Babylon Berlin Sky-Programmchef Ammon: "Wir sind nicht nur der Fußballsender"

Mittwoch, 23. August 2017
Sky-Manager Marcus Ammon
Sky-Manager Marcus Ammon
© Sky
Themenseiten zu diesem Artikel:

Sky Marcus Ammon Gemeinschaftsproduktion ARD


Am 28. September feiert "Babylon Berlin" Weltpremiere, am 13. Oktober startet die Serie, die im verruchten Berlin der späten 20er Jahre spielt, auf Sky. Die Gemeinschaftsproduktion von ARD, Degeto, Beta Film, X Filme und Sky hat ein Rekordbudget von 40 Millionen Euro verschlungen und ist die erste deutsche Serie, die von Sky mitproduziert wurde. Sky-Programmchef Marcus Ammon erzählt HORIZONT Online, warum das Format so wichtig für den Pay-TV-Anbieter ist und was er sich davon erwartet.
Herr Ammon, "Babylon Berlin" ist eine Mammutproduktion mit drei Regisseuren, über 300 Sprechrollen und einem Budget von 40 Millionen Euro. Ist Ihnen da nicht manchmal schwummerig geworden? Nein. Ich hatte immer großes Vertrauen in die Regisseure Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Es ist ein großes Investment, das wir mit gemeinsam mit X Filme, der ARD, Degeto und Beta Film stemmen, aber auch ein ganz besonderes Projekt. Ich habe gerade wieder die finale Fassung aller 16 Folgen gesehen und bin einfach nur begeistert. "Babylon Berlin" zu machen, war absolut die richtige Entscheidung und ich bin sehr froh, dass wir uns daran gewagt haben.
„'Babylon Berlin' zu machen, war absolut die richtige Entscheidung und ich bin sehr froh, dass wir uns daran gewagt haben.“
Marcus Ammon
Was macht die Serie so besonders? Es ist eine High-Concept-Serie, wie man sie sonst eher aus den USA kennt. Sie ist horizontal erzählt und verknüpft eine Kriminalgeschichte mit der einzigartigen Zeit des Berlins der 20er-Jahre. Das Ziel war es, auch die Stadt selbst zum Hauptdarsteller zu machen und ihre Facetten zu zeigen: das Saubere, das Dreckige, aber auch alle gesellschaftlichen Schichten und die politischen Grabenkämpfe jener Zeit. Im Laufe der Buchentwicklung haben wir immer mehr Parallelen zur heutigen Zeit erkannt - das ist fast schon beängstigend.

Mit "Babylon Berlin" steigt Sky Deutschland in die Serienproduktion ein. Warum? Wir wollen Sky weiter in Richtung Entertainment und Fiction entwickeln und positionieren. Wir sind nicht nur der Fußballsender, sondern haben das richtige Programm für jedermann. Weltweit haben nahezu alle Pay-TV-Anbieter mit Eigenproduktionen angefangen, weil es das Profil des eigenen Angebots stärkt. Wir lenken mit "Babylon Berlin" und unseren anderen Eigen- und Koproduktionen eine extrem hohe Aufmerksamkeit auf unser hochqualitatives Programm.

Wie viele Serien haben Sie derzeit in Planung? Die Neue Super dreht gerade für uns "Acht Tage" mit Christiane Paul und Mark Waschke in den Hauptrollen. Die Dreharbeiten für "Das Boot", das wir gemeinsam mit Bavaria und Sonar produzieren, beginnen demnächst in Prag. "Der Pass" von den Produzenten Wiedemann & Berg wird Ende des Jahres gedreht. Wir haben derzeit zehn bis zwölf Stoffe in der Entwicklung, treiben diese idealerweise bis zur Drehreife voran. Wie viele es tatsächlich werden, ist noch nicht entschieden, denn das hängt auch davon ab, wie viele Episoden, welche Länge und natürlich welche Qualität sie haben.

Auch die Free-TV-Sender wenden sich wieder verstärkt fiktionalen Stoffen zu. Merken Sie die Konkurrenz um gute Inhalte? Das deutsche Free-TV hat Nachholbedarf bei horizontal erzählten Geschichten. Deutschland hat mehr Erfahrung im TV-Movie bzw. im episodenhaften Erzählen. Als wir angekündigt haben, zu produzieren, erhielten wir viel positives Feedback. Wir wollen komplexe, ambivalente Geschichten erzählen und bekommen daher auch kontroversere Stoffe angeboten. In welche Stoßrichtung es geht, sieht man bei "Acht Tage" und "Das Boot", die wir unabhängig von anderen deutschen Sendern produzieren werden. Interview: pap
Meist gelesen
stats