"Bunte" Agenturen fordern Verjüngung und Crossmedia von Riekel-Nachfolger

Freitag, 15. April 2016
Als Herausgeberin der Burda-Style-Magazine behält Patricia Riekel zwar auch bei der „Bunten“ die Oberhand, die operative Verantwortung für Auflage und Reichweite liegt ab 1. Juli allerdings bei Robert Pölzer
Als Herausgeberin der Burda-Style-Magazine behält Patricia Riekel zwar auch bei der „Bunten“ die Oberhand, die operative Verantwortung für Auflage und Reichweite liegt ab 1. Juli allerdings bei Robert Pölzer
Foto: Burda / HORIZONT

Patricia Riekels Nachfolger Robert Pölzer startet im Juli in einer Pole Position: Die gedruckte "Bunte" ist nach wie vor mit Abstand die Nummer 1 unter den People-Magazinen. Damit das auch so bleibt, braucht der neue Chefredakteur nach Meinung von Agenturmanagern vor allem jüngere Leser, die er crossmedial mit royalen und glamourösen Geschichten begeistern kann.
 
Der Status quo in München: Im 4. Quartal 2015 lag die verkaufte Auflage der "Bunten" bei 500.648 Exemplaren. Natürlich waren es vor zehn Jahren noch rund 200.000 Hefte mehr, aber gut eine halbe Million Zeitschriften jede Woche ins Volk streuen zu können, ist in der heutigen Zeit längst nicht mehr selbstverständlich. Vor allem deshalb, weil die Konkurrenz selbst in Print stetig wächst, zuletzt etwa durch Bauers "People". Und weil es im Internet, in seinen sozialen Netzwerken und Blogs, den neuesten Tratsch über wichtige und unwichtige Stars und Sternchen kostenlos und 24 Stunden auf Abruf gibt. "Es gibt kaum eine Publikation, die sowohl publizistisch als auch kaufmännisch ähnlich erfolgreich ist", sagt Manuela Kampp-Wirtz, Geschäftsführerin von Burda Style (unter anderem "Bunte", "Elle" und "Freundin"). Und das ist, darin ist sich die Medienbranche mit den Münchner Verlagsoberen einig, hauptsächlich Riekels Verdienst. Dementsprechend groß sind die Erwartungen verschiedener Agenturmanager an ihren Nachfolger Pölzer.

Petra Kruse, Geschäftsführerin Pilot Hamburg

Petra Kruse ist Geschäftsführerin von Pilot Hamburg
Petra Kruse ist Geschäftsführerin von Pilot Hamburg (Bild: Pilot)
"Die aktuellen Leser wissen, was sie bei ,Bunte' bekommen, dank der klaren Positionierung (Tradition, Royales, Hochwertigkeit etc.) kann das Heft wöchentlich punkten. Interessant ist auch das Matching zwischen Anzeigen, Marken und Leserschaft: So treten hier beispielsweise tatsächlich ältere Models auf oder werden Produkte für ältere Zielgruppen in den Anzeigen beworben. Zum Vergleich: Bei ,Gala' werben jüngere Marken, obwohl die ,Gala'-Leser im Schnitt nur fünf Jahre jünger als die ,Bunte'-Leser sind. Das spricht für eine deutlich klarere Positionierung der ,Bunten'.

Die größte Herausforderung für ,Bunte' wird es sein, neue Leser an das Heft heranführen – und sich nicht auf den im wahrsten Sinne des Wortes „alten“ Lesern ausruhen. Das heißt, dass neue Inhalte, eine modernere Aufmachung etc. analog zu Online gefordert sind, um auch das Print-Produkt zukunftsfähig aufzustellen. Außerdem gilt es, die ,Bunte'-typischen Inhalte wie beispielsweise Royales durch die richtige Aufmachung ebenso an junge Leser heranführen. Der weitere Ausbau der Digitalstrategie muss zudem konsequent vorangetrieben werden.

Patricia Riekel übergibt ein gut bestelltes Haus, das einzige Problem ist das hohe Durchschnittsalter der Leser von 53 Jahren. Die treue, ältere Leserschaft nicht zu verlieren und hierbei den Spagat zu schaffen – vor dieser Aufgabe steht der Nachfolger Robert Pölzer aktuell: ,Bunte' sollte sich in unserer dynamischen Zeit nicht auf der Pole-Position ausruhen, sondern sofort mit der Weichenstellung für die Zukunft zu beginnen. Die Kernaufgabe hierbei wird es sein, das ,Bunte'-Angebot so aufzustellen, dass zum einen eine hohe Leserbindung erhalten bleibt und zum anderen sich gleichzeitig junge Leser vom Heft angesprochen fühlen – und all das, ohne das bisherige redaktionelle Konzept und die daraus resultierende klare Positionierung zu verwässern."

Guido Friebel, Director Print Zenith Optimedia

Guido Friebel
Guido Friebel (Bild: ZenithOptimedia)
"Patricia Riekel hat nicht nur die Medienmarke ,Bunte'  20 Jahre erfolgreich geführt, sie selbst ist eine Medienmarke geworden. Nun hinterlässt sie entsprechend große Fußspuren.  Trotz einer zunehmenden Titelflut im Segment der People-Magazine und einer Vielzahl neuer digitaler Wettbewerber ist die ,Bunte' unter Patricia Riekel die Nummer Eins unter den People-Magazinen geblieben. Dies ist nicht zuletzt auf ihre ausgezeichneten Kontakte zu Prominenten und den stets fairen und seriösen Umgang mit diesen zurückzuführen.

Für Robert Pölzer sind sicher die größten Herausforderungen, weiterhin den exklusiven Zugang zu Prominenten zu somit exklusiven Stories sicherzustellen sowie den unter Riekel eingeschlagenen Weg der inhaltlichen Verjüngung der "Bunten" erfolgreich weiterzugehen. Als Blattmacher hat sich Robert Pölzer vor allem bei der Yellow Press bewiesen. Die Fragen sind somit: Kann er auch Glamour, und wie schafft er es, jüngere Leser anzusprechen, ohne ältere zu verlieren?"

Katja Kahlfuss, Geschäftsführerin Carat Germany

Katja Kahlfuss ist Geschäftsführerin bei Carat Germany
Katja Kahlfuss ist Geschäftsführerin bei Carat Germany (Bild: Carat)
"Der Erfolg gibt der langjährigen Chefredakteurin Patricia Riekel bislang Recht. Die ,Bunte' ist trotz einiger Auflagenverluste und zunehmenden Wettbewerbs nach wie vor der Top-Player der People Magazine. Dies ist insbesondere durch die Treue der eher älteren Leserschaft begründet. Aber die ,Bunte' muss die Strahlkraft ihrer Marke auch bei jüngeren Zielgruppenpotenzialen verankern, um langfristig erfolgreich sein zu können.

Dies bedeutet in Zeiten der deutlich geänderten Mediennutzung, relevanten Content für ihre breiten Zielgruppen in Print und Digital anzubieten. Somit wird für den neuen Chefredakteur Robert Pölzer die Herausforderung darin bestehen, die crossmediale Entwicklung auf allen Kanälen erfolgreich weiter zu treiben und sich zunehmend gegen neue Wettbewerber - sowohl on-, wie offline- zu positionieren.

Das Heft muss hier den Spagat zwischen dem traditionellen positiven Image des Titels und zeitgemäßen Inhalten mit moderner Optik und mobilen Interaktionsmöglichkeiten für die neue Lesergeneration bewältigen. Bunte.de bietet hervorragende Möglichkeiten, die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Aktualität in Realtime weiter auszubauen und die Marke in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Dies ist die Chance für die ,Bunte', die Leser und die Werbeindustrie gleichermaßen im zunehmend fragmentierten Markt zu überzeugen."

Thomas Stennes, Head of Print Omnicom Media Group Germany

Thomas Stennes ist Head of Print bei der Omnicom Media Group Germany
Thomas Stennes ist Head of Print bei der Omnicom Media Group Germany (Bild: Omnicom)
"Die größte Herausforderung für Robert Pölzer wird es sein, in die Fußstapfen zu treten, die Patricia Riekel hinterlässt. Sie hat in den letzten 20 Jahren bedeutende Impulse für die gesamte Gattung und vor allem für das People-Segment gesetzt. Diesen Geist gilt es in diesen – besonders für Print-Produkte – sehr anspruchsvollen Zeiten fortzusetzen. Robert Pölzer muss das Vertrauen der Prominenten, das unerlässlich ist, um Top-Inhalte im Heft zu haben, aufrecht erhalten. Er muss die Leser mit mitreißenden, spannenden und möglichst exklusiven Geschichten begeistern und dadurch an das Blatt binden. Diese beiden Komponenten werden dann auch die Anzeigenkunden überzeugen, der ,Bunten' weiterhin ihr Vertrauen zu schenken." kan

 



Meist gelesen
stats