Beschwerden zurückgewiesen Presserat billigt Facebook-Pranger der "Bild"

Mittwoch, 02. Dezember 2015
"Bild"-Chef Kai Diekmann
"Bild"-Chef Kai Diekmann
Foto: Axel Springer

Der Presserat hat die Beschwerden gegen den "Facebook-Pranger" der "Bild" und einen ähnlichen Beitrag der Huffington Post zurückgewiesen. Die beiden Medien hatten Verfasser von Hasskommentaren im Internet mit vollen Namen und Profilfotos veröffentlicht.
Die "Bild" hatte im Oktober unter der Überschrift "Bild stellt die Facebook-Hetzer an den Pranger" ausländerfeindliche Hasskommentaren zusammen mit den Namen der Verfasser und ihrer Profilbilder in der Zeitung und auf Bild.de veröffentlicht. Auch die Huffington Post zeigte eine Sammlung der aus ihrer Sicht schlimmsten Kommentare und bezeichnete die Verfasser als "Hassfratzen". Insgesamt gingen beim Presserat daraufhin 38 Beschwerden wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen und Diffamierung ein. Auch Sicht des Beschwerdeausschusses des Presserates war die Veröffentlichung der Postings mit Name und Profilbild allerdings zulässig, "da es sich hier nicht um private, sondern erkennbar um politische Äußerungen der User in öffentlich einsehbaren Foren handelte. Hieran besteht ein öffentliches Interesse, das die Persönlichkeitsrechte überlagert", stellt der Presserat fest.

Die Bezeichnung der Verfasser als "Hassfratzen" durch die Huffington Post sei zwar "eine zugespitzte, scharfe Meinungsäußerung", die aber noch im Rahmen der presseethischen Grenzen bewege. Das gleiche gelte für die Formulierung "an den Pranger stellen" bei der "Bild".
Diekmann
Bild: Sponsors/Picture Alliance

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Zwei weitere Medien kassierten dagegen eine öffentliche Rüge durch den Presserat: So hat die "Münchner Abendzeitung" auf ihrer Website das Video des Mordes an einer Fernsehmoderatorin in den USA gezeigt, die vor laufender Kamera von einem ehemaligen Kollegen erschossen wurde. Dabei wurde der Moment, in dem die tödlichen Schüsse fallen, mehrfach wiederholt. Eine journalistische Einordnung der Szene fand nicht statt. Der Presserat sah darin eine Verletzung von Ziffer 11 des Pressekodex, nach der Medien auf eine unangemessene sensationelle Berichterstattung verzichten sollen.

Gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und Redaktion nach Ziffer 7 hat die Programmzeitschrift "TV Movie" aus der Bauer Media Group verstoßen. In einem Interview mit dem Schauspieler Samuel Finzi lobte dieser das Automodell Skoda Superb überschwänglich, außerdem war das Auto auf einem Bild mit dem Schauspieler zu sehen. Der Presserat sah darin die Grenze zur Schleichwerbung "deutlich überschritten".

Außerdem sprach der Presserat 8 Missbilligungen und 15 Hinweise aus. 66 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. dh
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