„Bild plus“ Axel Springer verkauft über 152.000 Digital-Abos in sechs Monaten

Mittwoch, 11. Dezember 2013
Springer-Boss Mathias Döpfner
Springer-Boss Mathias Döpfner

Als Axel Springer im Juni dieses Jahres sein Bezahlmodell „Bild plus“ gestartet hat, blickte die gesamte Medienbranche nach Berlin. Würde der Paradigmenwechsel bei der mächtigen Boulevardzeitung funktionieren, könnte dies schließlich nach und nach die im digitalen Journalismus notwendige Zahlungsbereitschaft der Leser etablieren. Nun, sechs Monate später, verrät Springer erste Zahlen – und die machen durchaus Grund zur Hoffnung. Insgesamt verzeichnet der Konzern 152.493 zahlende Nutzer für sein Markenabo „Bild plus“ (Stand: 5. Dezember). Das ist nicht schlecht, vor allem weil es sich dabei bereits um eine um Frei- oder Testabos bereinigte Zahl handelt. Rund ein Drittel der Nutzer hat zusätzlich den Baustein „Bundesliga bei Bild“ gebucht, der die Highlight-Clips der 1. und 2. Bundesliga enthält (Aufpreis 2,99 Euro monatlich).

Springer-Managerin  Donata Hopfen
Springer-Managerin Donata Hopfen
Zur Erinnerung: „Bild plus“ gibt es in den drei Paketen Digital (4,99 Euro monatlich), Premium (inklusive E-Paper, 9,99 Euro monatlich) und Komplett (14,99 Euro monatlich). Letzteres, das zusätzlich zum Webzugang, den Smartphone- und Tablet-Apps sowie dem E-Paper auch noch die gedruckte Zeitung enthält, performte laut Geschäftsführerin Donata Hopfen bislang am schlechtesten. Am meisten gebucht wird das preiswerteste Paket. Und die höchste Rendite (auf Grenzkostenbasis) dürfte das Premium-Paket erzielen, weil sich Springer hier die Print-Logstik spart.

Ob der Bundesliga-Baustein, für den Springer 2013 erstmals das begehrte Rechtepaket von der Deutschen Fußball-Liga erworben hatte, nicht eigentlich eine größere Rolle spielen müsste, kommentierte Hopfen nicht. Viel wichtiger sei eine andere Zahl: 76 Prozent der späteren Abonnenten wurden in den ersten sechs Monaten über redaktionelle Inhalte gelockt. „Das beweist: Guter Journalismus ist den Lesern auch im Netz etwas wert.“ Zusätzliches Bonbon: Das installierte Freemium-Modell, bei dem nur bestimmte Inhalte kostenpflichtig, klassische News beispielsweise aber weiterhin frei verfügbar sind, hat bislang für eine konstante Reichweite von Bild.de gesorgt.

Und noch mit einem anderen Punkt hat das Bezahlmodell überzeugt: hinsichtlich des neu erworbenen Wissens über die Nutzer und die daraus resultierenden Vorteile für die redaktionelle Arbeit. So weiß Bild.de-Chefredakteur Manfred Hart nach dem ersten halben Jahr: „Genau die Geschichten, in denen besonders viel redaktionelle Arbeit und Recherche stecken, begeistern unsere Leser für ein ,Bild plus‘-Abo.“ Vor allem das multimediale Storytelling und die ganz eigenen journalistischen Inhalte würden die Leser vom Mehrwert im kostenpflichtigen Bereich überzeugen.

Für die neue Unternehmensstrategie Springers liefern die „Bild plus“-Zahlen die passende Grundlage. So gliedert sich der Verlag ab 2014 nur noch in die Segmente „Bezahlangebote“, „Vermarktungsangebote“ und „Rubrikenangebote“ - die bisherige Unterscheidung in Print und Digital, national und international wird aufgehoben. Und Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner formulierte die Marschrichtung klar: „Der führende digitale Verlag sind wird dann, wenn wir in unseren jeweiligen Marktsegmenten und in den Ländern, in denen wir aktiv sind, die Nummer eins sind.“ kl
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