Bundestagswahlkampf Wie Merkel, Schulz und Co. in den sozialen Medien performen

Dienstag, 21. Februar 2017
Von allen Spitzenkandidaten hat Angela Merkel auf Facebook die meisten Anhänger
Von allen Spitzenkandidaten hat Angela Merkel auf Facebook die meisten Anhänger
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Martin Schulz AfD Angela Merkel Facebook Twitter SPD CDU


Wer früher eine Wahl gewinnen wollte, musste vor allem in den klassischen Medien präsent sein. Heute sind soziale Netzwerke relevanter denn je. Donald Trump ist das beste Beispiel. In Anbetracht des Bundestagswahlkampfes stellt sich die Frage: Wer dominiert Social Media eigentlich hierzulande? HORIZONT Online hat sich die Performance der Parteien und Spitzenkandidaten auf Facebook, Twitter und Instagram näher angeschaut.
Am 24. September wird der Deutsche Bundestag gewählt. Die Parteien und deren Spitzenkandidaten haben sich bereits in den Wahlkampfmodus begeben, auch in den sozialen Medien. HORIZONT Online hat die Social-Media-Performance von CDU, SPD, Die Grünen, Die Linke, FDP und AfD sowie deren Spitzenkandidaten Angela Merkel (CDU), Martin Schulz (SPD), Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir (beide Die Grünen), Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch (beide Die Linke), Christian Lindner (FDP) sowie von Frauke Petry (AfD) unter die Lupe genommen. Die Spitzenkandidaten stehen bis auf eine Ausnahme bereits fest: Im April will die AfD bei ihrem Bundesparteitag in Köln den zweiten Kandidaten neben Petry bekannt geben.

Facebook

Die klare Reichweitenkönigin auf Facebook ist erwartungsgemäß die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit insgesamt 2,4 Millionen "Gefällt-mir"-Angaben führt sie das Feld klar vor der Zweitplatzierten Sahra Wagenknecht an. Die Linken-Spitzenkandidatin kommt gerade einmal auf 351.000 Likes. Knapp dahinter folgen der SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz mit 291.000 und Frauke Petry mit 195.000 Likes. Abgeschlagen sind dagegen Cem Özdemir (111.000), Christian Lindner (101.000), Katrin Göring-Eckardt (30.000) und Dietmar Bartsch (23.000).

Bei den Parteien dominiert die AfD mit 316.000 Likes. CDU (126.000) und SPD (130.000) können der Partei nicht einmal zusammengerechnet das Wasser reichen. Das hat vermutlich mehrere Gründe: Zum einen nutzt die AfD ausdrucksstarke Bilder mit kernigen Sprüchen und einfachen Antworten auf komplexe Fragestellungen - also Content, der sich leicht sharen und liken lässt. Zum anderen spricht die Partei in rebellischem Ton diejenigen an, die sich abgehängt und nicht genügend gewürdigt fühlen. Dabei treiben die Rechtspopulisten das Fan-Wachstum vor allem mit Parolen und dem Schüren von Ängsten.

Parteien und ihre Spitzenkandidaten in den sozialen Medien

Partei / SpitzenkandidatFacebookTwitterInstagram
CDU126.943170.0005.071
SPD129.853266.0004.742
Die Grünen137.875297.0008.751
Die Linke171.880160.0007.397
FDP61.484149.0004.973
AfD316.08748.0003.805
Angela Merkel (CDU)2.354.946-218.000
Martin Schulz (SPD)290.952351.0003.416
Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen)30.05480.000545
Cem Özdemir (Die Grünen)111.38643.500572
Christian Lindner (FDP)101.21385.50010.400
Sahra Wagenknecht (Die Linke)352.344114.000-
Dietmar Bartsch (Die Linke)22.65910.200-
Frauke Petry (AfD)195.57736.700-
Quelle: (Basis: Follower; eigene Recherche; Stand: 21.02.17)

Spekulationen,
die Facebook-Fans der AfD könnten teilweise gekauft sein, lassen sich nicht bestätigen. Das ist ohnehin nicht zweifelsfrei belegbar, es gibt jedoch Tools, die zumindest Hinweise auf gekaufte Fans geben können - darunter der von SternTV entwickelte "Facebook Like Check", der in Sekundenschnelle die Herkunft der Facebook-Fans ermittelt. "Stammen besonders viele Fans aus Ländern, in denen der Promi oder das Unternehmen weitgehend unbekannt ist oder nichts zu tun hat, könnte das ein Hinweis auf gekaufte Fans sein", so der Stern über seine Entwicklung.

Die Herkunftsanalyse beim Facebook-Account der AfD lässt vermuten, dass die Partei keine Fans hinzugekauft hat (siehe unten). Zumindest stammen nicht auffällig viele Anhänger aus Ländern wie Irak, Ägypten, Brasilien oder Indien. Dort kaufen spezialisierte Agenturen oftmals Social-Media-Reichweiten ein. Das schließt natürlich nicht aus, dass eventuell Fans in Deutschland eingekauft wurden. Bis auf die CDU zeigen alle anderen Parteien ebenfalls keine Auffälligkeiten. Die Christdemokraten haben ungewöhnlich viele Anhänger aus Ägypten und dem Irak.

Die Herkunft der AfD-Fans auf Facebook
Die Herkunft der AfD-Fans auf Facebook (© Facebook Like Check)
Die CDU auf Facebook
Die CDU auf Facebook (© Facebook Like Check)
Auch bei den Politikern gibt es Auffälligkeiten. Die reichweitenstärkste deutsche Politikerin auf Facebook, Angela Merkel, hat viele Fans aus dem Irak, aus Ägypten, Brasilien und Indien (siehe unten). Martin Schulz scheint hingegen auffällig viele Anhänger in Rumänien zu haben. Bei Christian Lindner, Cem Özdemir und Co gibt es dagegen keine Auffälligkeiten.
Angela Merkel hat auffällig viele Anhänger aus dem Irak.
Angela Merkel hat auffällig viele Anhänger aus dem Irak. (© Facebook Like Check)
Martin Schulz scheint in Rumänien recht beliebt zu sein.
Martin Schulz scheint in Rumänien recht beliebt zu sein. (© Facebook Like Check)

Twitter

Fake-Profile und Social Bots spielen bei Twitter eine große Rolle. Denn bei vielen Politikern und Parteien, die auf dem Kurznachrichtendienst aktiv sind, gehen die Botschaften durchschnittlich zur Hälfte an digitale Gespenster. Ermitteln lässt sich das unter anderem mit dem Tool "Twitteraudit". Die von einem New Yorker Start-up betriebene Website schätzt Twitter-Nutzer anhand von drei Punkten ein: Anzahl der Tweets, Datum des letzten Tweets und das Verhältnis zwischen Followern und denjenigen, denen der Account selbst folgt. Nutzer, die also selbst keine Nachrichten absetzen und nur sehen wollen, was andere so treiben, landen bei "Twitteraudit" im roten Bereich. Die Zahlen lassen sich natürlich nicht für bare Münze nehmen, sind aber ein guter Hinweis dafür, wer eventuell seine Follower-Statistik gegen Bargeld aufgehübscht haben könnte.

Von allen Parteien hat der Twitter-Account der Grünen die größte Fake-Rate: Von etwa 297.000 Followern sind 162.000 laut Twitteraudit falsche Profile. Das ergibt einen sogenannten Audit-Score von 45 Prozent - das heißt, dass nach dem Verständnis von Twitteraudit nur 45 Prozent der Follower tatsächlich echte Menschen sind. Die Botschaften der Grünen landen also mehrheitlich im Nirvana. Auf den höchsten Audit-Score kommt übrigens die AfD (76 Prozent). Dort sind von knapp 48.000 Followern "nur" etwa 11.000 Fakes. Die Rechtspopulisten haben somit den "reinsten" Twitter-Account. Die anderen Parteien erzielen jeweils Werte zwischen 48 und 60 Prozent.

Bei den Politikern ist die Spanne ein wenig größer. Hier erzielt SPD-Mann Martin Schulz mit einem Audit-Score von 90 Prozent das beste Ergebnis. "Nur" etwas mehr als 32.000 Follower von insgesamt 349.000 sind Fakes. Schulz ist übrigens der Spitzenkandidat mit den meisten Anhängern auf Twitter. Mit 87 Prozent kann sich auch Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch über eine recht reine Anhängerschaft freuen. Ebenso Cem Özdemir (86 Prozent) und Frauke Petry (82 Prozent).

Den schlechtesten Wert erzielt Katrin Göring-Eckardt. Bei der Spitzenkandidatin der Grünen sind gerade einmal vier von zehn Follower echt. Ähnlich schlecht sieht es bei Regierungssprecher Steffen Seibert aus, wenn man ihn als Stimme von Angela Merkel begreifen mag. Die Bundeskanzlerin selbst führt nach wie vor kein eigenes Twitter-Profil. Von mehr als 706.000 Followern sind bei Seibert etwa 403.000 falsche Profile. Das ergibt einen Audit-Score von 41 Prozent.

Instagram

Die Facebook-Tochter Instagram ist für Parteien und Politiker ein eher schwieriges Terrain. Zwar sind die Parteien und die meisten Spitzenkandidaten auf dem sozialen Netzwerk aktiv, haben aber damit zu kämpfen, dass politische Themen und vor allem Hashtags auf der Plattform vergleichsweise eine geringe Verbreitung finden. Das sieht man vor allem an der Zahl der Anhänger.

Die Grünen können mit knapp 9.000 Abonnenten die meisten Fans auf Instagram vorweisen. Danach folgen die Linken mit etwa 7.400, Schlusslicht ist die AfD mit knapp 3.800 Abonnenten. Alle Parteien verzeichnen darüber hinaus ein geringes bis moderates Wachstum. Die Grünen und die Linken wachsen laut der Analyse-Plattform InfluencerDB in einem eher langsamen Tempo von etwa 2 bis 3 Prozent, während CDU, FDP und AfD Wachstumsraten von 10 bis 19 Prozent verzeichnen. Am interessantesten ist jedoch die Kurve des SPD-Accounts (siehe unten). Dort macht sich direkt nach der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten am 29. Januar eindeutig ein positiver Effekt bemerkbar.
Die SPD profitiert auf Instagram vom Schulz-Effekt
Die SPD profitiert auf Instagram vom Schulz-Effekt (© InfluencerDB)
Bei den einzelnen Spitzenkandidaten ist das Feld zweigeteilt. Zum einen verweigern sich Frauke Petry, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch der Foto-Plattform. Diejenigen, die aber einen eigenen Account pflegen, können dann aber mit großen Reichweiten aufwarten, etwa die Bundeskanzlerin mit 218.000 Abonennten sowie Christian Lindner (> 10.300) und Martin Schulz (> 3.300). Nur Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt bewegen sich mit knapp 600 Anhängern im Niemandsland. ron
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