Bundesliga-Rechte Bundeskartellamt und DFL einigen sich auf No-Single-Buyer-Rule

Montag, 11. April 2016
Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt
Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt
Foto: Bundeskartellamt

Nun ist es offiziell: Ab der Saison 2017/18 wird es einem einzelnen Sender nicht mehr möglich sein, alle Spiele der Fußball-Bundesliga über alle Verbreitungswege live zu zeigen. Das hat das Bundeskartellamt bekannt gegeben. Die so genannte "No-Single-Buyer-Rule" soll für mehr Wettbewerb am Pay-TV-Markt sorgen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erhofft sich davon eine Steigerung der nationalen Medienerlöse. Die nun vom Kartellamt gebilligte Paketstruktur ist vor allem für Sky eine gute Nachricht.
Wie das Bundeskartellamt mitteilt, müssen künftig zwischen 30 und 102 "attraktive Bundesligaspiele" (von insgesamt 306) zusammen mit der Möglichkeiten zur umfassenden Highlight-Berichterstattung von einem anderen Sender erworben werden können - je nachdem, ob alle Verbreitungswege oder nur die Verbreitung über Internet und Mobilfunk inbegriffen sind. Weiterhin vorgesehen ist eine zeitnahe Highlight-Berichterstattung im Free-TV, wie sie derzeit die ARD-Sportschau" bietet. Das neue Vermarktungsmodell ist insbesondere für Sky eine gute Nachricht. Der Pay-TV-Sender aus Unterföhring ist derzeit noch im Besitz aller Live-Rechte an der ersten und zweiten Bundesliga und zahlt dafür im Schnitt 487 Millionen Euro pro Jahr an die Deutsche Fußball Liga (DFL). Nach den Vorgaben des Bundeskartellamts wird es für Sky auch weiterhin möglich sein, alle Live-Rechte zu erwerben. Der Sender müsste sich in diesem Fall allerdings von einem bis zu 102 Spiele umfassenden Over-the-Top-Paket trennen, das einem anderen Sender die Live-Überragung über Internet und Mobilfunk ermöglicht.

Zuvor war über durchaus härtere Einschnitte für den Sender spekuliert worden. Gegen ein noch weiterführenderes Alleinerwerbsverbot sprachen aus Sicht des Bundeskartellamts allerdings zwei Tatsachen: Die relativ starke Stellung des frei empfangbaren Fernsehens mit der zeitnahen Highlightberichterstattung und das noch frühe Entwicklungsstadium der Sport-Live-Berichterstattung im Internet.

Gerade dort dürfte der Kampf jedoch besonders heftig werden: Die nun beschlossene Regelung wird besonders reine Online-Player wie die Perform Group (Spox.com), der Interesse an den Bundesliga-Rechten nachgesagt werden, oder Amazon aufhorchen lassen. Und auch der Axel-Springer-Verlag, der derzeit Highlight-Berichte der Bundesliga-Spiel im Internet zeigt, dürfte sich das OTT-Paket genau anschauen.

Dass die No-Single-Buyer-Rule kommen würde, galt bereits seit Längerem als sicher. In anderen großen Fußball-Ligen wie England und Italien ist sie bereits Realtität - und hat besonders auf der Insel zu einem harten Bieterwettbewerb geführt, der der Premier League im Endeffekt rund 2,3 Milliarden Euro pro Jahr einbringt. In Deutschland ist Sky aktuell der größte Geldgeber der Bundesliga, die derzeit rund 663 Millionen Euro per annum aus der nationalen Vermarktung der audiovisuellen Medienrechte erlöst. Die DFL will ihre nationalen Medienerlöse bekanntlich auf über 1 Milliarde Euro im Jahr steigern, um im internationalen Wettbewerb standhalten zu können.

"Wir haben Wert gelegt auf Regelungen, die sicher stellen, dass im Ergebnis mehr als ein einziger Bieter die Live-Rechte erwirbt. Solange nur ein Inhaber der Live-Rechte am Markt ist, birgt dies die Gefahr, dass der Innovationswettbewerb –insbesondere der von internetbasierten Angeboten – beschränkt wird", sagt Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt. "Wie die Erfahrungen aus anderen Ländern – zum Beispiel England – zeigen, führt ein solches Modell meist nicht dazu, dass der Verbraucher am Ende mehr als ein Abonnement benötigt, um alle Spiele sehen zu können. So können sich die Rechteinhaber gegenseitig auch Unterlizenzen einräumen. Daneben dürfte es aber auch Angebote geben, die nur einen Teil der Live-Spiele umfassen."

Die DFL hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, die Ausschreibung noch vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft (10. Juni) abschließen zu wollen. ire
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