Berliner Zeitung Jochen Arntz wird vorerst nicht Chefredakteur

Donnerstag, 29. September 2016
Jochen Arntz
Jochen Arntz
Foto: DuMont Mediengruppe

Der designierte Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Jochen Arntz, wird sein Amt nicht wie geplant in der kommenden Woche antreten. Die Nachricht nährt Spekulationen über weitreichende Umbau- und Sanierungspläne von DuMont-CEO Christoph Bauer in der Hauptstadt.

Gestern wurde die Redaktion über die überraschende Kehrtwende informiert. Offizielle Begründung: Arntz sei derzeit noch mit Entwicklungsprojekten beschäftigt, die er vor seinem Amtsantritt abschließen solle. Vorerst wird Jutta Kramm, stellvertretende Chefredakteurin, die Leitung der Redaktion übernehmen. Die bisherige Chefredakteurin Brigitte Fehrle hat ihren Schreibtisch bereits in der vergangenen Woche geräumt. Einen neuen Termin für den Amtsantritt von Arntz nennt DuMont nicht.

Richtig ist, dass Arntz gemeinsam mit Thilo Knott, Chefredakteur für digitale Entwicklung bei DuMont, und Elmar Jehn, Chefredakteur des Boulevard-Titels "Berliner Kurier", an einem neuen Redaktionskonzept für die beiden Zeitungen des Verlages arbeitet. Sie sollen Anfang nächsten Jahres in einen gemeinsamen Newsroom in der Alten Jakobstraße in Berlin einziehen. Das Konzept ist für Ende Oktober angekündigt. Dass die Arbeit an diesem Konzept tatsächlich der Grund für die überraschende Volte ist, kann man glauben. Das setzt allerdings eine gehörige Portion Naivität voraus.

Tatsächlich geht es für DuMont nicht nur um ein neus Redaktionskonzept, sondern auch um gesellschaftsrechtliche Konstruktionen, die dem Kölner Konzern einen drastischen Personalabbau in Berlin ermöglichen, möglichst ohne durch die restriktiven arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen zu Sozialauswahl und Sozialplänen beeinträchtigt zu werden. Seit Wochen geistern Spekulationen durch die Hauptstadt, Bauer könnte den verlustträchtigen Verlag am Alexanderplatz komplett schließen und mit einer wesentlich kleineren Mannschaft im neuen Domizil wenige Kilometer weiter komplett neu anfangen. Ein Chefredakteur, der schon in der alten Firma gearbeitet hat, würde den zahlreichen juristischen Risiken einer solchen Konstruktion nur ein weiteres hinzufügen. uv

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