BDZV-Zeitungskongress Angela Merkel warnt Verleger vor Einsparungen in Redaktionen

Montag, 29. September 2014
Angela Merkel bei ihrer Rede auf dem BDZV-Zeitungskongress 2014
Angela Merkel bei ihrer Rede auf dem BDZV-Zeitungskongress 2014
Foto: Foto: BDZV / David Ausserhofer
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BDZV Angela Merkel Mindestlohn Helmut Heinen


"Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Meine Generation müssen Sie nicht mehr überzeugen - aber die Jugend." Bei ihrer Aussage zur Bedeutung von Tageszeitungen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Rechnung ohne den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gemacht. Denn überzeugen wollte der die mächtigste Frau des Landes am Montag in diversen Bereichen. Von den Werbeverboten über die Fusionskontrolle bis hin zum Mindestlohn: Die medienpolitischen Forderungen, mit denen BDZV-Präsident Helmut Heinen traditionell den BDZV-Zeitungskongress eröffnet, trafen in diesem Jahr immerhin auf einen idealen Empfänger.
Außerdem, und auch das betonte Heinen, darf man sich an Geburtstagen etwas wünschen. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums seines Verbandes appellierte der BDZV-Präsident deshalb unter anderem an die politischen Entscheider in Berlin und Brüssel, den reduzierten Mehrwertsteuersatz auf digitale Presseprodukte auszudehnen. Ohnehin sei es eine grundsätzlich falsche Entscheidung, auf Bildung und Meinungsbildung überhaupt Steuern zu erheben – „in einem Land, das auf den Reichtum in den Köpfen seiner Bürger angewiesen ist“. Grundsätzlich dürften gesetzliche Regulierungen nicht dazu führen, dass die Kommunikation zwischen Verlagen und ihren Lesern blockiert werde. Bei vielen Gesetzgebungsverfahren würden die besonderen Auswirkungen auf die Presse oft zu spät oder gar nicht erkannt. Die Folge, aktuell sichtbar an der Diskussion zum Mindestlohn: "Die Zeitungen werden immer wieder von Kollateralschäden getroffen, obgleich sie gar nicht im Zentrum der politischen Ziele stehen." Gesetze müssten besser im Hinblick auf ihre Folgen für die Presse überprüft werden.
„Durch Einsparungen im redaktionellen Bereich setzen Sie Ihre Kernkompetenz aufs Spiel“
Angela Merkel
Die Agenda, die Angela Merkel bei ihrem Grußwort an die mehr als 500 Kongressbesucher abarbeiten sollte, war dementsprechend lang, doch die Bundeskanzlerin löste die Aufgabe gewohnt charmant. Die Tageszeitungen würden eine extrem wichtige gesellschaftliche Rolle erfüllen, die auch künftig ausgestaltet werden müsse. Einordnung, Analysen und Hintergründe würden immer wichtiger. Allerdings müssten die Verlage auch ihre Stärken pflegen. "Durch Einsparungen im redaktionellen Bereich setzen Sie Ihre Kernkompetenz aufs Spiel", betonte Merkel. "Wenn diese erst einmal verloren ist, verlieren Sie auch das Vertrauen der Nutzer." Recht viel mehr als bisher könne die Bundesregierung dazu jedoch auch nicht beitragen. Auch beim Streitthema Mindestlohn habe die Politik auf die Zeitungsverleger Rücksicht genommen. "Sie haben eine der wenigen Ausnahmeregelungen." Und damit war das Thema für die Kanzlerin beendet - auch das überzeugend.

Im Rahmen des BDZV-Zeitungskongresses in Berlin debattieren rund 550 Entscheider der Branche bis einschließlich morgen über den Wert der Zeitung für die Gesellschaft und die Bedeutung der Zeitung für die Demokratie. Außerdem feiert der Verband 60-jähriges Bestehen, das er in einer Timeline auf seiner Website mit zahlreichen Bildern, Videos und Texten dokumentiert. kl
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