BDZV-Chef Heinen "Es gibt keinen Grund, den Umbau zu beschleunigen"

Donnerstag, 12. Juni 2014
BDZV-Präsident Helmut Heinen (l.) und Geschäftsführer Dietmar Wolff (Bild: Peter Himsel)
BDZV-Präsident Helmut Heinen (l.) und Geschäftsführer Dietmar Wolff (Bild: Peter Himsel)

Trotz aller Abgesänge auf Print, der Omnipräsenz von Google und medienpolitischer Herausforderungen: Die gute Laune lassen sich Helmut Heinen und Dietmar Wolff, Präsident und Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), nicht nehmen. Den Glauben an die Stärke der gedruckten Zeitung auch nicht - weil in ihr auch in den nächsten Jahren noch mehr Geld steckt als im Netz, sagen die beiden im Interview mit HORIZONT. HORIZONT.NET veröffentlicht Auszüge aus dem Gespräch; das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Printausgabe 24/2014.

Helmut Heinen und Dietmar Wolff über:

...die Lage der Zeitungen:

Wolff:
"Der ökonomische Druck ist natürlich vorhanden. Die Häuser können zwar nach wie vor Eigenschaften wie Glaubwürdigkeit, Qualität und hohe Reichweiten für sich reklamieren, das Problem ist mittlerweile nur die Kapitalisierung. Da steht jeder Verlag vor derselben Herausforderung. Alle sind auf dem Weg."

Heinen: "Daraus entsteht eine recht heterogene Lage. Früher haben so ziemlich alle Verlage sehr ähnliche Konzepte gehabt, ab einer gewissen Größe hatten alle eine Druckerei, ein Anzeigenblatt, dann noch eine Hörfunkbeteiligung. Heute sind die Strategien diversifizierter. Die Häuser sind sehr offen, gleichzeitig wissen wir aber, dass der gedruckte Bereich noch eine lange Zeit den Großteil der Erlöse beisteuern wird. Deshalb gibt es keinen Grund, den Umbau zu beschleunigen. Wahrscheinlich steckt in der Verfeinerung des Printprodukts wirtschaftlich in den nächsten Jahren sogar mehr als in der Vermarktung des Onlineprodukts. Gleichwohl muss man das natürlich auch intensiv betreiben. Eine Entweder-oder-Situation führt uns nicht weiter."

Dietmar Wolff über:

...die zunehmende öffentliche Kritik an Google

"Es geht nicht nur um Google. Es geht um Facebook, Amazon, Ebay, um alle global agierenden Megaplayer, die im Internet Korridore besetzen und alles aufsaugen, was dort passiert. Die Diskussion über den Umgang mit Marktmacht ist längst überfällig. Es verdient höchsten Respekt, dass Mathias Döpfner als CEO einer Aktiengesellschaft öffentlich seine Angst vor einem übermächtigen Player im Markt ausspricht. Das war ein wirtschaftspolitischer Meilenstein."

Helmut Heinen über:

...Gattungsinitiativen

"Das ist ganz klar eine Aufgabe unserer ZMG. Und da kann man sicher einiges noch besser machen. Denn die Probleme sind meistens hausgemacht. Man könnte auch vom Fluch der Vielfalt sprechen. Während es im TV eine Handvoll Player gibt, gibt es bei uns eben immer noch fast 300 Verlage, die sich schlichtweg nicht auf nationale Angebote einigen. Da kann der Verband mit Engelszungen reden. Aber das ist ein Problem, das etwa NBRZ und Medienhaus Deutschland lösen müssen. Doch auch die Wahrnehmung ist aus unserer Sicht zu negativ, und die Entwicklung der letzten beiden Jahre ist durch die nach wie vor starken Leistungsdaten nicht gerechtfertigt. Zeitungen werden aktuell weit unter Wert wahrgenommen. Deshalb müssen wir uns einfach wieder besser positionieren. Das wird einer der Schwerpunkte der neuen Amtsperiode sein." kl
Meist gelesen
stats