"Berichtet fair!" Trump wettert gegen die Werbekampagne der "New York Times"

Montag, 27. Februar 2017
Für ihn sind die Medien Opposition: Donald Trump
Für ihn sind die Medien Opposition: Donald Trump
Foto: picture alliance / AP Photo / Pablo Martinez Monsivais

Mit ihrem ersten TV-Spot seit 2010, ausgestrahlt vergangene Nacht im Rahmen der Oscar-Verleihung, will die "New York Times" ein Zeichen für aufrichtigen Journalismus setzen. Wie wichtig die Kampagne ist, zeigt besonders die Reaktion des Mannes, gegen den sich die Kampagne auch richtet: US-Präsident Donald Trump.
In dem 30-sekündigen Spot wird der Halbsatz "Die Wahrheit ist..." durch immer andere Endungen ergänzt, wie zum Beispiel "... die Medien sind unehrlich". Manche der Einblendungen sind korrekt, manche widersprechen aber auch den Fakten. Am Ende vervollständigt sich der erste Halbsatz zu der Botschaft "Die Wahrheit ist schwer, schwer zu finden, schwer zu wissen und heute so wichtig wie nie". 
Man muss kein Medienprofi sein um zu erkennen, gegen wen sich die Kampagne (Kreation: Droga5) schwerpunktmäßig richtet: Donald Trump, seit gut sechs Wochen der neue Herr im Weißen Haus, lässt so gut wie keine Gelegenheit aus, um auf Twitter gegen die "unehrlichen Medien" zu wettern und ihnen die Verbreitung von "Fake News" vorzuwerfen - also Nachrichten über ihn selbst, die Trump nicht in den Kram passen. Besonders die "New York Times" kommt dabei häufig zu Sprache, stets versehen mit dem Attribut "failing", scheiternd.
Intererssanterweise kommt Trump nicht umhin, die Medien für ihre Unehrlichkeit zu kritisieren, sie gleichzeitig aber immer wieder zu zitieren. Die Zwiespältigkeit von Trumps Einstellung zu den Medien zeigt sich auch in dem Tweet, den er am Sonntagmorgen absetzte: Wohl wissend, dass die "New York Times" in der Nacht zum Montag bei den Oscars ihren Werbespot schalten würde, twitterte er: "Zum ersten Mal will die scheiternde New York Times mit einem Werbespot (einem schlechten) ihren verfallenden Ruf retten. Versucht angemessen und fair zu berichten!". 
Natürlich handelte es sich nicht um die erste Kampagne der "New York Times" - die Zeitung warb aber zum ersten Mal im Rahmen der Oscars. Darauf bezog sich Trump mit der Formulierung "zum ersten Mal" - und belegte damit eindrucksvoll, warum die Betonung von Fakten in der Tat wichtig ist.

Zum anderen dürfte sich Trump mit seinen mehr als 25 Millionen Twitter-Followern als nicht zu unterschätzender Multiplikator der Kampagne betätigt haben. Ein wenig Earned Media kann die "New York Times" gut gebrauchen: Ein Werbeplatz bei den Oscars kann bis zu 2,5 Millionen Dollar kosten. ire
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