Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 Medienriesen sprechen angeblich über Fusion

Dienstag, 07. Juli 2015
Bändelt Axel Springer wieder mit Pro Sieben an?
Bändelt Axel Springer wieder mit Pro Sieben an?
Foto: Axel Springer

Neuer Anlauf: Beinahe zehn Jahre, nachdem die Übernahme von Pro Sieben durch Axel Springer am Veto des Bundeskartellamts scheiterte, befinden sich beide Konzerne angeblich in Fusionsverhandlungen. Mehrere Medien berichten übereinstimmend über entsprechende Pläne.
Zuerst hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung aus Insider von den Fusionsverhandlungen berichtet, später auch das "Handelsblatt". Auch die Nachrichtenagentur Reuters hat von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren, dass es Gespräche zwischen Axel Springer und Pro Sieben gebe. Diese seien aber noch in einem sehr frühen Stadium, heißt es. Ein möglicher Deal sei demnach eher eine Frage von Monaten als von Wochen. Den Berichten zufolge sei Axel Springers Großaktionärin Friede Springer über die Pläne unterrichtet. Pro Sieben Sat 1 hat indes keine dominierenden Aktionäre mehr, seitdem die Finanzinvestoren KKR und Permira ihre Anteile abgegeben haben. Sprecher der beteiligten Unternehmen lehnten laut Reuters eine Stellungnahme bislang ab.

Bereits 2005 stand ein Zusammenschluss von Axel Springer und Pro Sieben bevor. Seinerzeit wollte der "Bild"-Konzern dem damaligen Eigentümer von Pro Sieben Sat 1 Haim Saban dessen Anteile abkaufen. Der Deal scheiterte später jedoch am Veto des Bundeskartellamts und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), die eine vorherrschende Markt- und Meinungsmacht Springers in der deutschen Medienlandschaft befürchteten. 2012 hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof allerdings festgestellt, dass das Verbot der Übernahme rechtswidrig gewesen sei. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diese Auffassung im vergangenen Jahr. Auch diesmal dürfte sich das Bundeskartellamt genau anschauen, welche Konsequenzen eine Fusion der Medienriesen hätte. Pro Sieben teilt sich den deutschen TV-Markt praktisch mit der RTL Group. Axel Springer hingegen verfügt mit der "Bild" über die auflagenstärkste deutsche Zeitung. Außerdem besitzt der Medienkonzern mit N24 einen eigenen TV-Sender. Im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt dürfte durch eine Fusion allerdings kaum eine "vorherrschende Meinungsmacht" entstehen, zumal Springer einen Gutteil seines Printgeschäft an die Funke Mediengruppe verkauft hat.

Sollte es nun zu einem Zusammenschluss kommen, dürfte dieser unter veränderten Vorzeichen stattfinden: Diesmal wäre Pro Sieben wohl der Seniorpartner. Zwar erwirtschafteten beide Unternehmen im vergangenen Jahr fast den gleichen Umsatz (Springer: 3 Milliarden; Pro Sieben: 2,9 Milliarden), Pro Sieben wird laut "Wall Street Journal" allerdings mit 9,7 Milliarden Euro bewertet, Springer mit 4,7 Milliarden. Ein Gemeinschaftsunternehmen brächte es somit auf eine Marktkapitalisierung von 14,4 Milliarden Dollar. ire

Update 7.7.2015, 9.15 Uhr: Axel Springer hat auf die mediale Berichterstattung mit einem Pressestatement reagiert. Die Stellungnahme im Wortlaut: "Auch wenn sich die Axel Springer SE zum Wahrheitsgehalt von Marktspekulationen grundsätzlich nicht äußert, gilt: Die Axel Springer SE arbeitet unverändert an der Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens in eine KGaA mit dem Ziel, die Kontinuität der Kontrolle durch die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co./Friede Springer langfristig sicherzustellen und Wachstumsoptionen zu erschließen. Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage."
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