Axel Springer Media Impact Wie Springer Google, Facebook und TV-Konzernen Paroli bieten will

Montag, 08. September 2014
ASMI-Chef Peter Würtenberger
ASMI-Chef Peter Würtenberger
Foto: Foto: Axel Springer

Rechtzeitig zur Dmexco präsentiert Asmi-Chef Peter Würtenberger seine Wachstumsstrategie. Im Zentrum steht eine Offensive bei Bewegtbild und ein massiver Ausbau des Mandatengeschäfts in Print, Online und TV. Wie Springer Google, Facebook und den TV-Konzernen Paroli bieten will, erklärt Würtenberger im Interview mit HORIZONT.

Peter Würtenberger über:

… die größten Wettbewerber:

Unsere Hauptwettbewerber sind für mich nicht mehr andere Verlage, sondern Google für Display Ads, Facebook für Mobile und die beiden großen TV-Vermarkter für Bewegtbild.

 … die Möglichkeiten bei Bewegtbildwerbung:

Wir haben die einmalige Chance, Bewegtbild auf den Websites unserer Printmarken zu integrieren und an Etats zu kommen, die Verlagen bisher verschlossen waren. Das gilt vor allem für die Werbebudgets für Fast Moving Consumer Goods, die traditionell zu über 80 Prozent im klassischen TV landen. Das wird nicht so bleiben, ein großer Teil dieser Budgets wandert ins Internet. Natürlich wird das TV-Duopol versuchen, seine Position ins Digitale zu übertragen. Ich bin aber überzeugt, dass sich Asmi bei Bewegtbildwerbung als ein sehr ernst zu nehmender Wettbewerber von Pro Sieben Sat 1 und RTL etablieren wird.

 … die Rolle von Print für Asmi:

Print ist essenziell wichtig! Und zwar nicht nur, weil wir nur mit einem starken Print-Portfolio die Größenordnung erreichen, die wir brauchen, um auf Augenhöhe den Mediaagenturen zu verhandeln und in einer Liga mit den beiden großen TV-Vermarktern zu spielen. Für mich ist Print auch als Backbone unerlässlich, um unsere Digital- und TV-Aktivitäten weiter ausdifferenzieren zu können. Ich setze sehr stark auf die Chancen, die sich für aus der Zusammenarbeit mit der Funke Mediengruppe für beide Seiten ergeben.

 … mögliche Mandanten in der Vermarktung:

Wir sind in allen Mediengattungen, in denen wir vertreten sind, bereit, die Partnervermarktung massiv auszuweiten. Das gilt für Print, aber auch für TV und Online. Wir sehen überall Konzentrationstendenzen. Entsprechend schwierig wird es für kleinere Verlage, Fernsehsender und Online-Vermarkter, bei Werbungtreibenden und den großen Mediaagenturen überhaupt noch Gehör zu finden.

 … den Tageszeitungsvermarkter Medienhaus Deutschland:

Dem Medienhaus Deutschland wünsche ich mehr Erfolg, als es bisher hat. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass regionale Tageszeitungen bei Asmi besser aufgehoben wären. Aber diese Entscheidung müssen deren Verleger treffen. Was die Performance von „Bild“ betrifft, schauen Sie sich doch nur das Segment Handel an: Aldi hat sich von allen möglichen Printhäusern mehr oder weniger verabschiedet, während sie bei uns erst richtig eingestiegen sind.

 … eine mögliche Übernahme von Heftig.co:

Was die beiden Jungs in Potsdam mit mehr als einer Million Facebook-Fans aufgebaut haben, ist sensationell.  Gute Vermarktungscases muss man aber nicht immer gleich kaufen. Außerdem sind wir im Social Media- und Viral-Bereich selbst gut aufgestellt, bei bild.de hat sich hier viel getan.

 …  den Shift von Desktop zu Mobile:

Als ich aus dem Silicon Valley zurückkam, war eines der wichtigsten Learnings: What the Web did to classical Media, Mobile does to the Web now. Wobei niemand damit gerechnet hat, dass die Entwicklung dermaßen rasant voranschreiten würde. Die Nutzung von Mobile liegt inzwischen bei 40 Prozent, bei Facebook sogar noch dramatisch höher. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass die Desktop-Nutzung nicht nur stagniert, sondern sogar zurückgehen wird. Vor drei Jahren haben wir uns darüber gefreut, dass Online zehn Prozent zu unseren Vermarktungserlösen beiträgt – heute liegen wir bei über 20 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung erwarte ich bei Mobile, das heute gerade mal für zehn Prozent unserer digitalen Werbeeinnahmen steht. Die Dynamik ist enorm, wir werden in diesem Jahr unsere Mobile-Umsätze um 200 Prozent steigern.

 … die Chance, mit Bewegtbild, Display und neuen digitalen Werbeformaten die Rückgänge  in Print zu kompensieren:

Wir stehen immer noch ganz am Anfang, was die Transformation der Werbeetats vom klassischen Geschäft ins Digitale betrifft. Aktuell fließen nicht einmal 20 Prozent der klassischen Werbespendings ins Internet. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Anteil in den kommenden Jahren in Richtung 40 bis 50 Prozent erhöht. Das ist eine gewaltige Disruption – auch für Asmi. 2013 stammten noch rund 80 Prozent unserer Erlöse aus Print. Wir kommen jetzt in eine Phase, in der die Zugewinne im Digitalgeschäft, das aktuell für einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro steht, größer sind als die Rückgänge im Printgeschäft. Ich bin davon überzeugt: Das Wachstum im Digitalen wird die Verluste in Print kompensieren. js

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