BR-Intendant Wilhelm "Wir müssen uns von der Quote emanzipieren"

Mittwoch, 16. Oktober 2013
BR-Intendant Ulrich Wilhelm auf den Medientagen München
BR-Intendant Ulrich Wilhelm auf den Medientagen München


Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, fordert eine Abkehr von der Fixierung auf die TV-Quoten, mit der die Zuschauerzahlen gemessen werden. "Quote und Reichweite machen nur Sinn in einer linearen Welt, nicht in einer non-linearen", sagte er mit Blick auf die zunehmende Nutzung von TV-Inhalten im Netz und auf mobilen Endgeräten in seiner Keynote auf den Medientagen München. "Wir müssen uns von der Quote emanzipieren und nach Relevanz und Gesprächwert einordnen , sagte er und betonte: "Das ist kein Plädoyer gegen das Publikum." In den vergangenen Jahrzehnten haben vor allem die großen Sender Zuschauermarktanteil verloren. Auch Das Erste, das Gemeinschaftsprogramm der ARD-Anstalten, hat Zuschauer verloren, vor allem in jüngeren Zielgruppen, und steht in einer ständigen Diskussion darum, wie populär und am Privatfernsehen orientiert, das Programm sein darf.

Trotzdem ist die Aussage von Wilhelm überraschend. Denn derzeit arbeiten die in der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) zusammengeschlossenen öffentlich-rechtlichen und privaten Sender auf Hochtouren daran, die derzeitige lineare Quotenmessung um die non-lineare Nutzung im Internet zu erweitern - also auch die ARD. Ende 2014 soll es konvergente Zahlen geben, in denen lineare- und on-demand-Nutzung abgebildet werden.

Die AGF-Zahlen sind Basis für die Werbevermarktung. Für Wilhelms BR spielt diese Erlössäule jedoch eine untergeordnete Rolle, was bis zu einem gewissen Grad auch seine forscher Forderung erklären dürfte.

Generell sieht Wilhelm die Rolle der Medien in einer zunehmend konvergenten Medienwelt jedoch nicht gefährdet. Zwar würden Themen nicht mehr nur von den Medien diskutiert, sondern auch von Bloggern und Bürgern. Aber sie lieferten weiterhin unabhängige Informationen und seien weitgehend frei von den Interessen Dritter. "Diese moderierende Rolle werden Medien noch sehr lange behalten", prognostiziert er. pap
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