Bild, Focus - und die FAS Presserat spricht elf Rügen aus, weist aber sämtliche Köln-Beschwerden zurück

Freitag, 11. März 2016
Das "Focus"-Cover vom 9. Januar kam ohne Rüge davon
Das "Focus"-Cover vom 9. Januar kam ohne Rüge davon
Foto: Focus
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11 öffentliche Rügen, 14 Missbilligungen und 39 Hinweise: So lautet die aktuelle Bilanz des Deutschen Presserates. Prominente Themen waren die Silvester-Übergriffe von Köln, über das Paris-Attentat sowie über das Zugunglück in Bad Aibling. Während "Bild" und "Focus" zu den üblichen Verdächtigen bei den Gerügten zählen, hat es mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" diesmal auch einen seltenen Gast in der Rügen-Statistik erwischt.
Drei Rügen gehen auf das Konto der "Bild". Ein Bericht über die Opfer des Paris-Attentates hatte die Boulevardzeitung mit Bildern der Getöteten und zahlreichen persönlichen Details aus ihrem Lebenslauf angereichert. Der Presserat sah darin einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Opferschutzrichtlinie. Das gleiche Urteil ergeht in zwei weiteren Fällen, in denen die "Bild" bzw. die "Bild am Sonntag" über Mordfälle berichtet hatten. Dabei hatte die Boulevardzeitung im ersten Fall Fotos gezeigt, an denen kein überwiegendes öffentliches Interesse bestand, im zweiten Fall stammten die Bilder von einer privaten Facebook-Seite und wurden ohne Zustimmung der Angehörigen des Opfers veröffentlicht. Keine Rüge erhielt die Springer-Zeitung für die Veröffentlichung eines Fotos aus dem Pariser Club Bataclan, das zahlreiche bei dem Terroranschlag getötete Personen zeigt. Es handele sich dabei um ein Dokument der Zeitgeschichte, so die Einschätzung des Presserates.

Zwei Rügen gingen diesmal an Focus Online. In beiden Fällen, ein Bericht über Technik-Sonderangebote und eine Produktbesprechung, sah der Presserat die Grenze zur Schleichwerbung überschritten. Dagegen kommt der gedruckte "Focus" für sein Cover über die Silvesternacht von Köln ohne Rüge davon: Die Titelseite hatte eine nackte Frau mit schwarzen Handabdrücken auf ihrer Haut gezeigt. Das Cover hatte für große öffentliche Empörung gesorgt
Sueddeutsche Cover
Bild: Sueddeutsche

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Der Beschwerdeausschuss des Presserates sah darin allerdings weder eine Herabwürdigung der Frau noch Diskriminierung. Die Darstellung sei nicht eindeutig in eine Richtung interpretierbar und daher vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Allein 14 Beschwerden hatten den Presserat wegen dieser Darstellung erreicht. Insgesamt lagen dem Selbstkontrollorgan 31 Beschwerden zu den Vorfällen in Köln vor. Sie wurden alle zurückgewiesen.

Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" kassierte eine Rüge, weil ein online sowie in der gedruckten Ausgabe erschienener Bericht über einen Hersteller von Füllfederhaltern zu ausführlich und positiv ausgefallen war, ohne dass ein besonderes Alleinstellungsmerkmal zu erkennen war. Ergo: Schleichwerbung. Dieses Urteil erging auch im Falle einer unkritischen Darstellung eines Abnehmpräparates in "TV Hören und Sehen". Das Online-Portal Netmoms.de machte einen gesponserten Bericht immerhin durch den Hinweis "Präsentiert von..." deutlich, das reichte dem Presserat allerdings nicht.

Außerdem musste sich der Presserat mit dem Zugunglück von Bad Aibling am 9. Februar beschäftigen. Ein Augenzeugen-Video, das die Münchner "Abendzeitung" in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht hatte, wurde dabei als "unangemessen sensationell" bewertet. Das mehrminütige Video zeigte chaotische Szenen mit verletzten Menschen, auch Schmerzensschreie waren zu hören. "Mit Blick auf das Leid der Betroffenen und Hinterbliebenen ist die Darstellung nach Ansicht des Ausschusses presseethisch nicht akzeptabel", so der Presserat. ire
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