BDZV-Zeitungskongress Was Verlage von Spotify lernen können

Montag, 16. September 2013
Helmut Heinen bei seiner Eröffnungsrede des BDZV-Zeitungskongresses (Bild: BDZV)
Helmut Heinen bei seiner Eröffnungsrede des BDZV-Zeitungskongresses (Bild: BDZV)


Über den Tellerrand schauen und von anderen Branchen lernen: Das hat sich der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) für seinen diesjährigen Zeitungskongress in Dresden vorgenommen. Dementsprechend unkonventionell dann auch der Beginn: Stefan Zilch, Geschäftsführer der Musikplattform Spotify, und Neurowissenschaftler Prof. Dieter F. Braus schilderten ihre Sicht auf den digitalen Wandel und die verbleibende Rolle für die Zeitungen. In seiner einleitenden Keynote brach BDZV-Präsident Helmut Heinen zunächst selbst eine Lanze für die eigene Zunft. Zwar sei der Wettbewerb insbesondere im Werbemarkt härter denn je, allerdings würden Zeitungen heute - gedruckt, auf stationären PCs, Tablets und Smartphones dennoch mehr Menschen als je zuvor erreichen. Nach wie vor sei die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle für digitale Produkte die größte Herausforderung für die Branche.

Für die journalistische Arbeit sei es dabei allerdings unabdingbar, dass Informanten geschützt bleiben, so Heinen in Anspielung an den Ausspähskandal der amerikanischen und britischen Geheimdienste. "Nur so kann die Presse ihre Wächterfunktion auch im digitalen Zeitalter in vollem Umfang erfüllen." Der BDZV-Präsident forderte eine "Magna Carta der Telekommunikation", in der globale, an den Freiheitsrechten orientierte Standards sowie ein diskriminierungsfreier Zugang zum Netz niedergeschrieben werden sollten. Diese zu verwirklichen, müsse Aufgabe der deutschen Politik nach der anstehenden Bundestagswahl am 22. September sein.

Stefan Zilch, deutscher Spotify-Chef, warb anschließend für ein Umdenken der Printbranche hinsichtlich der Digitalisierung. Am Beispiel der Musikindustrie, für die der Bundesverband der Deutschen Musikindustrie für das 1. Halbjahr 2013 erstmals seit dem Start von Diensten wie Napster wieder steigende Umsätze verzeichnet hatte, beschrieb Zilch den Weg der schwedischen Plattform über Freemium- und Paid-Modelle sowie verschiedene Partnerschaften. Auch für Zeitungen sei es wichtig, möglichst viele Touchpoints zu den Nutzern zu finden und an möglichst vielen Orten zur Verfügung zu stehen. Deshalb kooperiere man etwa mit Facebook oder auch mit der deutschen "Vogue". "Das Internet ist nicht der Totengräber. Jegliches Wachstum kommt aus den digitalen Angeboten", betonte Zilch. kl
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