Bundestagswahl Stimmenfänger Google

Donnerstag, 10. August 2017
Welche Politiker generieren das höchste Suchinteresse bei Google?
Welche Politiker generieren das höchste Suchinteresse bei Google?
© Google

Die deutsche Vertretung des Suchmaschinenbetreibers stellte am Mittwochabend im Vorfeld der Wahl einige neue Dienste vor. Die einen sollen schlecht informierten Unentschlossenen wenigstens ein Mindestmaß an Orientierung geben, die anderen spiegeln Suchtrends und verstärken so die Themen, die zumindest bei Google-Nutzern ohnehin Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Getränke und Snacks seien da und damit alles, was eine Wahlparty ausmacht, sagte Isabelle Sonnenfeld zu Beginn der Veranstaltung. Google hatte am Mittwochabend in Berlin zur "frühesten Wahlparty des Jahres" eingeladen. Was fehlte, wenn auch nicht aus Sicht der Leiterin des Google News Labs, waren politische Themen, Parteiziele, Wahlergebnisse. "Google möchte die Informationen dieser Welt für Nutzer auffindbar machen", sagte der Sprecher des US-Suchmaschinenbetreibers, nicht mehr und nicht weniger, natürlich, was sonst.

Worum es Google ging, war nicht inhaltlicher Natur. Vielmehr stellte der Suchmaschinenbetreiber ein paar Werkzeuge vor, die zweierlei verfolgen: offensichtlich schlecht bis gar nicht informierten Menschen nahezubringen, worum es am 24. September geht und nach welchen Kriterien sie ihre Wahlentscheidung treffen könnten; und Menschen zu befriedigen, die Politik in gewisser Weise auch als Spiel begreifen und zu Trends ein geradezu voyeuristisches Verhältnis pflegen. Der Reihe nach:

Der Dienst Google Suche wird in den kommenden Wochen unter anderem um die Möglichkeit erweitert, unter Angabe der Postleitzahl (O-Ton Google: "Die Angabe wird nicht gespeichert") die Liste jener Kandidaten zu erhalten, die in dem entsprechenden Wahlkreis antreten. Wer sind sie? Welche Kernbotschaften vertreten sie? Welche politischen Prioritäten verfolgen sie? Die entsprechenden Informationen stammen von den Kandidaten selbst in Form einer Infobox. Auf diese Weise sollen die Wähler, die sich bis dato nicht darum geschert haben, wer sie vertritt, wenigstens vor dem Betreten der Wahlkabine erfahren, wem sie ihre Erststimme geben könnten.

Während sich dieses Angebot noch im Aufbau befindet, sind die Tools von Google Trends bereits verfügbar. Man kann das als reine Spielerei betrachten oder zum Anlass nehmen für eigene Prognosen und Interpretationen. Visualisiert ist etwa, welche Kandidaten welcher Parteien just im Moment das höchste Suchinteresse generieren, aber auch, in Kombination mit welchen Begriffen Google-Nutzer gerade nach ihnen suchen.

In der Nacht zu Donnerstag sah das für die vier Meistgesuchten so aus:
Welche Politiker generieren das höchste Suchinteresse bei Google?
Welche Politiker generieren das höchste Suchinteresse bei Google? (Bild: Google)
Demnach ist das Interessanteste an Kanzlerin Angela Merkel die Tatsache, dass sie im Urlaub ist und vorher die Salzburger Festspiele besucht hat. Die jeweiligen Begriffe verlinken zu den entsprechenden Informationen.

Eine andere Möglichkeit, das Suchinteresse zu visualisieren, fand der Google-Datendesigner Moritz Stefaner in dieser Darstellung:
Das Suchinteresse bei Google im Zeitverlauf.
Das Suchinteresse bei Google im Zeitverlauf. (Bild: Google)
Sie erinnert in chronologischer Reihenfolge an sogenannte "besondere Momente" von Parteienvertretern, hier am Beispiel von Sahra Wagenknecht und Christian Lindner. Die Linken-Politikerin hatte Ende Juli viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als sie sich bei einer Fahrradtour vom "Spiegel" porträtieren ließ. Christian Lindner (FDP) wiederum machte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe von sich reden, als er über die Krim sagte, man solle sie mit Rücksicht auf das Verhältnis zu Russland als "dauerhaftes Provisorium" ansehen.

"Wir liefern keine Antworten", sagte Stefaner bei der Präsentation am Mittwochabend über die neuen Möglichkeiten des Google-Werkzeugkastens, "vielmehr Startpunkte für Recherchen".

Weitere Neuerungen kündigte Isabelle Sonnenfeld an, etwa einen wöchentlichen Newsletter für Journalisten, eine App, die Fragen von Jungwählern an Politiker einsammelt sowie mehrere Partnerschaften (etwa mit Funk) und Veranstaltungen (bei Youtube), und zwar sowohl im Vorfeld als auch am Abend des Wahltags am 24. September. usi

Die Google-Trends-Tools sind zu finden unter 2q17.de. Weitere Informationen dazu in HORIZONT 32/17.

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