Bertelsmann Konzern startet Zentralisierungsprogramm

Montag, 17. März 2014
Bertelsmann macht ernst bei der Zentralisierung (Bild: Unternehmen)
Bertelsmann macht ernst bei der Zentralisierung (Bild: Unternehmen)


Der Medienkonzern Bertelsmann läutet bei seinem Zentralisierungsprogramm "Operational Excellence" (Opex) die heiße Phase ein. Nach einem im Intranet veröffentlichten Chariman's Letter von CEO Thomas Rabe, der HORIZONT.NET vorliegt, hat der Vorstand Ende Februar beschlossen, den Einkauf, die IT sowie das Finanz- und Personalwesen der fünf Konzernsparten (darunter RTL Group, Gruner + Jahr) teilweise zusammenzulegen. Dies könnte dort mittelfristig Stellenabbau bedeuten - und natürlich weniger Autonomie. Laut dem Brief will Bertelsmann in den kommenden fünf Jahren unter anderem eine Einkaufsgesellschaft in Luxemburg gründen, die zentral für alle Tochterunternehmen im ersten Schritt IT beschafft, nach und nach auch andere Produkte und Dienstleistungen. Auf Konzernebene soll außerdem eine IT-Abteilung installiert werden, die sich um Themen wie IT-Infrastruktur und -Sicherheit kümmert. Auch Funktionen wie Personalabrechnung und Human Ressources sollen vereinheitlicht und mehr zusammengeführt werden. Das Rechnungswesen sollen künftig drei zentrale Service-Center stärker standardisiert betreiben, jeweils eines in Europa, USA und Asien. Im Controlling soll der Planungsprozess bereits 2015 deutlich vereinfacht werden.

Ziel aller Maßnahmen dürfte sein, die Abläufe zu verbessern, Kosten zu sparen und einheitliche Standards zu schaffen - auch, um die angekündigten neuen Wachstumsgeschäfte besser integrieren und effizienter führen zu können. Die offensichtliche Idee dahinter: Durch die Zentralisierung administrativer Aufgaben sollen sich die Bertelsmann-Tochterunternehmen - neben der RTL Group und Gruner + Jahr noch Arvato, Penguin Random House und Be Printers - besser auf ihre eigentlichen Kerngeschäfte konzentrieren können. Die Konzernsparten sollen eng in alle Prozesse eingebunden werden, heißt es.

Dort allerdings sieht man Opex dem Vernehmen nach aber auch mit Skepsis. Nicht nur, weil bisher unklar ist, in welchem Umfang RTL Group, Gruner + Jahr und Co in den betreffenden Abteilungen Kompetenzen und Stellen abgeben müssen. Sondern auch, weil hier und da Zweifel an der Datenlage sowie an der Machbarkeit und Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen zu hören sind.

Und für Penguin Random House kommt Opex zur Unzeit, hat man dort beim Joint Venture mit Pearson und der hauseigenen Buchsparte Random House derzeit sowieso schon genug zu tun. Spannend wird sein zu sehen, wie die Konzernzentrale in Gütersloh bei G+J und Penguin Random House agieren wird, an denen Bertelsmann mit 74,9 beziehungsweise 53 Prozent beteiligt ist - hier gibt es schließlich noch Mitgesellschafter.

Ein Sprecher bestätigte gegenüber HORIZONT.NET, dass es eine entsprechende Information heute an die Mitarbeiter im konzernweiten Intranet gegeben hat, äußert sich jedoch nicht zu Details. rp/pap
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