Bilanz 2013 Bertelsmann erhöht Investitionen und gründet Bildungsfonds

Mittwoch, 26. März 2014
Sieht "wesentliche Fortschritte": Bertelsmann-Boss Thomas Rabe
Sieht "wesentliche Fortschritte": Bertelsmann-Boss Thomas Rabe


Bertelsmann investiert wieder. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Investitionen des Medienkonzerns auf rund 2 Milliarden Euro, einschließlich übernommener Finanzschulden. 2012 waren es nur 655 Millionen Euro. "Bertelsmann blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2013 zurück. Wir haben Umsatz und unsere Performance gesteigert. Außerdem haben wir wesentliche Fortschritte in der Strategieumsetzung erzielt und finanziellen Handlungsspielraum für weitere Schritte", sagte CEO Thomas Rabe heute bei der Präsentation der Zahlen in Berlin. Der Umsatz ist 2013 um 1,8 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Operating Ebitda) um 4,7 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis stieg von 612 Millionen auf 870 Millionen Euro. Diese Zahlen waren bereits vorab kommuniziert worden. Für 2014 rechnet Bertelsmann mit einer deutlichen Umsatzsteigerung, die Operating Ebitda-Marge soll stabil bleiben, das Konzernergebnis weiter steigen. "Langfristig streben wir einen Umsatz von 20 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von deutlich über einer Milliarde Euro an. Dazu werden organisches Wachstum und Akquisitionen in den bekannten Wachstumsfeldern beitragen", so Rabe.

Den größten Teil zum Umsatz trug 2013 erneut die RTL Group bei, die rund 5,9 Milliarden Umsatz erzielte (-1,8 Prozent) und 1,3 Milliarden Euro Gewinn erzielte. Die Verlagstochter Gruner + Jahr muss einen Umsatzrückgang von fast 7 Prozent auf 2,07 Milliarden Euro hinnehmen und einen Ergebnisrückgang auf 193 Millionen Euro. Auch der Druckbereich Be Printers hat verloren. Der Umsatz sank um 7,5 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro, das Ergebnis auf 92 Millionen Euro.

Zulegen konnte wie auch schon in den Vorjahren die Buchsparte. Bertelsmann hat Random House mit der Pearson-Tochter Penguin zu Penguin Random House fusioniert. Der Umsatz stieg um fast ein Viertel auf 2,7 Milliarden Euro, das Ergebnis auf 363 Millionen Euro. Das Joint Venture ist damit nach Umsatz der drittgrößte Bereich von Bertelsmann. "Der Zusammenschluss von Penguin Random House stärkt unsere Geschäfte weltweit", sagt CEO Markus Dohle.

Arvato, nach der RTL Group die zweitgrößte Sparte, legt einen stagnierenden Umsatz von 4,4 Milliarden Euro vor und einen leicht höheren Operativen Gewinn von 401 Millionen Euro. Unter dem im April 2013 gestarteten CEO Achim Berg hat die Dienstleistungsdivision stark umgebaut und sich von schwachen Geschäften getrennt, aber zeitgleich zugekauft, zum Beispiel den Finanzdienstleister Gothia. Im Januar hat Arvato zudem Netrada gekauft und ist damit im bereich Fashion-E-Commerce zur Nummer 1 in Europa aufgestiegen. Zur Musiksparte BMG, die seit vergangenem Jahr wieder ganz zu Bertelsmann gehört, macht der Konzern keine Angaben. Sie wird im Bereich Corporate Investments geführt.

Im laufenden Jahr will Rabe endlich beim Ausbau des Bereichs Education voran kommen, den der Konzern bereits vor vier Jahren angekündigt hat, seither aber nur in kleinen Schritten vorankommt. Um Geld für Investitionen in neue Bereiche zu erhalten, hat Bertelsmann 2013 Anteile an der RTL Group verkauft und hält nun noch knapp über 75 Prozent. "Durch diese Platzierung stehen uns nun zusätzliche 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die wir in die Weiterentwicklung von Bertelsmann investieren können , sagt Finanzvorstand Judith Hartmann.

Bildung macht CEO Rabe als globalen Megatrend mit enormen Wachstumspotenzial aus. "Der Education-Markt bietet für private Akteure viele Chancen", so Rabe. Er will sich dabei auf drei Bereiche konzentrieren: Erstens Higher Education Online. Dazu zählen internetbasierte Studiengänge. Zweitens Higher Education Services, das sind Dienstleistungsangebote für Bildungsinstitutionen oder Studierende. Drittens den Bereich medizinische Bildung. Hier will Bertelsmann ein Netzwerk von medizinischen Hochschulen aufbauen.

In den ersten zwei Bereichen hat der Konzern bereits 2013 investiert und den Fonds University Ventures I aufgelegt, dem sieben Unternehmen angehören. Für den Bereich medizinische Bildung wird Bertelsmann gemeinsam mit Co-Investoren den Fonds University Ventures II auflegen und dafür einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag zur Verfügung stellen, der die Hälfte des Fonds ausmachen wird. Der Fonds wird damit deutlich größer als der Fonds UVI, der ein Volumen von 105 Millionen Dollar hatte. Schon im zweiten Quartal soll es erste Beteiligungen geben.

Langfristig soll das Geschäftsfeld Education rund eine Milliarde Euro Umsatz machen. "Es ist unser Ziel, Education neben Medieninhalten und Dienstleistungen zur dritten Ertragssäule von Bertelsmann aufzubauen", so Rabe.

Des Weiteren will Rabe das Auslandsgeschäft ausbauen. BMG soll zum Beispiel stärker in China investieren, die RTL Group baut ihre Aktivitäten in Südostasien aus. Langfristig will Bertelsmann in den Emerging Markets circa eine Milliarde Euro umsetzen. Derzeit macht der Konzern den Großteil des Umsatzes in Europa. pap
Meist gelesen
stats