Bertelsmann CP-Sparte Medienfabrik wandert zu Gruner + Jahr

Freitag, 13. November 2015
G+J-Chefin Julia Jäkel verantwortet künftig das gesamte CP-Geschäft von Bertelsmann
G+J-Chefin Julia Jäkel verantwortet künftig das gesamte CP-Geschäft von Bertelsmann
Foto: Jorinde Gersina / Gruner + Jahr

Der Medienkonzern Bertelsmann sortiert sein Geschäft mit Kundenkommunikation neu und bündelt es unter dem Dach seiner Zeitschriftentochter Gruner + Jahr. Konkret: Bertelsmanns Corporate Publishing-Firma Medienfabrik, die bislang zur weiteren Konzerntochter Arvato gehört, schlüpft beim Verlag G+J unter, zu dessen deutlich kleineren Kundenmediensparte Corporate Editors. Dies stärkt G+J, generell wie auch speziell im immer härteren Wettbewerb im CP-Markt. Und beendet Bertelsmann-interne Hakeleien um manche Aufträge.

Mit dem Schritt, der zum 1. Januar 2016 erfolgen soll, formt G+J "den größten Content-Communication-Dienstleister Deutschlands", jubelt der Verlag. Gemeinsam erzielten Medienfabrik und G+J Corporate Editors einen Umsatz von "deutlich mehr als 100 Millionen Euro". Ein möglicher neuer Name des baldigen Großanbieters ist noch offen, ebenso der künftige Firmensitz und die Geschäftsführung. Bisher sind dies Soheil Dastyari und Sandra Harzer-Kux (G+J Corporate Editors) und Stefan Postler und Gero Hesse (Medienfabrik).

Zu den Kunden der Medienfabrik gehören Daimler, Rossmann und Miele, die Schwerpunkte liegen auf Unternehmenskommunikation, Handelsmarketing sowie Media-, Personalmarketing- und Recruiting-Dienstleistungen. 470 Mitarbeiter arbeiten an den Standorten Gütersloh, Bonn, Berlin, Leverkusen und München. G+J Corporate Editors (Kunden: unter anderem Beiersdorf, Deutsche Bahn, Hornbach, Lufthansa, Telekom) ist mehr auf Medienkreation und -produktion spezialisiert, mit Büros in Hamburg, Berlin und München - und insgesamt nur rund 100 Mitarbeitern. So gesehen ist Gruners CP-Sparte der Juniorpartner der wohl bevorstehenden Zusammenlegung.

In der Vergangenheit gab es bisweilen Bertelsmann-interne Hakeleien um CP-Aufträge. Zum Beispiel um das 2008 gestartete Rewe-Magazin "Laviva". Der damalige G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun hatte sich vernehmbar über Bertelsmanns Entscheidung für "Laviva" geärgert, weil das Heft einzelnen G+J-Frauentiteln hätte Konkurrenz machen können und angeblich zwischen G+J und Bertelsmann eine Zuständigkeitsvereinbarung existierte, wonach andere Konzerntöchter Zeitschriften nur mit G+J-Zustimmung herstellen dürften.

Der damalige Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hatte zu diesen internen Interessenkollisionen Anfang 2009 im HORIZONT-Interview gesagt, der Konzern sei "dezentral verfasst, woraus er einen Großteil seiner Energie zieht: Je mehr Initiativen aus den Gruppen kommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Projekte Erfolg haben".

Das wollte einst auch Julia Jäkel so sehen, damals verantwortlich unter anderem fürs CP-Geschäft von G+J (und heute Verlagschefin): Nein, sie ärgere sich nicht über Bertelsmann und "Laviva". Dies zeige doch nur, "dass der interne Wettbewerb in einem dezentralen Konzern bestens funktioniert", so Jäkel Ende 2009 zu HORIZONT. Und tatsächlich: Anfang 2011 hatte G+J der Medienfabrik "Laviva" abgeluchst. Doch nun ist es bald vorbei mit dem viel gerühmten internen Wettbewerb. rp

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