Bauer 11 Prozent Umsatzplus durch Zukäufe / Attacke gegen TV

Mittwoch, 20. November 2013
Verlegerin Yvonne Bauer konnte für 2013 gute Zahlen präsentieren
Verlegerin Yvonne Bauer konnte für 2013 gute Zahlen präsentieren


Nachschlag: In der vergangenen Woche hat Verlegerin Yvonne Bauer im HORIZONT-Interview ihre Strategie skizziert - nun liefert sie vor der Presse weitere Geschäftszahlen. Zum Beispiel ein stolzes Umsatzwachstum, bei dem man aber das Kleingedruckte lesen sollte. Die Frage, ob die Bauer Media Group nun tatsächlich Europas größtes Zeitschriftenhaus ist, muss weiter offen bleiben. Dafür attackiert die Verlegerin die Werbegattung TV. In diesem Jahr erwartet die Bauer Media Group Erlöse von knapp 2,4 Milliarden Euro, das sind 10,7 Prozent mehr als 2012. Getrieben ist dieses Wachstum allerdings durch den Kauf des australischen Großverlags ACP, der sich 2013 voll in der Bilanz niederschlägt. Bereinigt und organisch, also ohne diese Akquisition, würden sich die Umsätze in diesem Jahr "stabil" entwickeln, so Bauer auf Nachfrage. Wobei "stabil" im PR-Sprech immer auch ein kleines Minus bedeuten kann. Zu berücksichtigen sind indes auch Wechselkursdifferenzen (90 Millionen Euro) und Verkäufe einzelner Titel im Ausland. Ob Bauer damit Burda (Umsatz 2012: 2,45 Milliarden Euro) in diesem Jahr - wie angepeilt und nun vor der Presse behauptet - überholt hat, ist fraglich; allerdings erzielt Burda große Teile seiner Umsätze durch verlagsfremdes Digitalgeschäft, Stichwort Tierfutter.

Durch die Zukäufe verschieben sich Bauers Umsatzanteile: 65 Prozent (2012: 60 Prozent) seiner Erlöse erzielt der Verlag in diesem Jahr im Ausland, vor allem in Großbritannien, Polen, USA und jetzt auch Australien. Den Löwenanteil zu den Gesamtumsätzen steuert auch 2013 Bauer-traditionell der Magazinvertrieb bei (58 Prozent), wenn auch mit sinkender Tendenz (2012: 61 Prozent), gefolgt vom Anzeigenverkauf mit leicht steigendem Anteil (22 gegenüber 19 Prozent). Damit ist klar: Bauer erzielt auch 2013 konstant 80 Prozent seiner weltweiten Milliardenerlöse mit Print (über 600 Zeitschriften in 37 Ländern). 9 Prozent der Umsätze stammen aus dem Radiogeschäft; hier ist Bauer führend in England und Polen.

Der Anteil der Digitalerlöse dagegen liegt mit 86 Millionen Euro bei nach wie vor - relativ - homöopathischen 4 Prozent. Dabei hatte der Konzern bereits vor zwei Jahren verkündet, man wolle schon 2012 "alles daran setzen, dass wir im Digitalgeschäft einen deutlichen Sprung nach vorne schaffen" - und zwar durch Zukäufe mediennaher Plattformen, durch den Launch eigener Digitalangebote sowie durch das Ausrollen "aller wesentlichen Verlagsprodukte" auf dem Tablet.

Immerhin: Bauer ist mittlerweile nach eigenen Angaben mit mehr als 130 Zeitschriftenmarken die Nummer 1 in Apples Kiosk. In den kommenden Monaten sollen die Verkaufsplattformen Google Play und Amazons Kindle hinzukommen. Und in diesem Jahr hat Bauer für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag das polnische Technikunternehmen Sunrise System Poland gekauft, nach Verlagsangaben der führende Anbieter für Digitalmarketing und Search-Services im osteuropäischen Raum. Zudem spreche man derzeit mit etwa 20 weiteren Unternehmen - allerdings sei der Markt gerade in Sachen Kaufpreise "extrem überhitzt".

Doch trotz aller Akquisitionen im Ausland: Deutschland bleibt mit einem Umsatzanteil von 35 Prozent (829 Millionen Euro) auch 2013 Bauers größter Einzelmarkt - allerdings mit einem Erlösminus von 1,9 Prozent. Die Vertriebseinnahmen sanken um 1,2 Prozent auf 566 Millionen Euro, was in diesem schwierigen Markt und angesichts sinkender Auflagen traditioneller Bauer-Dickschiffe ein guter Saldo und erfolgreichen Newcomern wie "Closer" zu verdanken ist. Die Nettoanzeigenumsätze fielen, ähnlich wie in anderen Häusern, um 4,2 Prozent auf 160 Millionen Euro.

Wohl auch deshalb - und weil Bauers deutsches Portfolio nach dem Kauf der MVG-Titel ("Cosmopolitan") 2012 nun etwas anzeigenstärker daherkommt - fand Verlegerin Yvonne Bauer vor der Presse deutliche Worte gegen den Werbemarkt-Konkurrenten Fernsehen: "Die TV-Landschaft zersplittert sich, das Medium verliert Reichweite. Wer TV bucht, verschenkt Aufmerksamkeit, weil die Hälfte der Zuschauer parallel einen Second Screen nutzt. Nur Print genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit." rp

Yvonne Bauer mit ihren Geschäftsleitern Eckart Bollmann, Andreas Schoo und Jörg Hausendorf (v.l.)
Yvonne Bauer mit ihren Geschäftsleitern Eckart Bollmann, Andreas Schoo und Jörg Hausendorf (v.l.)
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