Bewegtbild-Reichweiten Youtube lässt sich von der AGF messen

Montag, 27. April 2015
Youtube wird künftig bei der Reichweitenmessung mit der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) gemeinsame Sache machen
Youtube wird künftig bei der Reichweitenmessung mit der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) gemeinsame Sache machen
Foto: Unternehmen

Was Werbekunden wünschen, das befolgt irgendwann sogar Google: Dessen Videoplattform Youtube wird künftig bei der Reichweitenmessung mit der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) gemeinsame Sache machen. Nach über einem Jahr dauernden Gesprächen liegt nun eine Einigung auf dem Tisch: Ein erweiterter Mediawährungsstandard wird auch die Nutzung von Youtube ausweisen. Es ist das erste Land, in dem sich Google einem Joint Industry Committee anschließt und auch der erste US-Player, der dies in Deutschland tut.

Es ist damit tatsächlich ein "Meilenstein" für einen Bewegtbild-Messstandard in Deutschland. Ziel dieser nach AGF-Angaben weltweit ersten Integration sei es, konvergente Nettoreichweiten für TV und Onlinevideo unter Einbeziehung von Online-Bewegtbildanbietern auszuweisen. Erste Ergebnisse sind noch in 2015 geplant.

Hintergrund: Im Bewegtbildmarkt diversifizieren sich Screens, (mobile) Endgeräte und vor allem die Anbieter zunehmend. Neben den klassischen TV-Anbietern treten immer mehr Videoportale und Streaming-Kanäle in den Markt ein – entsprechend verteilt sich auch die Nutzung neu. Deshalb drängelt die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) seit langem auf einen einheitlichen crossmedialen Standard zur Leistungsbemessung. Und wenn jetzt sogar Google/Youtube mitmacht, werden sich alle kleineren neuen Anbieter kaum leisten können, außen vor zu bleiben. Spannend wird, wie es Facebook hält, das sich Bewegtbild ebenfalls weit oben auf die Agenda geschrieben hat.
„Uns ist es wichtig, eine Beurteilungsgrundlage für Werbetreibende zu schaffen, die dem massiven Anstieg der Nutzung von Online-Bewegtbildinhalten gerecht wird.“
Lars Lehne
Lars Lehne, Google Deutschland
Lars Lehne, Google Deutschland (Bild: Alexander Hassenstein)
Laut Uwe Storch, Vertreter der OWM im AGF-Vorstand, Vize-Vorsitzender des OWM-Vorstandes und im Hauptjob Head of Media bei Ferrero, sei "eine Integration der Bewegtbildmessung in das AGF-System für die Werbetreibenden in der heutigen Kampagnenplanung unumgänglich". Auch die AGF als Joint Industry Committee müsse sich dafür ändern. Für den geplanten einheitlichen Bewegtbildstandard will man das bestehende AGF-Fernsehpanel, das die lineare TV-Nutzung live und zeitversetzt erfasst, um ein virtuelles "Mega-Panel" für Onlinevideos ergänzen, das aus Daten des Nielsen-Online-Panels sowie des Crossmedia-Panels der GfK besteht.

Von der Zusammenführung, die ein weiterer Dienstleister besorgen soll, erhofft man sich Informationen zur Nutzungsüberschneidung von TV und Online auf Computern und Mobilgeräten. Darüber hinaus sollen alle Nutzungsvorgänge der im AGF-Standard abgebildeten Angebote im Rahmen einer Vollerhebung ("Zensusmessung") erfasst werden.

"Bei diesem Forschungskonzept handelt es sich um ein extrem ambitioniertes Projekt, das seinesgleichen sucht", sagt AGF-Vorstandsvorsitzende Karin Hollerbach-Zenz. Und Lars Lehne, Country Director Agency bei Google Deutschland, begründet Youtubes Einreihen in die deutschen Media-Gepflogenheiten so: "Uns ist es wichtig, eine Beurteilungsgrundlage für Werbetreibende zu schaffen, die dem massiven Anstieg der Nutzung von Online-Bewegtbildinhalten gerecht wird." rp

Zu den Hintergründen äußern sich Google, AGF und Kundenverband OWM in der nächsten HORIZONT-Ausgabe vom 30. April

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