"Bully macht Buddy" im HORIZONT-Check Bully im Komödienstadl

Dienstag, 19. November 2013
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Als Sitcomback des Jahres hat Pro Sieben die neue Sitcom "Bully macht Buddy" mit Michael "Bully" Herbig angekündigt. Doch die erste Folge der nach dem Vorbild von US-Sitcoms vor Live-Publikum aufgezeichneten Serie lässt den Zuschauer ratlos zurück. Denn im Gegensatz zu den erfolgreichen Vorbildern aus den USA wirkt das Format eigenartig artifiziell und inszeniert - es wirkt nicht als mache Bully eine echte Sitcom, sondern als spiele Bully eine Sitcom nach. Das Ergebnis überzeugt noch nicht einmal eingefleischte Fans. Wer sich im Fernsehen eine Sitcom anschaut, weiß was ihn erwartet: Ein überschaubarer Cast an wenigen, immer wiederkehrenden Handlungsorten, klassischerweise im Studio vor Publikum aufgezeichnet. Im Grunde handelt es sich bei einer Sitcom um eine Art aufgezeichnetes Bühnenstück, das für den TV-Zuschauer durch die Lacher des Publikums immer auch als solches klar erkennbar ist. Allerdings hat man das Grundprinzip des Genres derart verinnerlicht, dass man den inszenierten Charakter in der Regel gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Man akzeptiert die inszenierte Realität trotz aller Einschränkungen, die das Genre mit sich bringt, als solche.

"Bully macht Buddy" folgt diesem klassischen Prinzip: "Bully macht zum ersten Mal seit langer Zeit in Deutschland eine Sitcom vor Publikum. Das kennt man sonst nur aus den USA. Ich habe allerhöchsten Respekt vor so viel Kreativität, Mut und Lust auf gute Unterhaltung", betonte Pro-Sieben-Geschäftsführer Wolfgang Link. Das Problem bei "Bully macht Buddy" ist allerdings: Der inszenierte Charakter ist so deutlich erkennbar, dass er nicht wie gewohnt in den Hintergrund tritt. Und so fühlt sich "Bully macht Buddy" phasenweise mehr nach Komödienstadl an als nach Sitcom.

Dazu trägt neben der allzu deutlich ausgeleuchteten Szenerie und dem reichlich halligen Klang sicherlich auch bei, dass die Gags größtenteils nicht wirklich zünden. Und so konzentriert man sich als Zuschauer irgendwann nicht mehr allein auf die Handlung, sondern, wie bei einem langweiligen Theaterstück, auf die Details und führt sich damit unwillkürlich den inszenierten Charakter vor Augen.

Offenbar konnte das Ergebnis selbst viele eingefleischte Fans nicht so recht überzeugen. Pro Sieben zeigt "Bully macht Buddy" am Montag direkt im Anschluss an die erfolgreiche US-Sitcom "The Big Bang Theory". Obwohl die US-Serie Bully mit 1,88 Millionen Zuschauern von 14 bis 49 Jahren den roten Teppich ausrollte, schalteten 300.000 Zuschauer ab oder um. Mit 1,56 Millionen Zuschauern erzielte "Bully macht Buddy" zwar immer noch solide 12,6 Prozent, angesichts des starken Vorlaufs wäre hier sicher mehr drin gewesen. Auch die Reaktionen in den sozialen Netzwerken fielen sehr zwiespältig aus. In der kommenden Woche wird sich zeigen, ob Bully seine Fans bei der Stange halten kann, oder ob das Experiment einer deutschen Sitcom als gescheitert gelten muss. dh

Mehr Komödienstadl als Sitcom: "Bully macht Buddy" (Foto: Pro Sieben)
Mehr Komödienstadl als Sitcom: "Bully macht Buddy" (Foto: Pro Sieben)
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