BVDA-Herbsttagung Warum sich Anzeigenblätter an der "IWWIWWIWI"-Generation orientieren

Freitag, 20. Oktober 2017
David Bosshart: "Wenn Sie eine Stärke haben, behalten Sie sie - aber versuchen sie, eine zweite und eine dritte Stärke zu integrieren"
David Bosshart: "Wenn Sie eine Stärke haben, behalten Sie sie - aber versuchen sie, eine zweite und eine dritte Stärke zu integrieren"
© BVDA/Bernd Brundert

Eine Branche im Wandel: Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) diskutiert bei seiner Herbsttagung in Darmstadt über die grundlegenden Veränderungen und Herausforderungen, die seine Mitgliedsverlage im Tagesgeschäft umtreiben. Klare Worte findet gleich zum Auftakt Trendforscher David Bosshart. Der Geschäftsführer des Schweizer GDI appelliert an die rund 300 anwesenden Verleger und Agenturen, sich "radikal am veränderten Konsumentenverhalten" zu orientieren.
Der renommierte Wissenschaftler schildert in Darmstadt die Umwälzungen im stationären Handel und deren Bedeutung für die Anzeigenblattbranche. Künftig sei es wesentlich wichtiger, in "vernetzten Dienstleistungen" und weniger in Produkten zu denken: "Der Datenfluss bestimmt den Warenfluss." Der Erfolg von Amazon zeige und trage vor allem dazu bei, dass sich die Differenzierung zwischen On- und Offline immer mehr auflöse: "Jeder Wunsch wird in Echtzeit erfüllbar, Wartezeiten werden immer weniger toleriert", sagt Bosshart. Serviceleistungen und eine kluge Logistik spielten dagegen eine immer größere Rolle. Schließlich habe man es zunehmend mit Konsumenten aus der "IWWIWWIWI"-Generation zu tun, ausgeschrieben: der "I Want What I Want When I Want It"-Generation.
Bosshart ruft die Anzeigenblattverlage dazu auf, ihren lokalen Bonus in den Regionen auszuspielen und zu stärken sowie die Qualität der persönlichen Kundenbeziehung zu verbessern. Dabei sei nicht der einzelne Kanal entscheidend, den Schlüssel zum Erfolg müssten vielmehr vernetzte Services bilden.

Auch BVDA-Präsident Alexander Lenders hatte in seiner Begrüßung an die Verlage appelliert, die Chancen und Möglichkeiten von Veränderungen für sich zu nutzen: „Gerade im Jahr des 30-jährigen Bestehens unseres Verbandes müssen wir neue Lösungen für neue Herausforderungen erarbeiten.“ Eine davon ist die EU-Datenschutzgrundverordnung. Susanne Böhm, Datenschutzbeauftragte der Mediengruppe Pressedruck, skizzierte bei der Herbsttagung die Auswirkungen des neuen Regelwerks auf die Anzeigenblattbranche und riet den Verlagen nachdrücklich, sich rechtzeitig auf die neue Rechtslage einzustellen. Vor allem im Kundendatenschutz und im Marketing müssten viele Veränderungen berücksichtigt werden.
BVDA-Präsident Alexander Lenders eröffnet die Herbsttagung seines Verbandes in Darmstadt
BVDA-Präsident Alexander Lenders eröffnet die Herbsttagung seines Verbandes in Darmstadt (Bild: BVDA/Bernd Brundert)
Beim größten Treffen der Branche diskutieren rund 300 Teilnehmer auch am heutigen Freitag über das Schwerpunktthema Wandel in all seinen Facetten. Unter anderem gibt Score-Media-Chef Heiko Genzlinger einen Über- und Ausblick über die Arbeit seines Vermarkters; Johanna Hettler (Delta Marktforschung) und Jochen Kühn (Pascoe Naturmedizin) präsentieren die Ergebnisse der ersten übergreifenden Werbewirkungsstudie der Anzeigenblätter. kan
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