BDZV Mindestlohn gefährdet Zeitungszustellung auf dem Land

Montag, 28. Oktober 2013
Nach Meinung des BDZV könnte der Mindestlohn die Pressevielfalt bedrohen
Nach Meinung des BDZV könnte der Mindestlohn die Pressevielfalt bedrohen


Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV warnt vor den Folgen eines gesetzlichen Mindestlohns für die deutsche Zeitungslandschaft. Kommt der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, bestehe die Gefahr, dass der Vertrieb im ländlichen Raum für die Verlage zu teuer wird. Für die meisten Zusteller ist das Austragen der morgendlichen Tageszeitungen ein Nebenverdienst. Laut BDZV arbeiten die Austräger "fast auschließlich" auf 430-Euro-Basis und bekommen in der Regel keinen Stunden- sondern einen Stücklohn. "Die Zeitungszusteller verfügen bezüglich der Art und Weise der Durchführung ihrer Tätigkeit über hohe Freiheitsgrade und nutzen diese auch individuell", zitiert Newsroom.de aus einer Stellungnahme des BDZV: "Örtliche Gegebenheiten, Wetterlage oder auch die persönlichen Möglichkeiten sind Einflussfaktoren auf den täglichen Ablauf. Die Verlage nehmen hierauf Rücksicht. Es liegt daher auf der Hand, dass dabei Stücklohn und Wegegeld statt Stundenlohn berechnet wird."

Sollte sich eine schwarz-rote Bundesregierung auf einen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro einigen, rechnen die Zeitungsverlage mit erheblichen Mehrkosten: "Allein aufgrund der notwendigen Umstellung der Zeit- und Personalerfassungssysteme, sowie der Anpassung der Zustellbezirke und der dann folgenden Bürokratiekosten gehen wir von Mehrkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich aus", sagte eine Sprecherin des Verbands gegenüber Newsroom.de.

Vor allem im ländlichen Raum bestehe dann die Gefahr, dass die Zustellung zu aufwändig wird. "Zeitungen werden in Teilen auf eine Zustellung verzichten müssen", warnt der Verlegerverband. Schon jetzt sei der Vertrieb auf dem Land mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden.

Die Verleger hoffen im Fall des Falles auf Ausnahmeregelungen und verweisen auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes: Demnach schütze die Pressefreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes auch vor einer unverhältnismäßigen Einmischung des Staates in den Bereich der Zeitungszustellung. dh
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