Bockstark Bulos neues Gagazin "Bock!" im HORIZONT-Check

Dienstag, 21. Juni 2016
Die erste Ausgabe von "Bock!" kommt am Donnerstag an den Kiosk
Die erste Ausgabe von "Bock!" kommt am Donnerstag an den Kiosk
Foto: Bock!

Ob es eine gute Idee ist, den Bock zum Chefredakteur zu machen? Wenn man in "Bock!" blättert, dem neuen Projekt von "Clap"-Erfinder Peter Bulo Böhling, dann stellt man fest: Ja, unbedingt. Das "Gagazin für alle, die Lust auf geilen Scheiß haben", macht gute Laune und Lust auf mehr.
"Ja, ne neue Zeitschrift! 2016! Aus eigener Initiative, ohne Verlagsriesen. Und ja, tatsächlich nur etwas, was UNS gefällt. Ohne Marktforschung, ohne Anwälte, ohne Controller, ohne Spaßbremsen – nur lustvolles Inhaltesuchen." Bulos alter Ego Basilius Bock, im Impressum als Herausgeber geführt, nimmt den üblichen Bedenkenträgern gleich im Editorial den Wind aus den Segeln. "Bock!" ist ein Spaßprojekt, und das merkt man auch. Es geht um die "Humorigkeiten des Alltags", um die kleinen lustigen Fundstücke, die sonst in den digitalen Mahlströmen von Facebook und Twitter ebenso schnell wieder untergehen, wie sie auftauchen, um die großen und kleinen Absurditäten, Freuden und Ärgernisse des Alltags (Hundehaufen, Falschparker, Schuhe auf der Autobahn).
Karl Dall sinniert über den eigenen Tod, "Bild"-Chef Kai Diekmann interviewt sich selbst und Autor Bijan Peymani sucht nach Gründen, warum Hundebesitzer die Haufen ihrer Lieblinge nicht wegmachen. History-Senderchef Andreas Weinek hat absurde Wunderlichkeiten über Adolf Hitler gesammelt, und Autor Helmut Ortner hat eine Hommage an den Zorn geschrieben.

Besonders viel Spaß machen die vielen kleinen Rubriken, in denen die "Bock!"-Macher tatsächlich die Humorigkeiten des Alltags dokumentieren: Die Fotostrecke mit auf der Straße gefundenen Zetteln ("Kese-Semel mit Cvibel"), die Kurzporträts über Menschen, die eigenartige Dinge tun (Fußgängerzonenprediger, Parkour-Artisten), oder die heraustrennbaren Zettel mit Hassbotschaften für notorische Falschparker.
Bulo bei der Arbeit: Bei "Bock" malt der Chef noch selbst
Bulo bei der Arbeit: Bei "Bock" malt der Chef noch selbst (Bild: Bulo)
Die Fotostrecke, in denen ein männliches Model typisch weibliche Posen entlarvt, fügt sich nahtlos ins Konzept, die Bilderstrecken über das 24-Stunden-Rennen von Le Mans  und einen japanischen Fischmarkt sind toll, könnten aber auch in einem beliebigen Lifestyle-Magazin erscheinen.

"Bock!" ist wie viele Indie-Magazine ein ambitioniertes Liebhaber-Projekt, kein Magazin, das für eine bestimmte Zielgruppe oder gar Werbekunden konzipiert wurde. Das zeigt auch das unkonventionelle Vertriebskonzept: 1000 Stück der gesamten Druckauflage von insgesamt 10.000 Exemplaren werden als Frei-Abos unters Volk gebracht. Die restlichen Exemplare liegen ab Donnerstag, 23. Juni zum fairen Preis von 5 Euro am Kiosk. Dafür bekommt der Leser 100 Seiten geilen Scheiß auf hochwertigem Papier, mit Klebebindung und gelacktem Umschlag. Wir drücken Basilius Bock und Peter Bulo Böhling die Daumen – die erste Ausgabe macht definitiv Bock auf mehr. dh
Die erste Ausgabe von "Bock!" kommt am Donnerstag an den Kiosk
Die erste Ausgabe von "Bock!" kommt am Donnerstag an den Kiosk (Bild: Bock!)

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