BDZV-Präsident Helmut Heinen "Im Konzert der Medien werden Zeitungen auch in Zukunft eine Führungsrolle spielen"

Donnerstag, 26. Februar 2015
BDZV-Präsident Helmut Heinen plädiert für positives Denken
BDZV-Präsident Helmut Heinen plädiert für positives Denken
Foto: BDZV
Themenseiten zu diesem Artikel:

Helmut Heinen BDZV


Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, hat allen Grund zum Optimismus: In einer Trendumfrage, die in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen Schickler entstanden ist, legen die Verlage Aufbruchstimmung an den Tag - ohne ihr Kerngeschäft zu vernachlässigen. Im Interview mit HORIZONT wirft Heinen selbst einen Blick in die Zukunft.

Herr Heinen, was glauben Sie: Wo wird die Zeitungsbranche in den nächsten drei Jahren, auch im Vergleich zu den anderen Gattungen, stehen? Unsere Trendumfrage zeigt, dass aus Sicht der Verlage digitale Produkte der Wachstumstreiber im laufenden Jahr sein werden. Immerhin zwei Drittel der befragten Verlage planen für 2015, neue digitale Produkte zu entwickeln, die über die klassischen Webseiten und News-Apps hinausreichen. Was die Vertriebs- und Anzeigenerlöse angeht, blicken die Verlage erfreulich optimistisch in die Zukunft. Aus Sicht unserer Teilnehmer wird sich der Auflagenrückgang deutlich verlangsamen. Bei den Werbeerlösen wird Stabilität erwartet; einige Verlage setzen sogar auf Wachstum. Fazit: Im Konzert der Medien werden wir auch in Zukunft eine Führungsrolle spielen.

Der Bereich Paid Content hat in der Branche mittlerweile ganz unterschiedliche Ausprägungen – von einer sehr strikten "Bezahlschranke" bis hin zu völlig kostenlosem Online-Content ist alles dabei. Was wird sich langfristig durchsetzen? Sie kennen Marks Twains Aussage: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen"? Ob Metered oder Freemium oder Digitalabo - entscheidend ist, dass unsere Kunden bereit sind, auch in der digitalen Welt für guten Journalismus und exklusiv aufbereitete Inhalte zu zahlen. In unserer Branche herrscht große Einigkeit darüber, dass aufwendig hergestellte journalistische Inhalte nicht verschenkt werden sollten. Bei dem Übergang in die digitale Bezahlkultur wird derzeit erfreulich viel experimentiert. Anders geht es ja nicht. Und wie unsere Trendumfrage zeigt, investieren die Verlage auch in neue Produkte, zum Teil sogar in ganz andere Geschäftsfelder - auch in Beteiligungen an Start Up Unternehmen. Den einen richtigen Weg zum Erfolg wird es wohl nicht geben.

Wer oder was könnte die Branche auf diesem Weg unterstützen? Die Politik? Ein besseres Gattungsmarketing?  Was das Gattungsmarketing angeht, hat HORIZONT in den zurückliegenden Wochen ja einige Vertreter der Zeitungsbranche zu Wort kommen lassen. Vieles von dem, was dort gesagt wurde, kann ich nur unterstreichen:  Wir brauchen effiziente Koalitionen, die die großartige Werbeleistung der Tageszeitung noch  besser abbilden und noch erfolgreicher verkaufen. An die Adresse der Politik lautet die klare Ansage: Wir brauchen keine staatlichen Sonderprogramme für die Presse, sondern vernünftige Rahmenbedingungen. Zeitungen und Zeitschriften leiden immer wieder unter den Nebenwirkungen von Maßnahmen auf anderen Politikfeldern. Zu oft ist in den vergangenen Jahren die wirtschaftliche Grundlage der Arbeit der Zeitungsverlage Kollateralschaden bei der Gesetzgebung zu anderen Themen geworden, sei es auf nationaler oder auf EU-Ebene. Das betrifft Werberegulierungen, die Privilegierung der Deutschen Post gegenüber den neuen privaten Wettbewerbern oder auch massive Einschränkungen beim Telefon- und Briefmarketing. Die Auseinandersetzungen der jüngeren Zeit um ein Leistungsschutzrecht, die Pressefusionskontrolle oder auch den Online-Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks sind regelmäßig Gegenstand aktueller Podien und Anhörungen. kl

Meist gelesen
stats