Big Data Radermachers Warnruf vor Herrschaft der Algorithmen

Mittwoch, 15. Januar 2014
Franz-Josef Rademacher auf dem Deutschen Medienkongress (c) Thomas Lohnes / Getty Images
Franz-Josef Rademacher auf dem Deutschen Medienkongress (c) Thomas Lohnes / Getty Images

Es war ein Grundsatz-Referat zum Ende des ersten Tages des Deutschen Medienkongresses, aber eines, das sich gewaschen hatte. Der Ulmer Professor Franz-Josef Radermacher stellte die Symbiose zwischen Mensch und abstrakter Maschine auf den Prüfstand und kam zu dem Schluss, dass die digitale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts vor einer Entscheidung steht: "Wollen wir eine Zukunft, in der der Mensch der entscheidende Akteur bleibt? Oder wolllen wir eine technologische Zivilisation, die den Menschen als Baustein integriert und über Algorithmen optimiert?" Radermacher, der an der Universität Ulm zu "Datenbanken und künstliche Intelligenz" lehrt und forscht, stellt dabei die Leistungsfähigkeit der digitalen Intelligenz durchaus nicht in Frage. Im Gegenteil: "Wir stehen vor der vergleichsweise neuen Situation, dass die digitale Maschine in einer ständig wachsenden Zahl von Situationen dem menschlichen abstrakten Denken klar überlegen ist. Und das bedeutet, dass uns die Maschine immer öfter kontrolliert und versucht, uns zu einem Baustein zu optimieren, der innerhalb der Maschine funktioniert."

Was noch wie eine abstrakte Vision klingt, wurde erst vor wenigen Tagen in konkreten Produkten auf der Konsumelektronik-Messe CES in Las Vegas präsentiert. Als großes Trendthema auf der Messe, die bei immer mehr Marketingentscheidern als Pflichttermin gilt, waren vernetzte Produkte und Wearables, tragbare Elektronik, die die Körperfunktionen ihres Trägers überwachen und vor Risiken warnen.

Das Problem an derartigen Entwicklungen ist für Radermacher der falsche Glaube an die Allmacht der Algorithmen, die für das Funktionieren dieser neuen digitalen Lösungen unabdingbar sind: "Es ist mittlerweile bewiesen, dass es bestimmte wahre Aussagen gibt, die sich nicht mathematisch herleiten und damit auch nicht in Algorithmen übersetzen lassen." Lasse sich der Mensch von der steigenden Zahl von Algorithmen hinter digitalen Produkten und Medien durchoptimieren, riskiere er, die unbeweisbaren Wahrheiten zu verlieren, die ihn einmaligen Menschen ausmachen. cam


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