Borussia Dortmunds Krisenkommunikation "Das Wichtigste ist, dass man sich im Team aufeinander verlassen kann"

Donnerstag, 13. April 2017
Borussia Dortmund erlebte einen schwarzen Dienstag
Borussia Dortmund erlebte einen schwarzen Dienstag
© Borussia Dortmund

Nachdem am Dienstagabend auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein Bombenattentat verübt wurde, machten viele Menschen im Verein vieles richtig. Zwei davon sind BVB-Kommunikationschef Sascha Fligge und Social-Media-Redakteur Peter Flore. HORIZONT Online hat mit ihnen gesprochen.
Jederzeit Herr der Lage sein, das berechtigte Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit bedienen ohne zu viele Details preiszugeben, Panik vermeiden: So sieht das ideale Szenario im Krisenfall aus, das leider nur allzu selten Realität wird. Borussia Dortmund und die beteiligten Sicherheitsbehörden haben am Dienstagabend gezeigt, wie man unter Hochdruck schnelle, direkte Kommunikation und effektives Krisenmanagement betreiben kann.
Für ihr Sicherheitskonzept bekamen die Dortmunder viel Lob - nicht zuletzt von den eigenen Fans: "Den Wettlauf gegen die Nachrichtenverbreitung im Internet zu gewinnen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, aber der BVB kommunizierte auf eine schnelle und klare Art und Weise, bei der sofort klar war, dass die Explosionen weit vom Stadion entfernt stattfanden und es keinerlei Anzeichen für eine Gefährdung innerhalb des Stadions oder im direkten Umfeld gab", heißt es etwa auf dem gerne mal kritischen Fan-Blog schwatzgelb. Auch aus dem Ausland gibt es Zuspruch:
Bei Borussia Dortmund liefen an jedem Abend vor allem bei Kommunikationsdirektor Sascha Fligge und David Görges, Leiter der Abteilung Neue Medien, viele Fäden zusammen. Fligge war auch Teil des Krisenstabs, der in solchen Fällen nach einem von der Uefa definierten Schema eingerichtet wird.

Das Problem: Als der Krisenstab eingerichtet wurde, wussten die BVB-Verantwortlichen weder, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, noch, dass ein Spieler schwer verletzt worden war. "Da wir aber zumindest mit einem schwerwiegenden Vorfall rechnen mussten, wollten wir den Geschwindigkeits-Vorteil, den die neuen Medien bieten, nutzen und haben uns deshalb entschieden, in Peter Flore einen Social-Media-Redakteur fest zu integrieren", berichtet Fligge gegenüber HORIZONT Online.
Sascha Fligge (l.) mit BVB-Trainer Thomas Tuchel
Sascha Fligge (l.) mit BVB-Trainer Thomas Tuchel (Bild: Borussia Dortmund)
Das Team habe dann in enger Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr und Uefa festgelegt, wie, wann und in welchen Sprachen im Stadion sowie auf allen dem BVB und seinen Partnern zur Verfügung stehenden Medienkanälen kommuniziert wird, so Fligge weiter. Besonders auf Twitter sorgte der BVB für eine hohe Frequenz, "weil wir die Menschen hier unmittelbar und direkt informieren können", wie der BVB-Mediendirektor erklärt.

Mit Journalisten sei derweil über eine bestehende Whatsapp-Gruppe kommuniziert worden, erklärt Fligge. Medienvertreter habe man aber auch auf die Twitter-Kommunikation des BVB verwiesen. "Es war das Anliegen von Präsident und Geschäftsführung, alle Menschen ehrlich, präzise und leicht verständlich über Notwendiges zu informieren. Insbesondere auch, um eine sichere Entleerung des mit 65.000 Zuschauern ausverkauften Stadions ermöglichen zu können. Sowohl unsere Fans als auch die Medienvertreter waren sehr geduldig, ruhig und offen. Dafür gebührt ihnen ein großes Kompliment."
Weltweit für Aufsehen sorgte auch die Aktion #bedforawayfans, dank der letztendlich viele aus Frankeich angereiste Anhänger des AS Monaco in Dortmund Unterschlupf fanden. Initiiert wurde die Aktion von BVB-Fans, der Verein selbst habe nur für eine höhere Verbreitung gesorgt, sagt Social-Media-Redakteur Flore: "Wir haben im Grunde nichts anders gemacht als sonst auch. Unser Anspruch war schon immer, unseren Fans zuzuhören und gegebenenfalls als Filter zu agieren, wenn wir bestimmte Entwicklungen und Initiativen aus der Fanszene oder der Community verstärken wollen. Wir können eine Aktion wie #bedforawayfans aber nur verstärken, wenn es sie schon gibt und wenn sie bereits gelebt wird."
„Sowohl unsere Fans als auch die Medienvertreter waren sehr geduldig, ruhig und offen. Dafür gebührt ihnen ein großes Kompliment.“
Sascha Fligge
Dass der Abend ohne größere Aufregung im Stadion vorüberging, führt man beim BVB vor allem auf die gute Teamarbeit zurück - zumal es keine Blaupause für das Verhalten bei einem solchen Ereignis gibt. "Das Wichtigste ist, dass man sich im Team aufeinander verlassen kann. Und das ist bei uns definitiv der Fall. Das kam uns an diesem Abend sehr zugute", sagt Flore.
Bleibt die Frage, ob sich aus der schwarzen Nacht von Dortmund irgendwelche Lehren für die künftige Kommunikationsstrategie ziehen lassen. Das werde man jetzt gemeinsam erörtern, sagt Flore. "Bis jetzt können wir eigentlich nur eines sagen: Wenn der Dienstagabend etwas Positives gebracht hat, dann war es der große Zusammenhalt der Betroffenen untereinander." ire
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