Bezahlpläne Süddeutsche.de will Paid Content wagen

Donnerstag, 22. Mai 2014
Süddeutsche.de soll teilweise hinter einer Bezahlschranke verschwinden
Süddeutsche.de soll teilweise hinter einer Bezahlschranke verschwinden
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Handaufhalten im Hoodie: Die "Süddeutsche Zeitung" will auf ihrer Website ab kommendem Winter Bezahlinhalte einführen. Dies kündigte Stefan Plöchinger, seit kurzem Mitglied der "SZ"-Chefredaktion, auf einer Diskussionsveranstaltung in Düsseldorf an. Damit wäre die "SZ" nach Axel Springers "Welt" und "Bild" das dritte große überregionale Medium, das es online zumindest teilweise mit Paid Content versucht.
Vier Online-Chefredakteure waren am Mittwochabend nach Düsseldorf gekommen, um beim "Editors Dinner" über nicht weniger als über die "journalistische Zukunft im Netz" zu diskutieren - neben Stefan Plöchinger noch Mathias Müller von Blumencron (FAZ.Net), Oliver Stock (Handelsblatt Online) und Jochen Wegner (Zeit Online). Nanu, fehlen da nicht ein paar große Portale? Bild.de, Spiegel Online und Welt Online zum Beispiel? Aber nein, es war eine Kundenveranstaltung von IQ Digital, dem Vermarkter der vier Portale. Da wollte man natürlich lieber unter sich bleiben und das Internet etwas überschaubarer darstellen.

Aber nicht weniger interessant. Denn klar wurde, dass sich alle fieberhaft wie nie Gedanken über Paid Content machen - nicht aus reiner Liebe zum Thema, sondern aus der Not heraus, weil Werbeerlöse allein kaum und immer weniger ausreichen, um recherchierenden - und nicht nur aggregierenden oder kuratierenden - Journalismus im Netz zu finanzieren.

Stefan Plöchinger
Stefan Plöchinger
Das treibt auch Stefan Plöchinger um, dessen intern zunächst umstrittene Beförderung vom Posten des Onlinechefs in die "SZ"-Chefredaktion jüngst eine Debatte um "Hoodie-Journalismus" befeuert hatte. Nach eigenen Angaben fühlt er sich von dieser Diskussion genervt - trägt an diesem Abend aber trotzdem demonstrativ einen Kapuzenpulli. Wohl als ironisches Statement.

Zu seinen Paid-Content-Plänen sagte er wenig Konkretes, aber man konnte heraushören, dass es auf Sueddeutsche.de ab Jahreswechsel wohl eine Mischung aus Nutzerregistrierung plus Metered Model (eine bestimmte Anzahl von Artikeln im Monat ist frei) sowie einer Freemium-Variante ("besondere", entsprechend hervorgehobene Texte sind kostenpflichtig) geben wird, mit den Bezahlmodellen Abo oder Tagesticket.

Derweil bastelt auch Müller von Blumencron bei FAZ.net an Bezahlmodellen und an der Technik dahinter. Er mag aber lieber von einer Art "Clubmitgliedschaft" sprechen, die den Nutzern neben dem Zugang zur digitalen Ausgabe der "FAZ" noch weitere (Dienst-) Leistungen bietet. Man wolle "Nähe erzeugen" zur Marke "FAZ", so der Digitalchef der klugen Köpfe. Außerdem: "Es wird immer einen Markt geben für hochwertige journalistische Inhalte - möglicherweise werden sie aber teurer werden als bisher", so Müller von Blumencron.

Auch bei Zeit Online und Handelsblatt Online ist Paid Content ein Thema; bei letzterem arbeitet man bekanntlich an einer Software, mit der sich der Nutzer nur einmal anmelden muss - und fortan Zugang zu allen digitalen Bezahlprodukten hat, ob nun E-Paper, App, kostenpflichtige Artikel auf der Website oder Archivinhalte. Werden Bezahlinhalte den Charakter des Web-Journalismus verändern? "Nicht auf die schlechteste Weise", sagt Zeit-Onlinechef Jochen Wegner: "Man muss dann immer auch mal entscheiden, Dinge nicht zu machen, zu entschleunigen. Und das, was man dann macht, mit mehr Liebe umsetzen." Allerdings, wirft Handelsblatt-Onlinechef Oliver Stock ein, sei "Geschwindigkeit im Online-Journalismus auch ein Wert". rp
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