"Bilanz"-Interview P7S1-Chef Thomas Ebeling: Die "Behörden tun generell viel zu wenig"

Freitag, 06. März 2015
Pro-Sieben-Sat-1-Boss Thomas Ebeling
Pro-Sieben-Sat-1-Boss Thomas Ebeling
Foto: Pro Sieben Sat 1

Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling gilt als ein Freund klarer Worte. Und die findet er auch im großen Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Bilanz" von Axel Springer. Da bekommen die Kartellbehörden ebenso ihr Fett weg wie das deutsche Feuilleton.
Am deutlichsten wird Ebeling in dem vierseitigen Interview, als es um die Konkurrenz durch Google & Co. geht. Hier wünscht sich der seit 2009 amtierende CEO des Münchner TV-Konzerns mehr Rückendeckung durch die Politik: "Die Behörde tun generell viel zu wenig. Wenn ich mir überlege, was für ein Theater gemacht wurde, als wir vor einigen Jahren gemeinsam mit RTL eine offene technische Plattform für TV-Inhalte einführen wollten! Ebenso beim Projekt der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Produzenten. Beides wurde vom Kartellamt untersagt, natürlich gerade noch rechtzeitig, um den Markteintritt von Netflix und Amazon Prime in Deutschland wirklich so leicht wie möglich zu gestalten. Und nebenbei hat Google einen Marktanteil von 96 Prozent." Deutschland tue für ein Land, in dem Persönlichkeitsrechte und Datenschutz eine so große Rolle spiele, "wirklich sehr wenig, um die Menschen vor dieser Macht zu schützen". Die EU habe recht, eine  Aufspaltung zu diskutieren, "wie bei jedem Konzern, der seine Marktmacht missbraucht".

Klare Worte richtet Ebeling auch an Journalisten, die den Niedergang des Fernsehens an die Wand malen: "Das ganze Gerede vom Tod des Fernsehens oder von Print - das muss ich leider hart sagen - ist in weiten Teilen eine Feuilletin-Diskussion. (...) Fernsehen wird es immer geben, übrigens genauso wie die Zeitung. Die Verbreitung wird sich ändern, die Geschäftsmodelle müssen sich ändern. Statt den Untergang herbeizureden, sollten wir uns lieber über die Dynamik der Branche freuen."

Aus Branchensicht sehr interessant sind auch die Äußerungen von Ebeling über das von ihm eingeführte Media-for-Equity-Modell, bei dem Pro Sieben Sat 1 Start-Ups Werbeflächen gegen eine Beteiligung am Umsatz oder am dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Auf diesem Wege habe man in den vergangenen vier Jahren über 300 Millionen Euro Umsatz generiert. "Und die Rendite ist hocherfreulich, das können Sie sich ja vorstellen." Insgesamt nutze man zwischen fünf und zehn Prozent der Werbefläche für diese Modelle.

In Zukunft wolle man sich allerdings verstärkt auf größere Beteiligungen konzentrieren. So baue man derzeit eine Beteiligung an der US-Firma Jawbone auf, die Sportarmbänder herstellt, oder halte eine Beteiligung an dem Modehändler Justfab. Damit will Ebeling die Abhängigkeit des Unternehmens von den TV-Werbeeinnahmen weiter reduzieren: "Ich freu’ mich natürlich, dass unser Werbegeschäft gut läuft, aber es ist für meinen Geschmack noch zu dominant im Umsatz-Mix. Je mehr wir uns diversifizieren, desto besser." Die erklärte Zielmarke liegt bei 40 Prozent bis 2018. dh
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