Beim "Stern" Die "Zeit" will von Stellenabbau wissen

Donnerstag, 20. Februar 2014
 Bertelsmann-Chef Thomas Rabe
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Zahlenspiele: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat der "Zeit" ein großes Interview gegeben. Da geht es nicht nur um die weite Medienwelt, sondern auch mal kurz um den "Stern", das Wochenmagazin der Konzerntochter Gruner + Jahr. Hier wollen die Interviewer - darunter "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo höchstselbst - von einem offenbar anstehenden Stellenabbau von 10 bis 20 Prozent beim "Stern" wissen. Was ist da dran? Von Rabe drucken die "Zeit"-Leute nur eine ausweichende Antwort. "Die Strategie von G+J ist es, in neue Kompetenzen zu investieren. Wer im Zeitschriftengeschäft heute nicht erkannt hat, dass Veränderungen sein müssen, ist aus der Zeit gefallen. Wir müssen handeln, solange wir noch die Freiheit und die Ressourcen dazu haben." Gilt hier also die gängige Gleichung, die da lautet: Kein Dementi ist letztlich eine indirekte Bestätigung?

Wohl nicht, denn erstens wäre es sogar für Bertelsmann-Verhältnisse ziemlich ungewöhlich, wenn der Konzernchef Einzelmaßnahmen des Tochterunternehmens (Bertelsmann hält 75 Prozent der Anteile an G+J) ankündigt oder derart kommentiert. Zumal die Zeiten, als die Gütersloher mittels Interviews Innenpolitik betrieben, ja längst vorbei schienen.

Vielleicht dementiert Rabe schlicht aber auch deshalb nicht, weil die Information ja irgendwie stimmt, jedenfalls tendenziell - aber eben auch nicht wirklich neu ist: Bereits zum Relaunch des "Stern" hatte der damalige Geschäftsführer Thomas Lindner vor einem Jahr gesagt: "Wir müssen mit weniger Geld auskommen - und das bedeutet langfristig: mit weniger Personal, auch in der Redaktion." Und seit Frühsommer 2013 lässt G+J-Chefin Julia Jäkel auf keiner internen Versammlung einen Zweifel an der geltenden Parole: "Mehr Output, weniger Leute".

Doch hier geht es, wie damals bereits beschrieben, wohl eher um einen sukzessiven Abbau von 300 bis 400 Stellen in den kommenden drei bis fünf Jahren (HORIZONT 25/2013) - natürlich bezogen auf den gesamten Verlag. Dass die "Stern"-Redaktion davon ganz ausgenommen bliebe, ist kaum zu erwarten. Wenn doch, wäre das die viel spannendere Meldung.

Die große Frage lautet jetzt nur: Ist der Stellenabbau allein mit Fluktuation zu schaffen - oder muss G+J in einzelnen Fällen (betriebsbedingt) kündigen? Das wäre beim journalistischen G+J-Flaggschiff "Stern" tatsächlich ein Politikum.

Für den "Stern" nimmt eine Sprecherin auf Anfrage Stellung: Man habe die "Informationen und Zahlenspiele" der "Zeit"-Kollegen "mit Interesse gelesen". Und weiter: "Fakt ist, dass es keine Pläne zum Stellenabbau von 10 bis 20 Prozent gibt. Richtig ist aber auch, dass durch Fluktuation (insbesondere Altersteilzeit und Erreichen des Rentenalters) uns einige Kollegen verlassen haben und verlassen werden, was real zu einem natürlichen Stellenabbau führt, weil diese Positionen zumindest nicht 1:1 nachbesetzt werden."

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der "Stern" derzeit bekanntlich auch einstellt - in der Online-Redaktion: Acht zusätzliche Social-Media-erfahrene Web-Redakteure kamen oder kommen dort gerade hinzu.

Dieses Schicksal (größerer Abbau hier, kleinerer Aufbau dort) teilt der "Stern" mit etlichen anderen Titeln, sogar mit dem "Spiegel": Der Spiegel-Verlag hatte bereits Ende 2012 einen Stellenabbau angekündigt, auch in der Redaktion, jedoch ohne Einstellungsstopps und Kündigungen. Und vor drei Wochen bekräftigte Chefredakteur Wolfgang Büchner im HORIZONT-Interview (Ausgabe 5/2014): "Wir besetzen nicht jede Stelle, die frei wird, automatisch nach. Die ,Spiegel'-Redaktion wird daher Ende 2014 etwas kleiner sein, aber nach wie vor in allen Ressorts hervorragend besetzt. Und wir stellen unverändert neue Journalisten ein." rp
Meist gelesen
stats