BDZV-Kongress "Zeitung digital" Wieso Sky-Chef Brian Sullivan die Zeitungsbranche unterstützen will

Mittwoch, 04. Juni 2014
"Extrem wichtig, was Ihre Branche tun wird": Brian Sullivan
"Extrem wichtig, was Ihre Branche tun wird": Brian Sullivan


Als Brian Sullivan am Mittwoch seine Keynote bei der BDZV-Konferenz "Zeitung Digital" begann, wusste er selbst gar nicht so genau, wieso er eigentlich eingeladen worden war. Die zentrale Gemeinsamkeit hatte "Mr. Pay-TV" dennoch schnell herausgearbeitet: die Herausforderung, in einem Umfeld Bezahlinhalte zu schaffen, in denen das Gros der Angebote kostenlos ist. Ihm zuzuhören, machte für die rund 250 Verlagsvertreter am Mittwoch durchaus Sinn: Gerade erst hat Sky für das Jahr 2013 den ersten operativen Gewinn seiner Geschichte eingefahren, die Innovationsgeschwindigkeit und Investitionsbereitschaft des Unternehmens ist seit Jahren fast beispiellos.
Wie er es gerne tut, sprach Sullivan in Berlin zunächst als Familienvater - der Appell an die versammelte Branche war umso eindringlicher: "Für die Zukunft unserer Kinder ist es extrem wichtig, was Ihre Branche tun wird." Der 25. Jahrestag des blutigen Massakers am Tiananmen-Platz in China und die Tabuisierung in den chinesischen Medien erinnere daran, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, das Zeitungen einen Weg in die digitale Zukunft finden. Ereignisse müssten auch weiterhin strukturiert und dokumentiert werden. "Unser Kinder müssen erfahren, was sie unbedingt wissen müssen, um an der Gesellschaft teilhaben zu können."

Deshalb dürften Verlage nicht gegen die grundlegende Veränderung der Medienbranche ankämpfen, sondern müssten sich stattdessen den Risiken immer wieder neu stellen. "Die Welt wird hochqualitativen Journalismus zu schätzen wissen", so Sullivan zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung, bei der Entscheider aus der Verlagsbranche über digitale Trends und Herausforderungen diskutieren.

Er appellierte an die Konferenzteilnehmer, sich mit ihren Lesern zu verändern und deren Bedürfnisse nie aus den Augen zu verlieren. Diese Orientierung sei auch beim Pay-TV-Sender Sky zentral: "Wenn unsere Kunden ihre Sendung nicht mit drei Klicks finden können, dann stimmt etwas nicht." Ein wichtiger Gedanke für die Branche, in der die Etablierung von Paid Content oftmals auch an dem langen Weg zum Abonnement scheitert.

Laut Sullivan sind es vor allem drei Herausforderungen, denen sich sowohl TV- als auch Printbranche stellen müssen. Zentral sei die hohe Qualität und die Exklusivität der Inhalte: "Bieten Sie den besten Inhalt, den es auf dem Markt gibt", forderte Sullivan. Das Angebot müsse es den Kunden beziehungsweise den Lesern wert sein, Geld dafür auszugeben. Der Senderchef weiß, wovon er spricht: "Wenn im kostenlosen Fernsehen nichts läuft, muss etwas auf Sky laufen - sonst kündigt der Kunde im nächsten Monat sein Abo." Deshalb dürfe man sich nicht zurücklehnen, sondern müsse den Status quo immer wieder herausfordern und - gegebenenfalls auch - vom Scheitern lernen.

Bestenfalls sollte dies nicht all zu oft im Bereich des Kundenservice passieren, denn der ist für Sullivan existenziell: "Wir müssen so viel Komfort und Service anbieten, dass die Kunden am besten nie bei uns anrufen." Der Sky-Chef lieferte nicht nur Tipps, er bot der Branche auch weitere Unterstützung an: "Wenn es etwas gibt, das wir bei Sky Deutschland für Sie tun können, dann lassen Sie es uns wissen", betonte Sullivan. Einige Sky-Anzeigen in Regionalzeitungen wären da sicherlich ein guter Anfang. kl
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