Jugendkanal von ARD und ZDF nur Online Bellut fordert mehr Bewegungsspielraum / VPRT sagt erneuten Konflikt voraus

Freitag, 17. Oktober 2014
ZDF-Intendant Thomas Bellut
ZDF-Intendant Thomas Bellut
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Der von ARD und ZDF geplante Jugendkanal wird nur im Internet an den Start gehen, ein eigenes Angebot in Radio und Fernsehen soll es nicht geben. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder am Freitag bei ihrer Konferenz in Potsdam beschlossen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr.
 ARD und ZDF hatten ursprünglich einen Multimedia-Auftritt für 14- bis 29-Jährige in Fernsehen, Radio und im Netz geplant. Doch dagegen hatte es in einigen Bundesländern Widerstand gegeben. Unmittelbar vor der Konferenz der Regierungschefs gab es vor allem aus dem CDU-geführten Sachsen Gegenwind. Das Projekt sollte in der geplanten Form 45 Millionen Euro pro Jahr kosten.
Thomas Bellut kündigte den Jugendkanal am Freitag in Berlin an

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Die ARD wollte 30 Millionen Euro übernehmen, das ZDF 15 Millionen Euro. Das Angebot sollte auf Smartphone, Tablet und PC sowie im klassischen Fernsehen abrufbar und im Radio zu hören sein. Vor der Konferenz hatten der bei dem Projekt federführende SWR-Intendant Peter Boudgoust und ZDF-Intendant Thomas Bellut noch einmal nachdrücklich für den Kanal geworben.

„Ein Onlineangebot mit einem Blankoscheck von 45 Millionen Euro auszustatten, wird es kaum besser machen.“
Tobias Schmid
Bellut nutzt die Entscheidung der Ministerpräsidenten nun, um weitere Rechte für die Öffentlich-Rechtlichen einzufordern. Das Internetportal sei eine "perfekte Ergänzung zu ZDFneo und ZDFinfo", mit der das ZDF bereits erfolgreich ein jüngeres Publikum erreiche. "Dafür brauchen wir dann aber auch mehr Bewegungsspielraum im Netz als bisher", so Bellut. Laut Bellut werden ARD und ZDF für das Angebot insgesamt maximal 45 Millionen Euro bereitstellen. Im Gegenzug sollen wie berichtet die Digitalkanäle ZDFkultur und EinsPlus eingestellt werden.

Wie viel Personal beim ZDF für ein reines Onlineangebot notwendig sei, müsse noch geprüft werden. Für ein Angebot mit klassischem TV-Kanal wären laut ZDF rund 30 Stellen notwendig gewesen. Den Personalbedarf wird das ZDF jetzt bei der KEF beantragen. Dabei gehe es darum, dass der zurzeit stattfindende massive Stellenabbau entsprechend reduziert werde. Das ZDF müsse aufgrund einer Auflage der KEF bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 560 FTE (Full Time Equivalents) abbauen. Ein Starttermin für das neue Angebot steht noch nicht fest.

VPRT-Boss Tobias Schmid sieht Konfliktpotenzial
VPRT-Boss Tobias Schmid sieht Konfliktpotenzial
Tobias Schmid, Chef des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), sieht die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Zwar nehme der VPRT erleichtert zur Kenntnis, dass die "konzeptlose Expansion der öffentlich-rechtlichen Spartensender" durch die Ministerpräsidentenkonferenz beendet worden sei, so Schmid. Zudem begrüße der Verband die Einstellung von ZDFkultur und EinsPlus sowie den "Stopp des am Bedarf vorbei konzipierten Jugendkanals von ARD und ZDF". Der Eindruck werde allerdings erheblich dadurch getrübt, dass das alternative Onlineangebot den Grundfehler des öffentlich-rechtlichen Systems fortsetze: "Die Idee, ein Projekt ohne inhaltliche Begrenzung aufzusetzen, hat bei den Digitalkanälen schon nicht funktioniert. Jetzt ein Onlineangebot mit einem Blankoscheck von 45 Millionen Euro auszustatten, wird es kaum besser machen", so Schmid, der  "einen neuen Konflikt mit allen anderen Mediengattungen" vorhersagt. mas/dpa
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