Brian Morrissey Digiday-Chefredakteur zerpflückt Versprechen der Digitalisierung

Donnerstag, 19. Januar 2017
Digiday-Chefredakteur Brian Morrissey gehört zu den Nachdenklichen Medienmachern bei DMK 2017
Digiday-Chefredakteur Brian Morrissey gehört zu den Nachdenklichen Medienmachern bei DMK 2017
Foto: HORIZONT

Der Blick auf die Folgen der Digitalisierung in der Medienbranche und der Gesellschaft stimmt Brian Morrissey "nicht optimistisch", wie er bei der Präsentation seiner fünf Thesen auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt schildert.
"Die Unzufriedenheit, die sich vielfach zeigt, wird 2017 weiter wachsen", glaubt Morrissey, der mit seiner Firma Digiday verschiedene Newsletter publiziert sowie diverse Kongresse für Medienmanager, Werbungtreibende und Agenturen in den USA, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern durchführt. Hintergrund und Anlass dieser Unzufriedenheit seien die Folgen der Digitalisierung und die nicht eingelösten Versprechen, die mit ihr verknüpft wurden. "Von der versprochenen Offenheit und Demokratisierung des Internets ist nicht viel geblieben. Stattdessen gibt es ein Duopol, in dem Google und Facebook nahezu alle Macht in ihren Händen gebündelt haben", startet der Digiday-Chefredakteur seinen Vortrag. Eigentlich müsse der aktuelle Zustand, dass die beiden Plattformen fast jeden Dollar, der mit Onlinewerbung verdient wird, einstecken, aufrütteln, so Morrissey weiter.

Gleiches gelte für das Thema Display, das ebenfalls von Google und Facebook beherrscht werde und den Publishern keine Chance biete, aus der eigenen dort gezeigten Werbung Nutzen zu ziehen. "Wir erleben das Ende von Display", ist er sich sicher. Das sei nur ein Bereich, in dem die Medienmacher zu stark auf die Argumente der Plattformen gehört statt eigene Strategien entwickelt hätten. Ihr Traffic komme überwiegend von diesen beiden Seiten, ihre Leserschaft verliere den Kontakt zu den eigenen Marken, weil sie diese nur noch über die Plattformen wahrnehmen würden und statt eigene Geschäftsmodelle und Formate zu entwickeln, hätten sie sich zu stark auf Anregungen der Giganten verlassen, was die Publisher nun mit der Konsequenz nicht funktionierender Erlösmodelle bezahlen müssten. Auch das Vertrauen ihrer Nutzer hätten viele Medienmarken verspielt, weil sie sich zu stark auf Adtech verlassen hätten, statt die versprochene Anonymität zu gewähren. ems
Meist gelesen
stats