Kubicki hatte sich sehr offen und persönlich zu seinem Verhältnis zu seinen beiden Ex-Frauen geäußert. Seine Partei legte ein historisches Bestergebnis hin. kan

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