Blackfacing bei "Verstehen Sie Spaß"? SWR nimmt Stellung zu Rassismus-Vorwürfen

Freitag, 28. Oktober 2016
Der als Schwarzafrikaner zurecht gemachte Guido Cantz und SRF-Moderator Röbi Koller
Der als Schwarzafrikaner zurecht gemachte Guido Cantz und SRF-Moderator Röbi Koller
Foto: facebook.com/srf.ch
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Die ARD-Unterhaltungsshow "Verstehen Sie Spaß?" flimmert am morgigen Samstag wieder über die Bildschirme. Doch bereits vor der Ausstrahlung sorgen die Sendung und Moderator Guido Cantz für mächtig Wirbel: Weil er für einen Sketch in die Rolle eines Schwarzafrikaners schlüpfte und entsprechend geschminkt wurde, werden Cantz und den Machern der Show nun Rassismus vorgeworfen.
Alles nahm seinen Anfang am 15. Oktober 2016: Cantz wollte den Moderator der Schweizer Sendeanstalt SRF Röbi Koller in dessen Live-Sendung "Happy Day" aufs Korn nehmen, indem er als Schwarzafrikaner verkleidet als der verschollene Vater einer weißen Frau vorgestellt wird. Das Ganze ist als Teil der "Verstehen Sie Spaß?"-Sendung gedacht, die am morgigen Samstag auch in der Schweiz ausgestrahlt wird.
Doch nicht jeder findet das lustig. Den Journalisten Boris Rosenkranz etwa erinnert der Sketch an die Tradition des "Blackfacing" - "eine alte klischeeüberladene, oft rassistische Praxis aus den USA", so Rosenkranz bei "Uebermedien". Ein Vorwurf, den sich auch "Wetten, dass...?" einst eingehandelt hatte. Der ehemalige Präsident der Schweizer Kommission gegen Rassismus Georg Kreis hält den Scherz ebenfalls für "tendenziell rassistisch": "Die sogenannte Pointe lebt offenbar davon, dass es eine böse Überraschung sein soll, wenn man ­einen schwarzen Vater hat", so Kreis gegenüber den Schweizer "Blick". Koller selbst kann über die Verlade indes herrlich lachen: "Ich finde den Sketch den Hammer! Ihn mit Rassismus in Verbindung zu bringen, ist absoluter Quatsch. Es gibt Sketche über Deutsche, Österreicher oder Inder, und über die regt sich niemand auf. Nur bei Schwarzen kommt die Rassismus-Keule", so der Moderator im "Blick".

Und auch der für die Sendung verantwortliche SWR verteidigt den Sketch: "
In dem aktuellen Film geht es inhaltlich darum, Herrn Koller eine Verwechslung vorzuspielen. Dafür war es notwendig, deutlich zu machen, dass der verkleidete Guido Cantz nicht der leibliche Vater der vermeintlichen Überraschungskandidatin sein kann", so die Sendeanstalt in einer als Pressemitteilung versendete Stellungnahme. Die Intention sei ausschließlich gewesen, Koller "größtmöglich zu verunsichern". Außer dem Moderator und dem Studiopublikum seien alle Protagonisten und die Redaktion der Sendung in die Aktion eingeweiht gewesen.

Weiter heißt es: "Die im konkreten Fall von Guido Cantz dargestellte Rolle war Teil der Inszenierung, die offensichtlich sehr glaubwürdig gespielt wurde. Die Figur und die Situation waren weder diffamierend, diskriminierend oder verletzend angelegt. Deshalb bedauern wir es sehr, wenn sich Menschen von dem Verlade-Film angegriffen oder schlecht dargestellt fühlen." Der Sketch wird auf jeden Fall am Samstag in "Verstehen Sie Spaß?" ausgestrahlt und das Thema in der Sendung aufgegriffen. ire
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