Bild und Spiegel Online als Partner Facebook testet Paywall bei Instant Articles - und kommt Publishern maximal entgegen

Freitag, 20. Oktober 2017
Facebook will über Instant Articles Abonnenten für Verlage gewinnen
Facebook will über Instant Articles Abonnenten für Verlage gewinnen
© Facebook

Facebook unternimmt einen weiteren Versuch, seine Instant Articles für Publisher attraktiver zu machen. Nachdem das Social Network bereits im Sommer bei seinen schnell ladenden Artikeln mit Werbeplatzierungen experimentierte, startet in den kommenden Wochen ein Test mit Abo-Modellen. Mit im Boot sind namhafte Medienmarken aus den USA und Europa, darunter Bild.de und Spiegel Online.

Wie Facebook in einem Blogpost mitteilt, ist die Initiative Teil des Facebook Journalism Projects, bei dem sich das Social Network weltweit mit Verlagen austauscht, um neue Geschäftsmodelle für Journalismus im digitalen Zeitalter zu entwickeln. Die Medienhäuser hätten Abomodelle bereits zu Beginn des Jahres zur Chefsache erklärt. Der erste Test soll zunächst auf Android-Geräte beschränkt sein. "Wir hoffen jedoch, ihn bald auch für andere Geräte verfügbar machen zu können", heißt es. 

Folgende Medien sind dabei

Folgende Partner waren bei der Entwicklung dieses Produkts ein fester Bestandteil: Bild, The Boston Globe, The Economist, Hearst (The Houston Chronicle und The San Francisco Chronicle), La Repubblica, Le Parisien, Der Spiegel, The Telegraph, Tronc (The Baltimore Sun, The Los Angeles Times und The San Diego Union Tribune) und The Washington Post.
Facebook ist den Verlagen offenbar weit entgegengekommen. Das aktuelle Modell sieht vor, dass die Medienhäuser die Kontrolle über die Preisgestaltung, die Angebote und die Abonnentenbeziehungen haben. Heißt: Die Verlage haben in Sachen Preisgestaltung den Hut auf und haben Zugriff auf alle Abonnentendaten. Zudem soll 100 Prozent des Umsatzes an die Publisher gehen. 

Instant Articles
Bild: Facebook

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Instant Articles Auch der "Guardian" steigt aus

Laut Facebook wird die Paywall in den Instant Articles sowohl Metered-Modelle als auch Freemium-Modelle unterstützen. Beim Metered-Modell soll der Test einheitlich mit zehn Artikeln statren. Anschließend sollen verschiedene Varianten durchgespielt werden. Beim Freemium-Modell entscheidet der Herausgeber, welche Artikel hinter der Paywall liegen. 

Unabhängig von den Paywall-Modellen will Facebook Herausgeber und Medien dabei unterstützen, zusätzliche Abonnenten zu gewinnen – und zwar bevor eine Person überhaupt auf eine Bezahklschranke trifft. Dazu gehört unetr anderem die Call-to-Action-Einheit (CTA) "Abonnieren". Diese soll direkt in den Instant Articles erscheinen. Darüber hinaus will Facebook einen „Abonnieren“-Button testen, der den „Gefällt mir“-Button rechts oben im Artikel ersetzen soll.

Dass Facebook versucht, seine Instant Articles für Medienhäuser interessanter zu machen, kommt nicht von ungefähr. In diesem Jahr haben sich namhafte Verlage wie etwa der Launchpartner "New York Times" und der "Guardian" von dem schnell ladenden Artikelformat verabschiedet, da sie sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht rechneten. Auch Mathias Müller von Blumencron, scheidender Digitalchef der "FAZ", hatte sich im Frühjahr auf Twitter kritisch geäußert. "Instant Articles an den Konzern zu verschenken, macht schlicht keinen Sinn", schrieb er im April. Bei dem Format können Partner-Verlage die Vermarktung entweder selbst in die Hand nehmen und 100 Prozent der Erlöse behalten. Oder sie holen Facebook ins Boot. In diesem Fall gehen 70 Prozent an die Verlage, den Rest bekommt Facebook. mas

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