Brigitte Paris Gruner + Jahrs "Frauenmagazin für die dritte Lebenshälfte" erntet Spott auf Twitter

Freitag, 03. Juli 2015
"Brigitte Paris" soll sich an Frauen in der "dritten Lebenshälfte" richten
"Brigitte Paris" soll sich an Frauen in der "dritten Lebenshälfte" richten
Foto: Gruner + Jahr

Mit dem geplanten Titel "Brigitte Paris" will Gruner + Jahr Leserinnen ab 55 Jahren ansprechen. Dass die Line Extension als "Frauenmagazin für die dritte Lebenshälfte" angepriesen wird, sorgt jedoch für Verwunderung - und teilweise beißenden Spott.
Dabei klingt das Konzept gut durchdacht und vielversprechend: "Brigitte Paris" richtet sich an eine Generation, der Print noch etwas bedeutet. Eine Generation, die den Lean-Back-Effekt gedruckter Magazine noch richtig zu schätzen weiß. Und die das nötige Kleingeld in der Tasche hat. Inhaltlich soll das Heft mit Themen wie Gesundheit, Befindlichkeitspsychologie und Kultur überzeugen. Verantwortlich ist Karin Weber-Duve, die einst den 40plus-Ableger "Brigitte Woman" mitentwickelt hatte. Sie arbeitet derzeit mit vier Kolleginnen von "Stern", "Brigitte", "Living at Home" und "Flow" an dem neuen Titel. "Das Konzept von Brigitte Paris ist neu und einzigartig", verspricht G+J-Verlagsgeschäftsführer Frank Stahmer. "Wir erweitern mit diesem Titel für Frauen in der ‚dritten Lebenshälfte' die Brigitte Markenfamilie und begründen ein neues Segment. Denn sowohl in Ansprache und Themenmischung als auch in der Optik hebt sich Brigitte  Paris sehr deutlich von bestehenden ‚Best Ager'-Magazinen ab."

Karin Weber-Duve
Bild: Tanja Hirner/"Brigitte Paris"

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Wie gesagt: Klingt durchdacht und schlüssig. Allein: Was mit dritter Lebenshälfte gemeint sein soll, erschließt sich nicht sofort. Hälften kann es schließlich immer nur zwei geben. Fußballfans kennen zwar die "dritte Halbzeit" - da es dort aber selten kultiviert zugeht, dürfte der Verlag diesen Vergleich wohl eher nicht bevorzugen.

Natürlich kommt die Formulierung mit einem Augenzwinkern daher. Dennoch erntet Gruner + Jahr für die Erfindung eines neuen Lebensabschnitts auf Twitter Verwunderung und Spott - unter anderem von Branchengrößen. "Ein Heft über die 'dritte Hälfte' ist bestimmt auch kreativer als ein Heft über's Rechnen", ätzt etwa der frühere "Stern"-Chefredakteur Dominik Wichmann. "Morbid", lautet das knappe Urteil von "Spiegel"-Redakteur Mathieu von Rohr. David Hugendick, Literatur-Redakteur bei Zeit Online, fragt seinen Schriftstellerkollegen Saša Stanišić sarkastisch: "Wann kommt 'Brigitte Uelzen'? Und kann die dann 'Bruchrechnung'?"

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