Blendle-Manager Jarjour "Ein Kulturwandel passiert nicht über Nacht"

Freitag, 26. August 2016
Blendle-Manager Michael Jarjour
Blendle-Manager Michael Jarjour
Foto: Mindy Best
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Blendle gibt sich transparent, ist es aber längst nicht in allen Punkten. Über die Gründe dafür und weitere Fragen sprach HORIZONT mit Michaël Jarjour, Leiter des deutschen Blendle-Teams in Berlin. Einige Auszüge.

Warum nennt Blendle nicht die konkrete Zahl seiner deutschen Nutzer? Die Medienindustrie wird schließlich auch globaler. Andere Firmen in unserem Bereich, Spotify etwa oder Netflix, handhaben das übrigens ganz ähnlich.

Warum nimmt Blendle keine weiteren Medien in sein Sortiment auf? Als kleines Start-up darf man sich nicht verzetteln. Unser Fokus liegt im Moment darauf, bekannter zu werden, die Newsletter zu verbessern, die Empfehlungen zu optimieren, die Zahl der Nutzer zu erhöhen.

Warum wirbt Blendle nicht? Wir sind ein kleines Start-up und dafür, dass wir nicht werben, beachtlich gewachsen. Das Geld, das wir von unseren Investoren haben, nutzen wir im Moment lieber dafür, besser zu werden. Sie haben natürlich recht: Irgendwann reicht Mund-zu-Mund-Werbung nicht mehr, um zu wachsen. 

Warum sollten Verlage Artikel bei Blendle zu Discountpreisen verscherbeln? Durchschnittlich sind die Preise in Deutschland etwa 30 Prozent höher als in den Niederlanden. Ich glaube nicht, dass wir bei Blendle von Discountbedingungen sprechen können, zumal viele Artikel kostenlos im Netz verfügbar sind. (…) Was wir teilweise tun, ist, zu analysieren, welchen Einfluss der Preis auf die Verkäufe hat. (…) Je höher der Preis eines Artikels ist, desto kritischer gehen die Nutzer damit um, umso höher ist die Rückgaberate. 

Was bringt der angekündigte Premium News Feed dem Nutzer von Blendle? Wir können Empfehlungen unserer Kuratoren durch Algorithmen, die unsere Datenforscher mit Journalisten entwickelt haben, gezielt nach Interessen der Nutzer zusammenstellen: in den Newslettern, unseren Apps und auf unserer Webseite. Wer etwa auf einem bestimmten Gebiet Experte ist, bekommt besonders tiefgehende Artikel angeboten, wer nur einen Überblick wünscht, entsprechend andere Texte. 

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Werden Verlage je relevante Summen mit Blendle verdienen? Ich habe hier vor einem Jahr angefangen zu arbeiten und glaube heute noch viel stärker an dieses Konzept als zu Beginn. Die Bereitschaft, für Journalismus im Netz Geld zu zahlen, kommt einem Kulturwandel gleich. Das passiert nicht über Nacht. Aber bereits jetzt haben die Verlage bei uns die Chance, Menschen mit ihren Marken in Kontakt zu bringen, die sie sonst nicht erreichen, aber womöglich die Abonnenten der Zukunft sind.

Sind nach Holland, Deutschland und den USA Expansionen in weitere Länder geplant? Im Moment nicht. Unser Fokus richtet sich derzeit ganz auf Deutschland und die USA. Da gibt es genug zu tun. usi

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