Axel Springer Marken-Vorstandschefs von Volkswagen boykottieren „Goldenes Lenkrad“

Mittwoch, 08. November 2017
Mathias Döpfner bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads
Mathias Döpfner bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads
© ASV

„Wir hoffen sehr, dass das keine Strafe für kritische Berichterstattung der ,Bild am Sonntag‘ ist“, kommentierte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ die kurzfristigen Absagen aller VW-Marken-CEOs.

In der Einladung zur diesjährigen Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ versprach Axel Springer: „Auf dem Roten Teppich werden die wichtigsten Auto-Manager Europas erwartet“. Am Dienstagabend war es soweit. Im Ernst-Cramer-Saal moderierte Barbara Schöneberger den „wichtigsten Autopreis Europas“, wie es am Folgetag in „Bild“ hieß. „Toll, dass sie alle da sind“, begrüßte Mathias Döpfner die Gäste, stockte kurz und korrigierte: „… oder fast alle da sind“. Kurzfristig hätten nämlich alle Vorstandschefs der VW-Marken ihre Teilnahme abgesagt, informierte Döpfner.

Tatsächlich waren weder Porsche-Chef Oliver Blume gekommen noch Skoda-Chef Bernhard Maier noch Audi-CEO Rupert Stadler noch der Vorsitzende des PKW-Markenvorstands, Herbert Diess, und konsequenterweise auch nicht Matthias Müller selbst. Womit sie ihre Aussage begründeten? Das konnte Mathias Döpfner nur vermuten: „Wir hoffen sehr, dass das keine Strafe für kritische Berichterstattung der ,Bild am Sonntag‘ ist“.

Seit Jahren schon macht sich das preisgekrönte Team um Kayhan Özgenc einen Namen mit Recherchen in der Autobranche, und dort insbesondere beim von Skandalen gebeutelten Volkswagen-Konzern – übrigens sehr zum Unmut des VW-Kommunikationschefs Hans-Gerd Bode, der bei Twitter erst neulich glaubte, dafür den Begriff „Fake News“ gebrauchen zu müssen.

Und so fehlten in diesem Jahr beim anschließenden Empfang im Journalistenclub die ganz großen VIPs. Zwar gingen trotz verschärftem Auswahlverfahren der Jury – Tom Drechsler, Autochef der Bild-Gruppe sprach von Tests „im Stil von Doping-Kontrollen“ – auch diesmal mehrere Goldene Lenkräder an VW. Um sie entgegenzunehmen, hatte der Autokonzern allerdings lediglich die jeweiligen Entwicklungschefs vorgelassen.

Das Verhalten zeugt nicht gerade von Souveränität – was Döpfner zu dem Kommentar anregte: „Für Medien wie die Automobilbranche ging es in diesem Jahr vor allem um die Glaubwürdigkeit ihrer Marken und Produkte. Dabei ist für mich gerade die Souveränität und Offenheit im Umgang mit Fehlern entscheidend für den Erhalt des Vertrauens, bei Lesern und Werbekunden wie bei Autobesitzern und -käufern.“

Der Vollständigkeit halber sollte allerdings erwähnt werden, dass auch Döpfner schon einmal nach einem kritischen Bericht des „Stern“ der Verleihung des Nannen-Preises fernblieb. Es ging damals um Springers Pleite mit dem privaten Briefdienstleister PIN. Aber das ist lange her, sozusagen verjährt. usi 

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