Bundesliga-Rechte Diese Pakete bietet die DFL zur Ausschreibung an

Dienstag, 12. April 2016
DFL-Chef Christian Seifert hat den Startschuss für die Auktion der Bundesliga-Rechte gegeben
DFL-Chef Christian Seifert hat den Startschuss für die Auktion der Bundesliga-Rechte gegeben
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images
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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) startet die mit Spannung erwartete Ausschreibung der Bundesliga-Rechte für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21. In einer Pressekonferenz in Frankfurt hat DFL-Geschäftsführer Christian Seifert die Eckpunkte vorgestellt und die Ziele der Ausschreibung erläutert. HORIZONT Online erklärt die einzelnen Rechtepakete.

Insgesamt hat die DFL eine Ausschreibung konzipiert, die den Bundesliga-Spielplan nur geringfügig verändert. Neu ist, dass es nicht mehr wie bislang bis zu vier englische Wochen an flexiblen Terminen geben wird. Stattdessen werden zwei englische Wochen fix terminiert. Das Bundesliga-Spiel am Freitagabend, das bislang etwa in Länderspielwochen ausfallen kann, findet auf jeden Fall statt. Außerdem führt die DFL zehn so genannte Entlastungsspiele ein. Diese sind insbesondere für international vertretene Bundesliga-Clubs gedacht. Im Zuge dessen werden fünf Spiele pro Saison von Samstag auf Sonntag verschoben, fünf weitere Partien pro Saison wandern vom Samstag auf Montag um 20.30 Uhr.

All dies geschehe, um die Clubs so wenig wie möglich zu belasten und den Medienpartnern mehr Planungssicherheit zu geben, wie Seifert erklärt: "Wir haben uns bemüht, das Bewährte zu bewahren, aber auch für Chancen und Erlöse in der Zukunft zu sorgen", so der DFL-Chef. Das Ziel der Bundesliga-Organisation ist bekannt: Die Erlöse aus der Vermarktung der nationalen wie internationalen Medienrechte sollen auf eine Summe zwischen 1,1 und 1,5 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Derzeit erlöst die DFL allein aus den nationalen Medienrechten im Schnitt 628 Millionen Euro jährlich, hinzu kommen 120 Millionen aus der Auslandsvermarktung.

Die Pakete im Überblick

Insgesamt schreibt die DFL acht Rechtepakete für die Live-Berichterstattung aus. Im Gegensatz zur vergangenen Rechteperiode erfolgt die Ausschreibung plattformneutral. Heiß: Wer sich ein Paket sichert, darf die darin enthaltenen Spiele auf allen Verbreitungswegen (Satellit, Kabel/IP-TV, Internet, Mobile, Terrestrik) zeigen. Rechteinhaber müssen allerdings mindestens drei dieser Vernbreitungswege anbieten. Die Live-Rechtepakete sollen durch exklusive Zusatzrechte wie In-Match-Clips, Highlight-Berichte aller Spiele, Gastronomie-Rechte sowie Portabilität ins europäische Ausland aufgewertet werden. 
Andreas Mundt
Bild: Bundeskartellamt

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Paket A ist ein reines Pay-Paket und umfasst 43 Spiele der ersten Bundesliga, darunter das Freitagabendspiel und die Entlastungsspiele. Ebenfalls enthalten sind die Relegationsspiele der 1. und 2. Bundesliga sowie der Supercup. Im Paket B bietet man auf eine Art Konferenzkanal, der das Hin- und Herschalten zwischen den Spielen am Samstag um 15.30 Uhr sowie den Spielen der englischen Woche ermöglicht. Paket C, auch ein reines Pay-Paket, umfasst ebenfalls die Spiele am Samstag um 15.30 Uhr sowie doe Partien der englischen Wochen. Allerdings darf der Inhaber jedes Spiel auf einem unterschiedlichen Kanal mit eigenem Kommentar zeigen. Dieses Paket umfasst 176 Spiele der ersten Bundesliga.
Die Live-Pakete können erworben werden
Die Live-Pakete können erworben werden (Bild: DFL)
Im Paket D bieten die Interessenten allein auf das Bundesliga-Spiel am Samstagabend um 18.30 Uhr. Das Paket enthält 30 Spiele. Es wird allerdings zur Verwertung sowohl im Free- als auch im Pay-TV angeboten. Interessenten müssen vorher angeben, für  welchen Verwertungsweg sie sich interessieren. Auch das Paket E wird für Pay und Free ausgeschrieben. Es umfasst die Sonntagsspiele um 15.30 Uhr bzw. 18 Uhr, insgesamt 60 Spiele.

Die Pakete F und G beinhalten die Live-Rechte an der 2. Bundesliga. Paket F ist ein reines Pay-Paket und umfasst alle Spiele der 2. Bundesliga außer dem Montagsspiel. Das Live-Spiel am Montag ist im Paket G enthalten, das für Pay und Free-TV ausgeschrieben wird. Bislang handelte es sich dabei um ein reines Free-TV-Angebot, Inhaber ist derzeit Sport 1.

Zu guter Letzt kommt Paket H zur Auktion. Dieses ist speziell für die Verwertung im Free-TV gedacht und dürfte damit für die ARD interessant sein. Es beinhaltet das Eröffnungsspiel der Bundesliga-Hinrunde sowie der Rückrunde. Neu hinzu kommt ein Spiel am letzten Spieltag der Vorrunde. Ebenfalls enthalten sind die Relegation der Bundesliga sowie der Supercup.
So funktioniert das Alleinerwerbsverbot ("No-Single-Buyer-Rule")
So funktioniert das Alleinerwerbsverbot ("No-Single-Buyer-Rule") (Bild: DFL)
Seit Montag ist außerdem bekannt, dass bei dieser Ausschreibung erstmals die "No-Single-Buyer-Rule" zum Tragen kommt. Das heißt, dass nicht mehr ein Sender alle Spiele über alle Verbeitungswege live zeigen darf, so wie dies derzeit Sky tut. Sollte sich ein Anbieter die Pakete A bis E sichern, käme ein so genanntes Over-the-Top Paket zur Auktion, das dann zwingend an einen anderen Sender gehen müsste. 
Das OTT-Paket beinhaltet pro Spieltag die beiden Sonntagsspiele und eine frei wählbare Partie am Samstag um 15.30 Uhr. Insgesamt sind das 102 Spiele, die exklusiv über Internet und Mobilfunk gezeigt werden dürfen.

Für die Highlight-Berichterstattung schnürt die DFL neun Pakete. Die Pakete I (Sendefenster am Samstag zwischen 18.30 Uhr und 20.15 Uhr), J (Sendefenster Samstag 21.45 Uhr und 00.00 Uhr) und K (Sendefenster Sonntag 6.00 Uhr bis 15 Uhr) bleiben gleich. Genutzt werden sie aktuell von der ARD mit der "Sportschau", dem ZDF mit dem "Aktuellen Sportstudio" und Sport 1 mit dem "Doppelpass". Die Pakete L (Sendefenster Freitag 22.30 Uhr bis 00.00 Uhr und Sonntag 19.30 Uhr und 21.15 Uhr) und M (Sendefenster Sonntag 21.15 Uhr bis 23.00 Uhr) dürften in erster Linie für die dritten Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entscheidend sein.
Für die Highlight-Berichterstattung stehen diese Pakete zur Auswahl
Für die Highlight-Berichterstattung stehen diese Pakete zur Auswahl (Bild: DFL)
Erstmals ausgeschrieben wird Paket N, ein Highlight-Paket für das Free-TV, das alle Wochenend-Spiele und das Spiel der 2. Bundesliga am Montagabend beinhaltet. Paket O wird man sich wohl insbesondere bei Axel Springer genau anschauen. Hier bietet die DFL zwei Einzelpakete an: O1 beinhaltet Highlight-Clips, die bereits 40 Minuten nach Abpfiff gezeigt werden dürfen – und zwar nur als Bezahlangebot. Dieses Paket ist identisch mit dem Angebot "Bundesliga bei Bild" von Axel Springer. Hinzu kommt das Einzelpaket O2, dass eine Zusammenfassung der Spiele ab Montag bzw. Dienstag um 00.00 Uhr als Gratis-Angebot voraussetzt. Beide Pakete können auch miteinander kombiniert werden.

Das Prozedere

Die DFL orientiert sich hierbei im Wesentlichen an der Ausschreibung aus dem Jahr 2012. In einem Schritt legt die DFL für sämtliche Rechtepakete so genannte Vorbehaltspreise fest. Diese werden weder öffentlich noch gegenüber den Interessenten bekannt gegeben, jedoch dem Bundeskartellamt vorab mitgeteilt. Falls in dieser Bieterrunde das Höchstgebot für ein ausgeschriebenes Rechtepaket den festgelegten Vorbehaltspreis erreicht oder überschreitet und das zweithöchste Gebot um mehr als 20 Prozent unter dem Höchstgebot liegt, nimmt der Ligavorstand das entsprechende Höchstgebot an. Andernfalls wird das entsprechende Paket in einer zweiten Bieterrunde erneut angeboten.

Kommt es zu einer zweiten Bieterrunde, wird die DFL Reservationspreise festlegen, die ebenfalls nicht öffentlich kommuniziert werden. Sollten Gebote für Rechtepakete abgegeben werden, die diese Reservationspreise übersteigen, ist für diese Gebote zunächst deren Höhe maßgeblich. Das höchste Gebot wird angenommen, wenn das zweithöchste Gebot für dasselbe Rechtepaket mehr als 20 Prozent geringer ist. Andernfalls liegt die Entscheidung über die Annahme im Ermessen des Ligavorstands.

Im Bereich der Highlight-Rechte wird es dagegen nur eine Bieterrunde geben. Hier gilt aber ebenso: Falls ein Höchstgebot den Reservationspreis erreicht und das zweithöchste Gebot mehr als 20 Prozent darunter liegt, erhält es den Zuschlag. Liegen mehrere Gebote innerhalb der 20-Prozent-Spanne, entscheidet der Ligavorstand.

Der Zeitplan

Interessierte Unternehmen, die alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllen und vollständige Unterlagen einreichen, können sich bis zum 19. April für die Ausschreibung registrieren. Die finale Rechtevergabe muss erst der Ligavorstand und anschließend die Mitgliederversammlung der 36 Vereine und Kapitalgesellschaften der ersten und zweiten Bundesliga genehmigen. Welche Medien sich welche Pakete sichern konnten, will die DFL noch vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft (10. Juni) bekannt geben. 


"Diese Ausschreibung bedeutet ein erstklassiges Angebot für Medienunternehmen, um in den kommenden Jahren mit attraktiven Programminhalten Zuschauer zu begeistern und an sich zu binden“, so Seifert. "Gleichzeitig verbinden wir Tradition und Innovation mit der Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums zur Zukunftssicherung des deutschen Profi-Fußballs auf europäischem Spitzenniveau. Ziel ist es, die seit Jahrzehnten erfolgreiche Institution Bundesliga weiter zu stärken – sportlich, wirtschaftlich und mit Blick auf die Fans in den Stadien und einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen." ire

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