Bezahlangebote im Web Das "Handelsblatt" - die Boutique für Wirtschaftsnews

Freitag, 20. Februar 2015
Der Handelsblatt Digitalpass bietet Abonnenten Zugriff auf alle Bezahlinhalte
Der Handelsblatt Digitalpass bietet Abonnenten Zugriff auf alle Bezahlinhalte
Foto: Screenshot Handelsblatt.com

Handelsblatt Online ist eines der wenigen deutschen Nachrichtenportale, das bereits profitabel arbeitet. Die Website der Wirtschaftszeitung setzt im Internet auf eine Mischung aus frei zugänglichen Artikeln und kostenpflichtigen Premium-Inhalten. Mit dem Handelsblatt-Digitalpass können Nutzer auf sämtliche Bezahlinhalte zugreifen - mittlerweile hat der Verlag 45.000 Digital-Abos verkauft. Teil 2 unserer Serie über Paid Content.

Das Modell

Das "Handelsblatt" startete Ende 2013 mit dem Verkauf von Einzelartikeln auf seiner Website, nachdem man zuvor bereits Dossiers und E-Books über den eigenen Online-Shop vertrieben hatte. Dabei setzt Handelsblatt Onlin auf ein sogenanntes Freemium-Modell, bei dem die Redaktion darüber entscheidet, welche Inhalte frei zugänglich sind und für welche Artikel Nutzer bezahlen müssen. Neben den Bezahlartikeln gibt es weitere kostenpflichtige Premium-Inhalte. Dazu zählen unter anderem die E-Paper von "Handelsblatt" und der ebenfalls in der Verlagsgruppe Handelsblatt erscheinenden "Wirtschaftswoche", die digitale Zeitung Handelsblatt Live, die internationale Ausgabe Handelsblatt Global Edition sowie Dossiers, E-Books und Datenbanken. Um Abonnenten und regelmäßigen Nutzern den Zugang zu den Premium-Inhalten zu erleichtern, hat der Verlag im vergangenen Jahr den Handelsblatt Digitalpass eingeführt. Dieser ermöglicht freien Zugriff auf alle Bezahlartikel, das E-Paper, Handelsblatt Live, alle Dossiers und das Archiv. Der Digitalpass beinhaltet außerdem die Mitgliedschaft im Business-Club "Wirtschaft Hautnah" und damit Vorzugskonditionen bei Veranstaltungen des "Handelsblatts". Der Handelsblatt Digitalpass kostet nach einer dreimontagigen Testphase für 14,99 Euro monatlich regulär 30,99 Euro pro Monat. Print-Abonnenten bekommen den Digitalpass für zusätzlich 6,99 Euro pro Monat.

Der Wirtschaftswoche Digitalpass umfasst das E-Magazin des Wirtschaftsmagazins, die App und freien Zugriff auf das Archiv der "Wirtschaftswoche". Der Digitalpass der "Wirtschaftswoche" kostet nach einer kostenlosen vierwöchigen Testphase pro Monat 12,99 Euro, Abonnenten müssen lediglich einen Aufschlag von 3,99 Euro im Monat bezahlen.

Die Bilanz

Mit seinem hybriden Modell aus frei zugänglichem Content und exklusiven Bezahlinhalten will das "Handelsblatt" sowohl die Zahl der Digital-Abonnenten, als auch die Zahl der Nutzer und damit die Erlöse aus der Vermarktung seiner digitalen Angebote steigern. "Beides bedingt einander und ist unserer Einschätzung und Erfahrung nach erfolgreich miteinander vereinbar", betont Jochen Bohle, Leiter Digitale Transformation der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Bislang haben die Digitalprodukte von "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" nach Angaben der Verlagsgruppe zusammen rund 45.000 Abonnenten - bei steigender Tendenz: Pro Woche kommen beim Handelsblatt Digitalpass rund 200 bis 250 neue Abonnenten dazu. Zum Vergleich: Die verkaufte Auflage der gedruckten Ausgabe lag im 4. Quartal 2014 bei rund 118.00 Exemplaren - darunter knapp 16.600 E-Paper. Zu den Erlösen seiner Paid-Content-Angebote macht der Verlag keine Angaben.

"Wir lassen keine stählerne Bezahlschranke auf die Leser niedersausen"

Jochen Bohle ist Leiter Digitale Transformation der Verlagsgruppe Handelsblatt
Jochen Bohle ist Leiter Digitale Transformation der Verlagsgruppe Handelsblatt (Bild: Verlagsgruppe Handelsblatt)
Wie fällt Ihre Paid-Content-Bilanz bisher aus?
Mit der bisherigen Resonanz sind wir sehr zufrieden. Während die Zahl der Digitalpass-Nutzer Woche für Woche weiter steigt, haben wir auf den Webseiten von Handelsblatt und WirtschaftsWoche keine Reichweite eingebüßt, sondern haben weiter an Reichweite hinzugewonnen. Beide Portale konnten im Januar dieses Jahres All-Time-Rekorde in Visits und Page-Impression verzeichnen.

Darüber hinaus werden die Premiumartikel mit dem Ende Januar gelaunchten neuen Design von Handelsblatt Online nicht mehr separat über den Shop verkauft, sondern sind in den Lesefluss der Seite integriert und stehen zusätzlich auch den Nutzern unseres Mobilangebots zur Verfügung. Außerdem haben wir den Kaufprozess um Bezahlverfahren wie PayPal und Kreditkarte erweitert. Dadurch haben wir einen zusätzlichen Schub erfahren.

Fazit unserer bisherigen Bemühungen: Die Leserinnen und Leser sind bereit für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen, wenn diese sich von dem allgemeinen Nachrichtenstrom abheben, Zusatzinformationen bieten und das aktuelle Geschehen ergänzen, vertiefen und einordnen.

Für welche Inhalte sind Nutzer nach Ihrer Erfahrung am ehesten bereit, Geld zu bezahlen?
Unsere Leser sind verstärkt mobil unterwegs und nutzen die Vorteile, die ihnen ein papierloses Medium bietet: Unabhängigkeit von Zeit und Ort. Dadurch wachsen unsere Digitalpass- und ePaper-Verkäufe. Unserer Erfahrung nach sind es in erster Linie exklusive Geschichten, Studien oder Rankings für die die Leser bereit sind, etwas zu bezahlen. Unser Ziel ist ein ausgewogenes, qualitativ hochwertiges Angebot, das für jeden etwas bietet. Im Bereich Dossiers und eBooks verkauft sich vor allem Ratgeber-Literatur sehr gut. So zählen beispielsweise der Geldanlage-Ratgeber aber auch das eBook über Management-Führung "Was Mitarbeiter wirklich motiviert" zu unseren Bestsellern.

Die Serie

Es ist die Gretchenfrage für die Verlage im digitalen Zeitalter: Wie können wir mit unseren Inhalten im Internet Geld verdienen? Viele redaktionelle Angebote experimentieren mittlerweile mit Bezahlschranken und Abo-Modellen im Netz. HORIZONT Online stellt in loser Folge die Paid-Content-Modelle ausgewählter Angebote vor.
Werden sich Bezahlmodelle für redaktionelle Inhalte Ihrer Meinung nach auf breiter Front durchsetzen?
Es war ein Fehler der Verlage, im Internet alle Inhalte kostenfrei anzubieten. Aber das kann man nicht ungeschehen machen, indem man pauschal eine stählerne Bezahlschranke auf die Leser niedersausen lässt. Wir werden weiterhin ein reichhaltiges journalistisches Angebot präsentieren – nur mit dem Unterschied, dass es einen Premium-Bereich gibt, der den Besitz eines Digitalpasses erfordert. Wie nach den ersten Monaten bereits zu erkennen ist, sind wir uns sicher, dass die Akzeptanz der Leser, auch für Onlineartikel Geld zu bezahlen, weiter spürbar steigen wird, wenn der Mehrwert entsprechend vorhanden ist. Das wird eine der Kernaufgaben des Journalismus der Zukunft sein.

Denken Sie, dass sich redaktionelle Angebote im Internet in absehbarer Zeit eigenständig finanzieren können?
Unbedingt! Und zwar sowohl über Bezahlangebote, als auch über kostenfreie werbefinanzierte Angebote. Handelsblatt Online setzt jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag um und ist profitabel.
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